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Ein Unikat an der Bega: 26 Jahre Café Walkenmühle – Wo die Pizza schmeckt und der Wirt Tacheles redet


Lemgo/Brake. Es gibt Orte, die bestechen durch ihre Lage, und es gibt Orte, die leben von ihren Geschichten. Das Café Walkenmühle in Lemgo-Brake vereint beides. Idyllisch am Naturschutzgebiet an der Bega gelegen, wo das Rauschen des Wassers den Straßenlärm längst verschluckt hat, finden Gäste seit über einem Vierteljahrhundert eine Auszeit vom Alltag. Doch wer hier einkehrt, kommt oft nicht nur wegen des hausgemachten Kuchens oder des Biergartens. Man kommt auch wegen Sven Brodbeck – dem Inhaber, der das Herz und die (manchmal raue) Seele dieses Ortes ist.


Es ist ein Ort, an dem Naturerlebnis und kulinarische Vielfalt Hand in Hand gehen.
Das Herzstück des Hauses ist das rustikale Café, das mit seinen 50 Plätzen eine gemütliche und persönliche Atmosphäre ausstrahlt. Sobald die Sonne scheint, zieht es die Gäste jedoch nach draußen in den großzügigen Biergarten. Direkt am Wasser gelegen, lässt es sich hier wunderbar verweilen, während der Blick ins Grüne schweift.


Kulinarisch setzt das Team auf eine ehrliche und vielseitige Küche. Die Auswahl reicht von Kaffeespezialitäten und hausgemachten Kuchen, die nach traditioneller Art gebacken werden, bis hin zu herzhaften Speisen. Besonders die frischen Pizzen und knackigen Salate haben sich unter den Besuchern als echte Favoriten etabliert. Ein fester Termin im Kalender vieler Stammgäste ist zudem das wöchentliche Frühstücksbuffet, das keine Wünsche offen lässt.


Die Walkenmühle ist mehr als nur ein Café. Durch regelmäßige kulturelle Veranstaltungen, wie etwa Live-Konzerte unter freiem Himmel, hatte sich der Betrieb in den letzten Jahren als fester Bestandteil der regionalen Kulturszene etabliert. Wer einen besonderen Anlass zu feiern hat, findet hier ebenfalls den passenden Rahmen: Die Räumlichkeiten und der individuelle Buffet-Service stehen für private Feierlichkeiten zur Verfügung.

Was im Jahr 2000 auf der „grünen Wiese“ begann – vorher gab es an dieser Stelle keine Gaststätte –, hat sich zu einer Institution entwickelt. Sven führt das Café nun im 26. Jahr und ist weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Nicht zuletzt durch seine Präsenz in den sozialen Medien, wo er mit „lippischer Direktheit“ kein Blatt vor den Mund nimmt. Wir haben ihn zum ausführlichen Gespräch getroffen – über Polizeieinsätze wegen Pizza, das Geheimnis der perfekten Torte und die Ruhe nach dem Sturm.

Im Gespräch mit Sven: „Ich rede wirklich so“

mein-lemgo: Sven, wenn man hier im Biergarten sitzt, wirkt alles sehr eingespielt. Aber du hast hier buchstäblich bei Null angefangen, richtig?

Sven Brodbeck

Sven: Genau. Ich habe das Café im Jahr 2000 aufgebaut. Vorher gab es hier ja gar nichts, keine Gaststätte, nichts. Seitdem mache ich das, wir sind jetzt also schon im 26. Jahr.

mein-lemgo: In über zwei Jahrzehnten erlebt man sicher Dinge, die man sich nicht ausdenken kann. Gibt es eine Geschichte, die dir besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Sven: Da gab es einige Highlights. Aber eins sticht heraus: Ich hatte einen Gast, der seine Pizza tatsächlich mit dem Zollstock nachgemessen hat. Das kann man sogar noch in den Google-Bewertungen nachlesen. Der Herr hat sich darüber so sehr aufgeregt, dass am Ende keiner mehr wusste, worum es eigentlich ging. Leider musste er dann von der Polizei mitgenommen werden.

mein-lemgo: Das klingt filmreif. Du bist ja bekannt dafür, immer geradeaus zu sein. Wie definierst du Gastfreundschaft?

