Ziegelei-Areal: Kalletal kann die Entwicklung jetzt deutlich schneller voranbringen – Eigentümerin übernimmt Kosten der multifunktionalen Flächenentwicklung
MVZ wird zum strategischen Anker für Mobilität, Versorgung, Wohnen, Wirtschaft und Krisenresilienz – konkretes Investoreninteresse für E-MobilitätsHub unterstreicht die strategische Bedeutung des Standorts
Kalletal-Hohenhausen: Die Gemeinde Kalletal kann bei der Entwicklung der rund acht Hektar großen ehemaligen Ziegelei-Fläche in Hohenhausen einen entscheidenden Schritt vorankommen. Nachdem der Rat der Gemeinde bereits am 6. Mai 2026 grundsätzlich der Teilnahme an der Landesinitiative „Go4Bauland“ NRW zugestimmt hatte, ist inzwischen eine wesentliche Voraussetzung für eine zügige Weiterentwicklung des Areals geschaffen: Die Eigentümerin hat sich bereit erklärt, die Kosten für die notwendige multifunktionale Entwicklungsplanung zu übernehmen.
„Das eröffnet uns jetzt die Möglichkeit, deutlich schneller voranzukommen. Wir wollen diese Fläche nicht Stück für Stück und Nutzung für Nutzung betrachten, sondern ihre Entwicklung von Anfang an ganzheitlich denken“, erklärt Bürgermeister Mario Hecker. „Es geht um weit mehr als die Nachnutzung einer ehemaligen Ziegelei. Es geht um die Frage, wie wir an dieser strategisch wichtigen Stelle Kalletals Zukunft gestalten.“
Der Rat der Gemeinde hatte mit seinem Beschluss vom 6. Mai bereits grundsätzlich dokumentiert, dass er einer solchen Entwicklung positiv gegenübersteht. Ziel ist eine multifunktionale kommunale Flächenentwicklung, bei der verschiedene Anforderungen und Zukunftsaufgaben miteinander verbunden werden.
Vom ehemaligen Produktionsstandort zum multifunktionalen Zukunftsstandort
Das Areal „Ziegelei/Lithkamp/Im Reisental“ ist eine der größten zusammenhängenden Entwicklungsflächen im Bereich des Zentralortes Hohenhausen. Die ehemalige Produktionsstätte ist heute eine Brachfläche mit erheblichen Entwicklungspotenzialen – aber auch mit Risiken.
Eine Besonderheit besteht darin, dass für die ehemalige Produktionsstätte der Ziegelei keine Rückbauverpflichtung besteht. Damit wäre im ungünstigsten Fall nicht auszuschließen, dass sich unmittelbar am Ortseingang zum Zentralort eine dauerhaft ungenutzte und zunehmend verfallende Fläche entwickelt.
„Das können und wollen wir nicht einfach hinnehmen“, so Bürgermeister Hecker. „Eine acht Hektar große Fläche an dieser Stelle ist entweder ein Problem für die kommenden Jahrzehnte – oder eine enorme Chance. Wir wollen dafür sorgen, dass sie zur Chance wird.“
Gerade deshalb müsse die Entwicklung jetzt vorausschauend und nicht erst dann erfolgen, wenn einzelne Probleme bereits eingetreten seien.
Das MVZ ist der entscheidende Anker
Eine zentrale Rolle bei dieser Entwicklung spielt das Medizinische Versorgungszentrum Kalletal. Bereits bei der Standortentscheidung für das MVZ wurde bewusst der ehemalige Bürogebäudekomplex der Ziegelei ausgewählt.
Heute zeigt sich zunehmend, welche strategische Bedeutung diese Entscheidung für das gesamte Areal besitzt.
„Das MVZ ist bei dieser Entwicklung nicht irgendein Baustein unter vielen. Es ist der Anker, von dem aus wesentliche weitere Entwicklungen überhaupt erst ihre Tragfähigkeit erhalten“, macht Mario Hecker deutlich.
Das MVZ bringt regelmäßig Menschen an den Standort, schafft Frequenz und verbindet medizinische Versorgung mit weiteren Infrastrukturen. Gemeinsam mit der bereits entstandenen Mobilstation entsteht damit ein zentraler Punkt, an dem unterschiedliche Funktionen miteinander verknüpft werden können.
Diese Bedeutung wird inzwischen auch von potenziellen privaten Investoren gesehen. Der Verwaltung liegt eine konkrete Interessenbekundung für die Errichtung eines modernen E-MobilitätsHubs auf dem Parkplatz des MVZ vor. Die ist allerdings an den zwingenden Erhalt und Fortbestand des MVZ gekoppelt.
