Hochinteressanter Abend mit Imker Dennis Huck: Asiatische Hornisse auf dem Vormarsch
In der jüngsten Veranstaltung der Nachbarschaft Lemgo Süd war Imker Dennis Huck Referent des Abends. Es ging dabei wie erwartet um die Leistungen von Bienen bei der Bestäubung von unseren Pflanzen und dem Sammeln von Nektar, über Bienenvölker im Allgemeinen sowie um die verschiedenen Honigsorten. Hierzu gab Dennis Huck umfangreiche Auskunft und beantwortete gerne alle gestellten Fragen in einer regen Diskussion.
Im Mittelpunkt des Abends stand aber die Vespa velutina nigrithorax, eine Unterart der Asiatischen Hornisse, die 2004 erstmals in Frankreich festgestellt worden ist. Ursprünglich stammt diese Hornissenart aus Südostasien, wurde aber nach Europa eingeschleppt. Sie hat sich mittlerweile in mehreren Ländern Europas ausgebreitet, gilt inzwischen als etablierte invasive Art und ist von der EU in die Liste der unerwünschten Spezies aufgenommen worden. Im Gegensatz zur Europäischen Hornisse, die unter Schutz steht, ist Vespa velutina etwas kleiner, dunkler und hat keine Rotanteile in der Zeichnung. Charakteristisch sind Ihre gelben Beine. Ihr Stachel ist länger und bei Störung verteidigt sie aggressiv ihr Nest.
Im zeitigen Frühjahr beginnt die aus dem Vorjahr überwinterte Königin mit dem Bau eines Primärnestes. Das Nest hat ungefähr die Größe eines Handballs und ein seitlich gelegenes Einflugloch. Wenn das Volk sich im Laufe des Sommers vergrößert, zieht ein Großteil der Hornissen aus und bildet dann mit der Königin ein neues, sogenanntes Sekundärnest. Dieses befindet sich meist schwer erreichbar hoch in Baumkronen. Dort kann es eine Größe von bis zu einem Meter Höhe, bei 80 cm Umfang haben. Diese Sekundärnester können von bis zu 5.000 Hornissen bewohnt werden. Auf dem Speiseplan der Vespa velutina stehen bis auf die Europäische Hornisse, so gut wie alle Insektenarten, wie Spinnentiere, Fliegen- und Wildbienenarten, vorrangig aber auch Honigbienen. Für die Volksentwicklung benötigt ein starkes Vespa velutina Nest ca. 11 kg Biomasse. Das entspricht in etwa 97.000 getöteten Bienen. Das vermehrte Auftreten der asiatischen Hornisse an Bienenständen, kann für Imker und die Honigbienen zum Problem werden.
Ein Bienenvolk produziert, je nach Standort und Trachtlage, etwa 50 – 60 kg Honig im Jahr. Jeder kann sich vorstellen, dass ein Verlust von einer großen Anzahl von Bienenvölkern nicht nur eine Reduzierung des hiesigen Honigertrages, sondern auch eine Reduzierung der für die Landwirtschaft so wichtigen Bestäubungsleistung bedeutet. Hinzukommt noch die durch die Hornisse verursachte Dezimierung anderer Insektenarten.
In diesem Zusammenhang ging Dennis Huck auf den Lebenszyklus der Hornissenart ein und warum es so wichtig sei, frühzeitig die Nester zu finden. Ab September schlüpfen die Drohnen und die unbegatteten Königinnen, die im folgenden Jahr wieder neue Nester bilden. Wenn man nicht gegensteuert, führt dies zu einem sprunghaften Anstieg der Population sowie zu einer weiteren Ausbreitung in Bereiche, wo sie bisher noch nicht vorzufinden ist.
„Wir haben ein Problem“, nicht nur die Imker. Auf keinen Fall sollte man auf die Idee kommen, Nester eigenständig zu beseitigen, dass kann böse enden. Die Fachleute benötigen einen Ganzkörperanzug der dicker sein muss als die normale Imkerschutzausrüstung, denn der Stachel ist bald dreimal so lang wie bei einer Honigbiene. Weiterhin ist ein Gesichtsschutz zu tragen, da die Hornisse nicht nur stechen, sondern auch Gift und Exkremente in die Augen spritzen kann. Ganz abgesehen davon, dass man teilweise auch einen Hubsteiger benötigt, um die Nester überhaupt zu erreichen.
Unzulässig und unter Strafe stehend, ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz laut Dennis Huck, das Aufstellen von Fallen. Grund dafür ist, dass dabei eine Vielzahl von anderen nützlichen Insekten getötet werden, die unter Naturschutz stehen, wie z. B. unsere europäische Hornisse (Vespa crabro).
Dennis Huck ging noch auf verschiedenen Präventionsmaßnahmen der Imker ein. Im besten Fall entfernt man das Primärnest gleich im Anfangsstadium oder man fängt die Vespa velutina Königin im zeitigen Frühjahr am Locktopf ab. Wobei er den Unterschied zwischen einem Locktopf und einer Falle deutlich machte!
Abschließend dankte Moderator Karl-Heinz Mense dem Referenten herzlich für seinen hochinteressanten Vortrag. Wie brandaktuell er war, zeigte sich bereits wenige Tage danach. Meldungen über gesichtete Asiatische Hornissen in der Laubke führten zu einem Einsatz von mehreren Imkern u.a. mit der Aufstellung von speziellen Locktöpfen für diese Insektenart um den Ort des Nestes lokalisieren zu können.
Text: Karl-Heinz Mense (Sprecher des Leitungsteams der Nachbarschaft Lemgo Süd)
Dir gefällt unser täglicher Einsatz für Lemgo? Dann unterstütze meine Arbeit hier mit einem virtuellen Kaffee für den Redakteur – oder einem Kauknochen für Redaktionshund Bolle! 🐾
🦴 Kauknochen oder Kaffee spendieren