Sven: Bei uns ist jeder herzlich willkommen – solange er vernünftig ist. Wenn jemand meine Bedienung oder mich vernünftig behandelt, bekommt er das Gleiche zurück. Aber wenn jemand persönlich wird, handgreiflich oder blöde Sprüche bringt, habe ich überhaupt kein Problem damit, das zu klären.

mein-lemgo: Diese ehrliche Art hast du auch ins Internet getragen. Auf Instagram hast du eine treue Followerschaft für deine „Spirenzchen“, wie es manche nennen. Hast du mit diesen Erfolg gerechnet?

Sven: Nein, das hätte ich nicht gedacht, und das war auch nicht so geplant. Eigentlich bin ich gar nicht der Typ dafür. Aber wir müssen ja mit der Zeit gehen. Viele denken vielleicht, ich hätte morgens schon einen „auf dem Kessel“, aber nein: Ich rede wirklich so. Ich bin so und muss mich nicht verstellen.

Von Torten, Musik und magischen Momenten

Das Café ist aber nicht nur One-Man-Show, sondern kulinarischer Anlaufpunkt. Besonders die selbstgemachten Kuchen locken nachmittags große Gruppen an. Auf die Frage nach alten Familienrezepten winkt Sven jedoch ab: „Rezepte von Oma habe ich gar nicht mehr. Oma hat sich immer sehr viel Zeit gelassen, bei uns muss es etwas zügiger gehen. Ich kann für einen Kuchen nicht drei Stunden brauchen“. Dennoch gibt es einen klaren Favoriten der Gäste: Der Birne-Eierlikör-Kuchen. „Der geht weg wie eine Eins“, bestätigt der Chef.

Auch kulturell hat die Walkenmühle ihre Spuren hinterlassen. Zwar ist die Live-Musik etwas weniger geworden, aber Sven erinnert sich gerne an Abende mit Künstlern wie Pete Elderton, der oft zusammen mit dem leider verstorbenen Tommy für großartige Stimmung sorgte.

mein-lemgo: Sven, bei all dem Trubel – Frühstücksbuffet, Pizza-Geschäft, volle Hütte am Wochenende – wo findest du deinen persönlichen Ausgleich?

Sven: Montags und dienstags arbeite ich nicht, diese Tage sind mir heilig. Da gehe ich Fischen. Das ist mein Ausgleich, seit ich eine Angel halten kann. Und natürlich meine Familie – meine beiden Töchter und meine Frau, die schon seit 20 Jahren zu mir hält.

mein-lemgo: Und was ist für dich der schönste Moment hier im Café?

Sven: Mein magischer Moment ist, wenn abends keiner mehr da ist. Wenn ich mir eine Flasche Bier nehme, das Wasser rauschen höre und einfach mit meinen Mitarbeitern noch in Ruhe dasitze und wir darüber lamentieren, wie schön der Tag war.

mein-lemgo: Zum Abschluss: Was plant die Walkenmühle für die Zukunft?

Sven: Pläne habe ich wie jedes Jahr: Mich wieder zu verbessern, den Service voranzubringen und neue Sachen zu überlegen, die der Gast gerne möchte. Wir treiben es einfach immer weiter voran.


Kompakt: Café Walkenmühle

Wer Sven und sein Team live erleben möchte – ob für eine Pizza (ohne Zollstock), ein Stück Birne-Eierlikör-Kuchen oder das sonntägliche Frühstücksbuffet – findet hier alle Infos:

  • Adresse: Walkenmühle 1, Lemgo (direkt am Naturschutzgebiet)
  • Öffnungszeiten:
    • Mi – Sa: 14:00 – 22:00 Uhr
    • So: 09:00 – 22:00 Uhr (mit Frühstücksbuffet)
    • Mo & Di: Ruhetag
  • Angebot: Täglich frische Pizza und hausgemachte Kuchen, Räumlichkeiten für Feiern bis ca. 50 Personen.
  • Web: www.cafe-walkenmuehle.de
  • Insta:cafe_walkenmuehle_lemgo
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Michael Pitt

Michael Pitt betreibt das Portal Mein-Lemgo seit 2021. Er ist in Lemgo geboren, wohnt direkt am Marktplatz und ist Lemgoer mit Herz und Seele.
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