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Zwischen Tradition und Moderne: Ein Blick hinter die Kulissen beim Lemgoer Zahnarzt Felix Rullmann

Menschen in Lemgo: Zahnarzt Felix Rullmann im „Mein Lemgo“-Interview


LEMGO – Die Engelbert-Kämpfer-Straße 10 ist für viele Lemgoer eine bekannte Adresse, wenn es um die Zahngesundheit geht. Seit drei Jahren praktiziert dort Felix Rullmann, der nach seinem Studium ganz bewusst in seine Heimatstadt zurückgekehrt ist. Wir haben mit dem engagierten Zahnarzt, der vielen auch aus der lokalen Politik bekannt ist, über die Entwicklung der Zahngesundheit, die Herausforderungen der Nachhaltigkeit in der Medizin und seine tiefe Verbundenheit zur Hansestadt gesprochen.

Das Interview

Mein Lemgo: Herr Rullmann, Sie sind gebürtiger Lemgoer. War es für Sie immer klar, dass Sie nach dem Studium wieder hierher zurückkehren?

Felix Rullmann: Für mich war das eigentlich jederzeit klar. Lemgo ist meine Heimat, und schon zu Beginn meines Studiums 2012 in Münster stand der Plan fest, wieder zurückzukommen. Ich schätze hier vor allem die Freundlichkeit, die netten Menschen und die wertschätzende Art der Patienten. Seit fast drei Jahren bin ich nun mit meiner Praxis hier und bereue keine Minute.

Mein Lemgo: Sie praktizieren nun seit fast zehn Jahren, seit 2023 in Ihrer eigenen Praxis. Wie hat sich die Zahngesundheit der Menschen in dieser Zeit verändert?

Felix Rullmann: Die Statistiken zeigen einen massiven Wandel: Die heutige Generation kommt im Schnitt mit nur einem Loch an einem Zahn im gesamten Gebiss durch ihr Leben. Das ist ein gewaltiger Fortschritt gegenüber früheren Generationen, was vor allem an der verbesserten Prophylaxe, Aufklärung und dem medizinischen Know-how liegt.

Mein Lemgo: Ein großes Thema bleibt die Angst vor dem Zahnarztbesuch. Wie gehen Sie damit um?

Felix Rullmann: Tatsächlich ist laut Statistik jeder zweite Patient ein Angstpatient. Es gibt kein pauschales Wundermittel, aber viel Reden und Aufklären hilft. Wir gehen oft kleinschrittig vor und fangen vielleicht erst einmal mit einfachen Dingen wie Zahnsteinentfernen an, um Vertrauen aufzubauen. Da der Patient nicht sieht, was im Mund passiert, ist das Erklären der wichtigste Schlüssel. Ganz wichtig ist auch ein kleinschrittiges Vorgehen: Nicht jedem ist damit geholfen, sofort 20 Füllungen oder 10 Kronen zu machen. Oft beginnen wir mit einfachen Dingen wie dem Zahnsteinentfernen, um langsam Vertrauen aufzubauen.

Mein Lemgo: Viele Patienten klagen über steigende Krankenkassenbeiträge bei sinkenden Leistungen. Welche Zusatzleistungen machen wirklich Sinn?

Felix Rullmann: Ich bin ehrlich: Bleaching beispielsweise ist ein rein ästhetischer Eingriff, den man nicht unbedingt bewerben muss. Sinnvoll sind hingegen oft hochwertige Kunststofffüllungen statt Zement, da diese langlebiger sind. Auch die professionelle Zahnreinigung (PZR) hat ihre Berechtigung, vor allem wegen der begleitenden Aufklärung. Wie oft man sie braucht – von null bis viermal im Jahr – ist jedoch völlig individuell.

Mein Lemgo: Lohnt sich dementsprechend eine Zahnzusatzversicherung für jeden?

Felix Rullmann: Nicht unbedingt, ein Mensch, der in seinem Leben nur eine Karies hat, braucht keine Versicherung. Wer jedoch schon fünf bis sieben, teils größere Füllungen hat, sollte darüber nachdenken. Keine Füllung hält ewig, und wenn später teure Kronen anstehen, nimmt eine Versicherung auch massiv die Bauchschmerzen und die Angst vor dem Zahnarztbesuch, weil die Kostenfrage geklärt ist. Ich empfehle, den Zahnarzt nach dem individuellen Zustand der Zähne zu fragen und sich ansonsten an der sogenannten „Waizmanntabelle“ oder einem guten Versicherungsmakler zu orientieren. Wer voraussichtlich nie einen Zahn verliert, muss beispielsweise keine teuren Implantat-Leistungen mitversichern.

Mein Lemgo: Das Thema professionelle Zahnreinigung (PZR) wird oft diskutiert. Warum ist sie wichtig, obwohl sie keine Standardleistung der Kassen ist?

