Kulinarischer Neustart im Denkmal: Ein Trio bringt den „gehobenen Landhausstil“ nach Lemgo
Lecker Lemgo – Essen & Trinken | Ein Gastroführer Teil 1: Florians Esszimmer und Begemanns Botschaft
Lemgo. Es duftet nach handgemachter Küche in der Mittelstraße. Es ist ein Projekt, das Tradition, Freundschaft und Mut zur Selbstständigkeit vereint: Seit dem 10. Dezember empfängt „Florians Esszimmer“ in der Lemgoer Mittelstraße 100 seine Gäste. In den Räumen von „Begemanns Botschaft“ haben sich drei bekannte Gesichter der lippischen Szene zusammengetan, um eine Lücke in der Hansestadt zu schließen: Friedhelm Begemann, Florian Grönnert und Norbert Lange. Das Konzept setzt auf Frische, Regionalität und eine Prise lippischer Gastronomiegeschichte in Lemgos künftiger ‚Guten Stube‘.
Vom Landhaus Schieder in die Hansestadt Die Geschichte hinter dem neuen Restaurant ist eng mit einer anderen lippischen Institution verknüpft. Herzstück der Küche ist Florian Grönnert. Der Koch aus Schieder-Schwalenberg war zuvor 13 Jahre lang Küchenchef im „Landhaus Schieder“. Ihm zur Seite steht sein ehemaliger Chef Norbert Lange, der das Landhaus fast 20 Jahre lang besaß und führte, bevor er es vor zwei Jahren verkaufte.
Die Verbindung riss nie ab, und als Lange nach Barntrup zog – in die Nähe des Begemannschen Hofes in Humfeld – entstand die Idee zur erneuten Zusammenarbeit. „Die Zusammenarbeit mit ihm war immer sehr fruchtbringend und sehr angenehm“, betont Lange. Als Grönnert den Wunsch nach Veränderung äußerte, bot sich Lange als Partner an: „Wenn er jetzt den Schritt in die Selbstständigkeit wagt, dann mache ich ihm gern den Steigbügelhalter“. Friedhelm Begemann wirft ein, dass Norbert Lange zu bescheiden sei, er sei durchaus der Maître im Haus. Begemann, den Lange als „lippisches Urgestein“ bezeichnet, komplettiert das Trio als Partner, Fachmann fürs Hochprozentige und Gastgeber in der Immobilie.
Handwerk trifft auf Klassiker: Königsberger Klopse, Konfierte Keule und Eintopftag
Kulinarisch hat sich Grönnert ein klares Ziel gesetzt: „Deutsches Essen, welches man hier in Lemgo so nicht mehr häufig findet. Frisch, saisonal, lokal. Mit dem Hauch Raffinesse zubereitet. Und saisonal wechselnde Angebote“. Dabei wird großer Wert auf ehrliches Handwerk gelegt. Fertigprodukte sind tabu; von der Soße über den Rotkohl bis zu den Spätzle wird alles selbst produziert.
Auf der Karte stehen Gerichte, die in der modernen Gastronomie mittlerweile selten zu finden sind. So berichtet Lange stolz von Klassikern wie zum Beispiel Königsberger Klopsen, Grünkohlschmaus oder Schnitzel nach Waidmanns Art. Mittwochs wird zudem traditionell ein „Eintopftag“ angeboten, beim Termin mit uns gab es beispielsweise die klassische Erbsensuppe, auf Wunsch mit Bockwurst und frischem Krustenbrot. Auch an die Vegetarier wird gedacht: Gnocchi-Pfanne mit Rosenkohl, Walnüssen und Gorgonzola findet man auf der aktuellen Karte. Im Angebot ebenso die konfierte Keule von der Bauernente, gefüllte Hirschröllchen oder der Zwiebelrostbraten vom Rumpsteak; oder ein Kaiserschmarrn mit gestopften Pflaumen und Vanilleeis. Das Menu wird regelmäßig an das saisonale und lokale Warenangebot angepasst.