Vorgesehen wäre eine leistungsfähige Kombination aus Hochleistungsladepunkten und AC-Ladeinfrastruktur. Damit könnten nicht nur Besucherinnen und Besucher des MVZ, sondern auch Beschäftigte, Nutzerinnen und Nutzer der Mobilstation sowie der regionale und überregionale Verkehr angesprochen werden.
Besonders bemerkenswert ist dabei: Die Investition könnte vollständig privat erfolgen.
„Wenn sich aus dem Bestand des MVZ heraus weitere private Investitionen entwickeln, zeigt das sehr deutlich, welche Hebelwirkung eine solche zentrale Einrichtung für einen gesamten Standort entfalten kann“, sagt Hecker.
Auch perspektivisch könnten Schnelllademöglichkeiten beispielsweise für einen möglichen E-Bürgerbus oder kommunale und gewerbliche Fahrzeugflotten genutzt werden.
Mobilität neu denken – und Verkehr neu ordnen
Die Entwicklung des Ziegelei-Areals soll zugleich mit der zukünftigen Verkehrsentwicklung in Hohenhausen verbunden werden.
Unmittelbar angrenzend an das Areal befindet sich das Plangebiet des Bebauungsplanes „Eichkamp“. Der Ausschuss für Planen und Bauen hatte bereits am 11. Dezember 2019 den Aufstellungsbeschluss gefasst. Der zukünftige Bebauungsplan sieht unter anderem eine Anbindung an die bestehenden Siedlungsbereiche Pinningsweg und Reisental vor.
In der Vergangenheit wurde insbesondere die erforderliche Dimension eines möglichen Kreisverkehrs im Bereich Lemgoer Straße/Westorfer Straße kritisch betrachtet.
Eine multifunktionale Entwicklung des Ziegelei-Areals eröffnet hier möglicherweise einen völlig neuen Lösungsansatz.
So könnte perspektivisch eine Erschließungsstraße des Baugebietes Eichkamp über das Ziegelei-Areal geführt und im Bereich der heutigen Zufahrt zum MVZ an die Lemgoer Straße angebunden werden.
„Das ist ausdrücklich noch keine fertige Straßenplanung. Aber genau solche Zusammenhänge müssen jetzt untersucht werden“, betont Bürgermeister Hecker. „Wenn wir die Flächenentwicklung, die Erschließung und die Verkehrsführung gemeinsam betrachten, können Lösungen entstehen, die wir bei einer isolierten Betrachtung der einzelnen Projekte gar nicht erkennen würden.“
Eine solche Verkehrsführung könnte insbesondere die Bereiche Reisental und Hohenhauser Straße deutlich entlasten und gleichzeitig eine direkte Verbindung zwischen dem neuen Siedlungsbereich, dem Ziegelei-Areal und der bestehenden Infrastruktur schaffen.
Einzelhandel, Versorgung und Wirtschaft gehören dazu
Auch die Einzelhandelsentwicklung soll in die Gesamtbetrachtung einbezogen werden.
Die Gemeinde Kalletal hat die Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung mit der Erstellung eines Einzelhandelskonzeptes beauftragt. Dabei wird auch das Ziegelei-Areal als möglicher zukünftiger Standort untersucht.
Die anstehende Veränderung der Verkehrsströme durch eine mögliche Ortsumgehung Hohenhausen macht eine solche Betrachtung besonders wichtig. Wenn Durchgangsverkehr und Pendlerbewegungen künftig andere Wege nehmen, muss die Gemeinde frühzeitig überlegen, wie Versorgung, Einzelhandel und wirtschaftliche Entwicklung langfristig organisiert werden können.
Dabei soll es nicht um eine isolierte Ansiedlung einzelner Nutzungen gehen. Vielmehr sollen Versorgung, Gewerbe, Mobilität, Wohnen und öffentliche Infrastruktur so miteinander verbunden werden, dass gegenseitige Synergien entstehen.
Auch Wohnen und Erholung werden mitgedacht
Das Ziegelei-Areal bietet darüber hinaus weitere Potenziale.
Zu dem Gelände gehören auch Teichanlagen, die bei einer späteren Entwicklung berücksichtigt werden sollen. Hier könnten perspektivisch Bereiche für Erholung, Aufenthalt und Freizeit entstehen.
Auch die Frage nach bezahlbarem betreutem Wohnen soll in die weiteren Überlegungen einbezogen werden.