Felix Rullmann: Warum es keine Standardleistung ist, lässt sich schwer sagen, wobei viele Kassen inzwischen Zuschüsse geben. Rein wissenschaftlich betrachtet wirkt die Reinigung allein nur einige Tage. Der wahre Nutzen entsteht aber aus der Kombination von Reinigung und Aufklärung. Wir zeigen den Patienten, wo sie ihre Technik verbessern können – dieses Wissen nehmen sie mit nach Hause und halten ihre Zähne so das restliche Jahr gesund.

Mein Lemgo: Wie oft sollte man zur PZR gehen?

Felix Rullmann: Das ist absolut individuell. Menschen mit einer Neigung zu Parodontitis benötigen sie vielleicht zwei- bis viermal im Jahr. Wer eine perfekte Hygiene hat, braucht sie eventuell gar nicht oder nur einmal im Jahr zur Entfernung von Kaffee- oder Raucherflecken. Man kann es mit der Wartung beim Auto vergleichen: Kleinere Schäden werden so einfach früher erkannt.

Mein Lemgo: Es kursieren bei der Zahnpflege viele Mythen wie Backpulver zum Bleichen oder Ölziehen. Was ist Ihr Rat?

Felix Rullmann: Backpulver ist gefährlicher Unfug, da es den Zahnschmelz regelrecht abreibt. Die Zähne wirken kurz heller, werden aber langfristig sogar gelber, weil das darunterliegende Dentin zum Vorschein kommt. Ölziehen ist als Ergänzung für ein frisches Gefühl okay, ersetzt aber nicht den mechanischen Abrieb der Bürste. Man muss die Zähne mit einer Bürste berühren, um sie wirklich sauber zu bekommen.

Mein Lemgo: Gibt es Lebensmittel, die für die Zähne besonders unterschätzt werden?

Felix Rullmann: Ja, ironischerweise sind das extrem Vitamin-C-haltige Lebensmittel. Vitamin C ist zwar super für den ganzen Körper und den Zahnhalteapparat, aber da es sich dabei um Ascorbinsäure handelt, kann ein exzessiver Konsum durch die Säure den Zähnen massiv schaden.

Mein Lemgo: Stichwort Innovation: Ersetzen digitale Scanner bald den klassischen Abdruck?

Felix Rullmann: 3D-Scanner sind toll, besonders für Patienten mit Würgereiz. Da es immer weniger Zahntechniker gibt und wir über größere Distanzen arbeiten müssen, werden sie bald unverzichtbar sein. Ich persönlich arbeite bei Kronen jedoch oft noch lieber klassisch, da Scanner bei der Präsenz von Blut oder viel Speichel im Mund schnell an ihre Grenzen stoßen. Die für mich absolut größte Neuerung sind bioaktive Materialien, wie MTA oder Tricalciumsilikate. Diese noch recht jungen Stoffe aktivieren die Stammzellen im Zahn und können Zähne lebendig erhalten, wodurch sich oft sogar aufwendige Wurzelkanalbehandlungen vermeiden lassen.

Mein Lemgo: Auch Nachhaltigkeit ist heute ein großes Thema. Kann eine Praxis „grün“ sein?

Felix Rullmann: Das ist ein schwieriger Spagat. Bei jedem Patienten müssen wir aus hygienischen Gründen mindestens ein neues Paar Einweghandschuhe nutzen. Ökologische Alternativen kosten statt 5 Cent schnell 20 Cent – bei dutzenden Patienten am Tag würde das die Behandlungspreise unnachhaltig in die Höhe treiben. Auch können wir für die Hygiene kein aufbereitetes Regenwasser nutzen, da vertrauen wir weiter auf die Lemgoer Stadtwerke. Wo wir aber sehr wohl ansetzen können, ist unser immenser Stromverbrauch, der durch die ganzen Sterilisationsapparate entsteht. Hier sehe ich Photovoltaik und Solar als sehr guten Zukunftsaspekt, um gegenzusteuern.

Mein Lemgo: Gibt es einen Ort in Lemgo, wo Sie besonders gut entspannen können?

Felix Rullmann: Tatsächlich sitze ich manchmal in der Mittagspause bei Rosario im Eiscafè Venezia und genieße dort die kurze Auszeit bei einem Spaghetti Eis – aber auch unser Marktplatz und die gesamte Innenstadt bieten viel…ehrlich gesagt kann ich mich da nicht wirklich entscheiden (lacht)

Mein Lemgo: Herr Rullmann, vielen Dank für das Gespräch. Möchten Sie den Lemgoern noch etwas mitgeben?

Felix Rullmann: Ich möchte mich einfach für die letzten drei Jahre bedanken. Trotz des abrupten Wechsels damals wurde ich von den Lemgoer Bürgern so herzlich, freundlich und neugierig aufgenommen. Diese Resonanz freut mich wirklich sehr.

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Michael Pitt

Michael Pitt betreibt das Portal Mein-Lemgo seit 2021. Er ist in Lemgo geboren, wohnt direkt am Marktplatz und ist Lemgoer mit Herz und Seele.
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