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Der dschungelgrüne Herzschlag der Mittelstraße: Wie ein Trio das Lemgoer Nachtleben belebt

Lemgo. Es riecht nach frischer Minze, Limetten und einer Spur Abenteuer im Schatten des Lemgoer Stadtbustreffs. Während sich der Heuschnupfen-geplagte Redakteur noch die Augen reibt, herrscht hinter dem Tresen der Mittelstraße 145 bereits geschäftige, aber gelassene Energie. Hier, wo die Wände Geschichten vom alten Johanneskrug, dem All Inn und dem jüngst verblichenen Coffee Corner flüstern, pulsiert seit März letzten Jahres ein neues, farbenfrohes Konzept: die Trio Bar.

Das Gesicht der Bar – das sind drei markante Affenköpfe im Logo, die sinnbildlich für ein echtes Lemgoer Dreiergespann stehen: Karolin Blum, Daniel Schnüll und Tobias Grieger. Mit viel gesunder Selbstironie teilen sie sich die Rollen im Netz als „Feierbiest“, „Lemgoer Jung“ und „Tellerwäscher“ auf. Im echten Leben stehen alle drei in strammen 40-Stunden-Hauptberufen. Die Bar ist ihr Herzensprojekt, das sie mit einer sechsköpfigen Mannschaft komplett nebenbei stemmen. „Uns ging es darum, wieder ein bisschen Leben und Action nach Lemgo zu holen“, erklärt Tobi, mit 38 Jahren der selbsternannte, optisch bestens erhaltene „Alterspräsident“ der Runde, mit einem Augenzwinkern. „Wir haben uns gedacht: Machen wir auch mal, ne?“

Ein 40-Stunden-Spagat und das perfekte Zusammenspiel der Stärken

Tobi

Dass ein solcher Spagat zwischen Hauptjob und Gastronomie funktioniert, liegt vor allem an einer cleveren Arbeitsaufteilung und dem gegenseitigen Vertrauen in die Stärken des anderen. Tobi ist als eingetragener Geschäftsführer das administrative Fundament des Ladens. Er hält im Hintergrund die Fäden bei der Buchhaltung, der bürokratischen Planung und der Mitarbeiterführung zusammen. Wenn im Bar-Alltag die Kasse streikt oder die Zahlen stimmen müssen, ist er der zuverlässige Ansprechpartner.

Daniel und Karo wiederum bilden die perfekte Ergänzung dazu und bringen ihre ganz eigenen Qualitäten ein. Wenn es darum geht, im stressigen Bar-Betrieb schnell organisatorische Probleme zu lösen oder in brenzligen Momenten einen kühlen Kopf zu bewahren, schaut das Team auf Daniel. Karo hingegen gilt als der emotionale Anker des Trios. Sie bringt die Empathie und die Nähe zu den Gästen mit, versteht es perfekt, das Eis zu brechen, und feiert auch gerne mal gut gelaunt mit den Kunden mit. Da sie sich die Schichten flexibel aufteilen, muss am Ende zwar jeder alles beherrschen – von der Theke bis zur Spülmaschine -, doch wenn sie alle drei gemeinsam im Laden stehen, greifen diese individuellen Stärken wie Zahnräder ineinander.

Der Sprung ins kalte Wasser – und das Wagnis beim Bier

Karo

Die Geburtsstunde der Bar war eine klassische Lemgoer Spontanaktion. „Wir hatten mitbekommen, dass das Coffee Corner schließt, sind hier vorbeigetapselt und haben gesagt: Mensch, lass uns doch einfach eine Bar machen“, erinnert sich der 36-jährige Daniel Schnüll. Auf seiner Geburtstagsparty steckte er Karo mit der Idee an. „Ich dachte nur: Hey, das ist ja krass, ich bin dabei!“, erzählt sie lachend. Zwei Wochen später war alles beschlossen – ganz nach dem Motto: Lieber ausprobieren, als sich später im Leben zu fragen: „Hätten wir mal?“ Nach fast anderthalb Jahren hat sich das Wagnis bewährt, auch wenn die Realität Arbeit verlangt. „Es ist nicht nur einfach ein Bier über die Theke zu schieben“, gesteht Daniel. „Da hängt ein Rattenschwanz dran, den der Gast gar nicht sieht: Leergut, Bestellungen, Einkäufe, Reparaturen“. Doch weil es der eigene Laden ist, erträgt man die Nächte bis weit nach Mitternacht gerne.

Das Trio beweist Mut zum Außergewöhnlichen – und das fängt schon beim Zapfhahn an. Wer den typischen lippischen Kneipen-Standard sucht, sucht hier vergeblich. „Wir haben kein Detmolder, kein Veltins oder Krombacher“, stellt Tobi klar. Stattdessen setzten sie konsequent auf Karlsberg als Hausmarke. Eine Entscheidung, die anfangs skeptische Blicke erntete, sich aber als echter Köder für experimentierfreudige Lemgoer entpuppt hat.

Von Nutella-Cocktails und den Kärtchen von Amor

Daniel

Neben frisch gezapftem Karlsberg-Bier (sogar in der alkoholfreien 0,0-Variante) und fruchtigem Summersby-Cider vom Fass hat sich die Trio Bar eine eigene, kreative Identität zusammengenommen. Neben dem legendären scharfen Super Mexikaner finden sich echte Eigenkreationen auf der Karte. „Wir haben den Espresso Martini mit Nutella weiterentwickelt, unseren Tropical Trio mit Wodka und Tropenfrüchten oder den Julians Hot Summer – ein spontaner Gästewunsch aus Gin Tonic, Triple Sec, Maracujasaft und Sprite, der so gut ankam, dass er auf die feste Karte wanderte“, berichten die Macher stolz. Private Events und Geburtstage bietet das Trio zwar an, fährt die Schiene aber bewusst auf Sparflamme: „Wenn man zu oft geschlossene Gesellschaft macht, ist der Barbetrieb irgendwann tot. Wir wollen für die Lemgoer ein verlässlicher Barladen sein“.