Um auch Geschäftsleute und Einkaufsbummler anzusprechen, setzt das Team stark auf den Mittagstisch. Zwischen 12 und 14 Uhr gibt es drei bis vier wechselnde Gerichte im Preisrahmen von etwa 10 bis 15 Euro. „Frisch zubereitete Gerichte; gesund, sättigend und mit einem ordentlichen Preis-Leistungsverhältnis“, erklärt Lange das Konzept, mit dem man auch die Lücke schließen will, die durch Schließungen anderer lokaler Anbieter entstanden ist. Über ein „To-go“-Angebot für das Mittagessen wird aktuell noch nachgedacht, sofern es die Kapazitäten zulassen
Herausforderung Denkmalschutz: Vom Hutgeschäft zum „Blauen Salon“ Der Weg zur Eröffnung war intensiv. Rund drei bis vier Monate dauerte die Vorlaufphase. Die größte Herausforderung war dabei das Gebäude selbst: Das historische Haus steht unter Denkmalschutz. Früher befand sich hier ein Hutgeschäft, was den Umbau in einen Gastronomiebetrieb anspruchsvoll machte. „Was wird genehmigt? Wie ist es umzusetzen?“, beschreibt Lange die Fragen, die das Team beschäftigten, besonders unter dem Zeitdruck, vor Weihnachten zu eröffnen. Dank der Unterstützung durch lokale Handwerker und die Familie Begemann konnte der Termin jedoch gehalten werden.
Das Ergebnis ist ein Ambiente im „gehobenen Landhausstil“: Weinrote Wände, Kristalllüster und viel Kerzenlicht sorgen für eine gemütliche Atmosphäre. Das Restaurant bietet insgesamt 45 bis 50 Plätze, aufgeteilt auf verschiedene Räume wie den „Blauen Salon“ (bis 16 Personen), eine Weinstube, eine Jagdstube und die Ginothek. Das bietet die Möglichkeit, sowohl als Gruppe zu speisen, als auch einen Raum mit 2-4 Personen für ein wenig Privatsphäre zu nutzen. Für Gäste, die nur spontan ein Glas Wein oder ein Bier trinken möchten, wurden im vorderen Bereich zusätzlich rustikale Weinfässer mit Hochstühlen eingerichtet.
Regionale Spirituosen und internationale Weine Passend zum Namen „Begemanns Botschaft“ spielt das flüssige Angebot eine zentrale Rolle. Rund 20 Brände und Geiste vom Begemannschen Hof stehen zur Auswahl – sowohl glasweise als auch flaschenweise im Shop. Norbert Lange empfiehlt als Spezialitäten den hauseigenen Gin Tonic, Limoncello oder saisonal eine „heiße und gepfefferte Pflaume“. Ergänzt wird dies durch Augustiner Edelstoff vom Fass sowie Weine aus Italien (Primitivo), Portugal (Douro) und vom Neckar (Grauburgunder).Wem nach dem Essen die begleitenden Getränke gut gefallen haben, der kann in der angrenzenden ‚Botschaft‘ gleich eine Flasche vom neuen Lieblingsgetränk erwerben. Oder er bestellt später ganz bequem im Online Shop der Brennerei.
Ausblick auf den Sommer Obwohl das Restaurant gerade erst gestartet ist, gibt es schon Pläne für die warme Jahreszeit. Eine Außenbestuhlung mit Markisen soll im Sommer weitere 40 bis 50 Plätze bieten. Auch kulturell und mit Events will man sich einbringen: Geplant ist unter anderem eine Teilnahme an „Lemgo Live“ mit einer Küchenparty nebst Live Musik.
Service-Informationen „Florians Esszimmer“ hat täglich außer dienstags (Ruhetag) geöffnet. Der Mittagstisch wird von 12 bis 14 Uhr serviert, das Abendgeschäft läuft von 18 bis 22 Uhr. Reservierungen sind telefonisch unter 0151-52495659 oder per E-Mail (Florians-zimmer@web.de) möglich.














