Wetterglück und Polarlichter: Spannende Einblicke in die Atmosphärenforschung
Lemgo. Einen derart vollen Saal erlebt man im Januar selten: Bis auf den letzten Platz war das Quartierszentrum gefüllt, als Dr. Thorben Hendrik Lüke-Mense vom Leibniz-Institut für Atmosphärenphysik (IAP) am 2. Januar 2026 zu Gast bei der Nachbarschaft Lemgo Süd war. Sicherlich lockten die angekündigten Polarlicht-Aufnahmen viele Gäste an, doch bemerkenswert war das große Interesse an Physik, Klimaforschung und der norwegischen Winterlandschaft.
Der promovierte Physiker und ehemalige Schüler des Marianne-Weber-Gymnasiums in Lemgo entführte die Zuhörer auf die Insel Andøya. Dort, auf einem Felsmassiv 379 Meter über dem Polarmeer, liegt das Observatorium ALOMAR. Lüke-Mense gab faszinierende Einblicke in den Alltag auf einer solchen Forschungsstation, welcher geprägt von extremer Dunkelheit und harschen Wetterbedingungen ist.
Kern des Vortrags war die Technik: Die Lidar-Systeme des IAP zählen zu den leistungsstärksten der Welt. Sie senden Laserstrahlen bis an den Rand des Weltalls (ca. 100 km Höhe), um präzise Daten zu Wind, Temperatur und der Dichte von Aerosolen (Staubteilchen) zu erfassen. Diese Messungen liefern seit 1994 eine weltweit einzigartige Datensammlung an einer vom Klimawandel besonders stark betroffenen Region. Zudem stellte der Referent ein neues System aus dem europäischen EULIAA-Projekt vor. Dieser Prototyp soll den Grundstein für ein künftiges europaweites Lidar-Netzwerk legen. Das Besondere: Mit einem Volumen von nur einem Kubikmeter ist es sehr kompakt und mobil, erweitert aber dennoch die Fähigkeiten des Observatoriums im Bereich bis 50 km Höhe erheblich.
Forschung steht und fällt hier mit dem Wetter: Nur bei Wolkenlücken kann gemessen werden, dann aber rund um die Uhr. Lüke-Mense berichtete von seinem „Wetterglück“ beim jüngsten Aufenthalt im November. Dies ermöglichte nicht nur viele Messdaten, sondern auch spektakuläre Fotos von Polarlichtern, die er dem Publikum präsentierte. Ein Highlight war zudem der Start einer Forschungsrakete vom benachbarten „Andøya Space“ Raketenstartplatz, dessen Auswirkungen auf die Atmosphäre direkt gemessen werden konnten. In diesem Kontext ging er auch auf die rasant steigende Zahl kommerzieller Raketenstarts und deren Umweltfolgen ein.

Wie rau es im Norden sein kann und wie groß das Glück war, zeigten Daten von Windgeschwindigkeiten über 220 km/h am Observatorium, kurz nach der Abreise von Lüke-Mense. Dass auch das Lipperland noch „Winter kann“, merkten die Gäste beim Verlassen des Saals: Passend zu den Fotos norwegischer Schneeberge empfing sie draußen echtes Schneewetter.
Eine rundum gelungene Auftaktveranstaltung der Nachbarschaft Lemgo Süd im neuen Jahr, die mit vielen fachkundigen Fragen und positivem Feedback für den Referenten endete.
Die nächste Veranstaltung der Nachbarschaft Lemgo Süd findet am 06. Februar 2026 um 19.00 Uhr im Quartierszentrum statt. Dann geht es um besondere Wohn- und Bebauungsprojekte in Lemgo Süd.
PM Nachbarschaft Lemgo Süd