Ein absoluter Herzensbrecher im Programm ist das hauseigene Speed-Dating, das am 25. Juli ab 18 Uhr bereits in seine vierte Runde geht. Tobi, der im Bar-Alltag für die Zahlen steht, erklärt das Amor-Konzept: „Wir möchten ja nicht nur Spiel und Spaß nach Lemgo bringen, sondern auch, dass das Lemgo sich mehr liebt und sich die Singles hier zum Verlieben treffen können“. Zwischen 20 und 40 Teilnehmer von 18 bis 99+ Jahren würfeln die drei dabei regelmäßig zusammen. Der Ablauf ist durchdacht: Während die Damen fest sitzen, rotieren die Herren alle zehn Minuten einen Tisch weiter. „Die ersten fünd Minuten beschnuppert man sich frei. In den zweiten fünf Minuten kommen von uns vorbereitete Kärtchen ins Spiel. Jede Minute wird eine neue Frage aufgedeckt, die beantwortet werden muss – das liefert witzige, tiefgründige Gespräche und lockert die Sache perfekt auf“.

Kultur-Offensive und visionäre Zukunftsmusik

Während das Trio die aktuelle Sommerpause nutzt, um die Sehnsucht der Lemgoer nach langen Kneipennächten im Herbst wieder anzuheizen, steht das Programm ab September bereits bombenfest. Und es wird expandiert: Die Donnerstage werden fest im Rhythmus bespielt. Neben dem etablierten Musikquiz am zweiten Donnerstag kehrt der beliebte Poetry Slam (ehemals im Beatcafé zu Hause) am ersten Donnerstag des Monats nach Lemgo zurück. Am dritten Donnerstag verwandelt sich die Bar zudem in den Schauplatz eines Kneipenkrimis.

Im veränderten Gefüge der Lemgoer Innenstadt sieht sich das Trio als kollaborativer Partner. Events wie „Lemgo Live“ hätten gezeigt, wie gut Gastronomen zusammenarbeiten können. Für die Zukunft wünscht sich das Gespann vor allem zwei Dinge: Eine noch stärkere Verzahnung mit dem Innovation Campus – „Wir wollen eine echte Studentenstadt sein, das ist eine Win-Win-Situation für alle“ – und ein gesundes Maß an Toleranz seitens der Anwohner und Behörden. „Wer mitten in der Stadt wohnt, sollte damit leben können, dass es am Wochenende lauter werden kann. Hier ist ja nicht 24/7 Halligalli“, betonen sie diplomatisch.

And wo geht die Reise hin? In fünf Jahren, da scherzen sie, könnte es fast eine „Trio-Kette“ in Deutschland geben. Doch ein ganz konkreter, kreativer Traum flirrt schon jetzt durch den Raum, den sie gemeinsam mit den Kollegen von der Friese realisieren möchten. Inspiriert vom Bielefelder „Treppentanz“ planen die Betreiber den „Treffpunktanz“. Die Idee: Den Treffpunkt am Busbahnhof am frühen Abend absperren, einen DJ in die Mitte packen, die Leute mit Musik und kühlen Drinks versorgen und einen unvergesslichen Open-Air-Samstag feiern. Noch ist das Zukunftsmusik und es gilt, ganz in Ruhe die behördlichen Gespräche über die Rahmenbedingungen und Uhrzeiten mit der Stadt zu führen – aber die Vision steht.

Unser Eindruck: Frischer Wind für die Hansestadt

Die Trio Bar ist weit mehr als eine Kneipe mit dschungelgrünem Einschlag. Sie ist das lebendige Beispiel dafür, was passiert, wenn man eine Idee nicht zerredet, sondern einfach anpackt. Mit ihrem charmanten Mix aus unkonventionellen Drinks, kulturellen Formaten unter der Woche wie dem Poetry Slam und mutigen Visionen für den städtischen Raum beweisen Karo, Daniel und Tobi, dass man das Lemgoer Nachtleben nicht abschreiben muss. Man muss es nur genau so anpacken wie dieses Trio: mit viel Herzblut, einer gesunden Portion Humor und dem Mut, auch mal ein anderes Bier zu zapfen.


Infobox: Trio Bar Lemgo

  • Adresse: Mittelstraße 145, 32657 Lemgo (gegenüber dem Busbahnhof)
  • Betreiber: Karolin Blum, Daniel Schnüll, Tobias Grieger
  • Reguläre Öffnungszeiten: Freitag & Samstag ab 18:00 Uhr (Open End nach Bedarf)
  • Der Event-Donnerstag: Jeden Donnerstag Sonder-Aktionen (Bingo, Kneipenquiz, „durstiger Donnerstag“)
  • Kommende Highlights:
  • 25. Juli (ab 18:00 Uhr): Trio Speed-Dating (4. Auflage, Altersgruppe 18–99+)
  • Ab September (jeden Donnerstag im Monatsrhythmus): Poetry Slam, Musikquiz, Kneipenkrimi
  • Kontakt & Infos: Details zu Events und Getränkekarten unter triobar-lemgo.de (oder entsprechende Social-Media-Kanäle)
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Michael Pitt

Michael Pitt betreibt das Portal Mein-Lemgo seit 2021. Er ist in Lemgo geboren, wohnt direkt am Marktplatz und ist Lemgoer mit Herz und Seele.
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