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LippeWirtschaft

IHK Lippe: Unterschiedliche Umsatzentwicklung in der Industrie

Verarbeitendes Gewerbe mit 7 Prozent Umsatzplus im ersten Halbjahr

In den 106 lippischen Betrieben des verarbeitenden Gewerbes mit 50 und mehr Beschäftigten wurde im ersten Halbjahr dieses Jahres ein Umsatz von insgesamt rund 3,9 Milliarden Euro erwirtschaftet. Das entspricht einem Plus von 7,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (NRW -0,2 Prozent). Das zeigt eine Auswertung der Daten des Statistischen Landesamtes (IT.NRW) durch die Industrie- und Handelskammer Lippe zu Detmold (IHK Lippe).

„Wir freuen uns über die positive Entwicklung des Gesamtumsatzes. Das ist aber leider noch keine Trendumkehr, denn das Umsatzplus findet nur in wenigen Branchen statt“, kommentiert Matthias Carl, Geschäftsführer der IHK Lippe die Zahlen. Die Elektrotechnik profitiere aktuell enorm vom Ausbau von KI-Rechenzentren im Ausland. Ein bedeutendes Plus gebe es auch in der Nahrungs- und Futtermittelindustrie, zum Beispiel bei Nahrungsergänzungsmitteln. „Viele andere Branchen leiden hingegen unter der weiterhin schwachen Investitionstätigkeit und Auftragslage – auch weil Kunden ihre Betriebe aufgeben oder verlagern“, mahnt Carl. Innenpolitisch mangele es weiterhin an spürbaren Wachstumsimpulsen: „Von den bisher verabschiedeten Reformen gehen noch zu wenig Signale für die Wirtschaft aus, wieder in Deutschland zu investieren. Das Geld wird nicht hier, sondern fast ausschließlich im Ausland verdient“, analysiert Carl.

Hemmnisse im EU-Binnenmarkt abbauen

„Viele Unternehmen suchen wegen der schwierigen Wirtschaftslage nach neuen Märkten und Geschäftsmodellen“, erläutert Timm Lönneker, Referent für Konjunktur und Statistik bei der IHK Lippe. Europa werde dabei für deutsche Industrieunternehmen immer bedeutender. „Umso wichtiger wäre es, wenn endlich die noch bestehenden Hemmnisse des EU-Binnenmarkts abgebaut werden!“, betont Lönneker. Unterschiedliche Umsetzungen von EU-Regelungen in den Nationalstaaten, neue Bürokratiemonster wie die Verpackungsverordnung und fragmentierte Märkte innerhalb der Union bremsten die Unternehmen in ihrer Leistungsfähigkeit und Wirtschaftskraft. Lönneker sieht im EU-Binnenmarkt daher noch ein erhebliches Wachstumspotenzial und fordert zum Handeln auf.

Entwicklung in einzelnen Branchen des verarbeitenden Gewerbes in Lippe: (absteigend nach Umsatz sortiert)

BrancheAnzahl der Betriebe
2026 (2025)
Umsatz
im 1. HJ 2026
Veränderung
zum 1. HJ 2025
Beschäftigte
im 1. HJ 2026
Veränderung
zum 1. HJ 2025
Exportquote
im 1. HJ 2026
Elektrotechnik12 (12)1.945 Mio. €+14,1 %10.562-7,9 %71,9 %
Kunststoff20 (23)350 Mio. €-0,3 %3.442-7,5 %35,3 %
Nahrungs- und Futtermittel6 (7)314 Mio. €+12,7 %1.032+6,6 %17,2 %
Maschinenbau16 (16)313 Mio. €-5,1 %2.331-2,7 %68,7 %
Chemie11 (11)275 Mio. €+1,3 %1.604+0,6 %40,7 %
Metall11 (11)76 Mio. €-5,9 %993+0,8 %30,4 %
Möbel7 (8)62 Mio. €-20,0 %752-22,8 %14,5 %

China und die USA sind für die besonders exportorientierte Elektro- und Elektronikindustrie wichtige Absatzmärkte. Unter anderem die massiven Investitionen in Rechenzentren für Künstliche Intelligenz haben zu einem Umsatzplus von über 20 Prozent im Ausland geführt, während die Umsätze im Inland stagnieren. Unter dem Strich verbuchte die Branche ein Umsatzwachstum in Höhe von 14,1 Prozent. (NRW: +2,4 Prozent.)

Die kunststoffverarbeitende Industrie belastet weiterhin die deutlich gesunkene Nachfrage in den deutschen Kernbranchen Bau und Automobil. Für die Branche in Lippe ergab sich im ersten Halbjahr ein Umsatzminus von 0,3 Prozent (NRW: +3,7 Prozent).

Die Hersteller von Nahrungs- und Futtermitteln erwirtschafteten hingegen 12,7 Prozent mehr Umsatz (NRW: -3,1 Prozent). Ein Grund dafür ist die hohe Nachfrage nach Nahrungsergänzungsmitteln für den privaten Konsum.

Der Maschinenbau in Lippe musste ein Minus von 5,1 Prozent verbuchen (NRW: -2,2 Prozent). Aufgrund der wachsenden Konkurrenz aus China und der geringen Investitionsneigung in Deutschland sind viele Betriebe unterausgelastet.

In der chemischen Industrie stieg der Umsatz um 1,3 Prozent (NRW: -1,6 Prozent). Getragen wurde die leichte Stimmungsaufhellung in Lippe durch das besser laufende Inlandsgeschäft (+3,2 Prozent), während der Export sich negativ entwickelte (-1,4 Prozent).

Der Umsatz der Hersteller von Metallerzeugnissen in Lippe schrumpfte um 5,9 Prozent (NRW: -5,5 Prozent). Hintergrund ist die deutlich gesunkene Nachfrage insbesondere in der deutschen Bauwirtschaft und Automobilindustrie.

Während der Corona-Pandemie boomte die deutsche Möbelindustrie, doch seit 2023 sind die Zahlen Jahr für Jahr rückläufig. Die Ursachen sind vielfältig: Konsumzurückhaltung, stagnierender Wohnungsbau und hoher Wettbewerbsdruck. In den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres musste die lippische Möbelindustrie ein Umsatzminus in Höhe von 20 Prozent (NRW: -1,4 Prozent) hinnehmen.

Wegen der anhaltend schwachen Wirtschaftslage ging die Gesamtzahl der Beschäftigten der betrachteten Industrieunternehmen in Lippe insgesamt um 6 Prozent (NRW: -3,4 Prozent) auf 25.965 Personen zurück. Es gilt jedoch zu berücksichtigen, dass sich auch die Zahl der in der Statistik betrachteten Unternehmen in Lippe um sechs Betriebe verringerte (-5,1 Prozent). In NRW sind es insgesamt 119 Betriebe weniger (-2,4 Prozent).




Hinweis: Die von der IHK Lippe ausgewerteten Zahlen von IT.NRW werden nominal, also nicht preisbereinigt, veröffentlicht.

PM IHK Lippe

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Michael Pitt

Michael Pitt betreibt das Portal Mein-Lemgo seit 2021. Er ist in Lemgo geboren, wohnt direkt am Marktplatz und ist Lemgoer mit Herz und Seele.
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