Damit würde ein Standort entstehen, an dem unterschiedliche Generationen und Nutzungsansprüche zusammenkommen könnten: medizinische Versorgung, Mobilität, Wohnen, Versorgung, Arbeiten und Erholung.
„Wir wollen nicht einfach möglichst viel auf einer Fläche unterbringen. Wir wollen einen Standort entwickeln, an dem die unterschiedlichen Funktionen sich gegenseitig stärken“, so Hecker.
Kalletal denkt Flächenentwicklung auch unter dem Gesichtspunkt der Krisenresilienz
Ein weiterer Bestandteil der zukünftigen Planung ist die zivile Verteidigung und Krisenresilienz.
Flächen müssen nach Auffassung der Gemeinde künftig stärker multifunktional gedacht werden: Was heute Parkplatz, Handelsfläche, Gewerbefläche oder Veranstaltungsbereich ist, kann im Krisenfall zusätzliche Funktionen übernehmen.
Denkbar sind beispielsweise Flächen für Logistik, Versorgung, Sammel- und Verteilstrukturen oder die Unterstützung von Einsatzkräften. Auch Fragen der Energieversorgung, Notstromfähigkeit, Kommunikationsinfrastruktur, Erreichbarkeit und klimaangepassten Gestaltung sollen frühzeitig berücksichtigt werden.
„Resilienz darf nicht erst dann Thema werden, wenn die Krise eingetreten ist. Sie muss bereits Bestandteil unserer Planung sein“, erklärt der Bürgermeister.
Gerade die Kombination verschiedener Nutzungen könne dafür sorgen, dass Infrastruktur im Alltag wirtschaftlich betrieben werde und gleichzeitig im Krisenfall zusätzliche Funktionen übernehmen könne.
Erstmals soll auch „Kalte Nahwärme“ mitgedacht werden
Auch bei der Energieversorgung soll die Planung einen Schritt weitergehen.
Neben den bislang betrachteten Möglichkeiten der Wärmeversorgung soll erstmals auch das Konzept der sogenannten kalten Nahwärme in die weiteren Überlegungen aufgenommen werden.
Der Impuls hierzu kam im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung aus dem Kreis der engagierten Ratsmitglieder.
„Wenn wir heute eine Fläche für die kommenden Jahrzehnte planen, müssen wir auch bei der Wärmeversorgung über die klassischen Lösungen hinausdenken“, sagt Hecker. „Die kalte Nahwärme soll deshalb als zusätzliche Option geprüft werden. Ob sie für diesen Standort tatsächlich geeignet und wirtschaftlich darstellbar ist, muss die weitere Untersuchung zeigen.“
Damit soll auch die Energieversorgung Teil des integrierten Entwicklungskonzeptes werden.
Eigentümerin schafft entscheidenden Spielraum
Besonders wichtig für das weitere Vorgehen ist die Bereitschaft der Eigentümerin, die Kosten der notwendigen multifunktionalen Flächenentwicklung zu übernehmen.
Die Gemeinde erhält dadurch die Möglichkeit, die erforderlichen fachlichen Untersuchungen und Entwicklungsschritte deutlich schneller voranzubringen, ohne die kommunalen Haushaltsmittel in entsprechendem Umfang belasten zu müssen.
Die ursprüngliche Bewerbung im Rahmen der Landesinitiative „Go4Bauland“ konnte letztlich nicht berücksichtigt werden. Die Gemeinde hat diese Situation jedoch zum Anlass genommen, unmittelbar mit der Eigentümerin über alternative Möglichkeiten der weiteren Entwicklung zu sprechen.
„Entscheidend ist für mich nicht, welches Förderprogramm am Ende auf einem Papier steht. Entscheidend ist, dass wir jetzt einen Weg gefunden haben, konkret und finanziell abgesichert weiterzuarbeiten“, erklärt Mario Hecker.
Die Bereitschaft der Eigentümerin sei deshalb ein wichtiger Schritt für Kalletal.
Ein Standort, viele Aufgaben – und eine gemeinsame Strategie
Die zukünftige Entwicklung des Ziegelei-Areals soll deshalb mehrere bislang häufig getrennt betrachtete Themen zusammenführen:
- medizinische Versorgung durch das MVZ als zentralen Anker,
- öffentlicher Personennahverkehr und Mobilstation,
- E-Mobilität und Ladeinfrastruktur,
- Erschließung und Verkehrsentlastung,
- Entwicklung des Baugebietes Eichkamp,
- Einzelhandel und wohnortnahe Versorgung,
- Gewerbe und wirtschaftliche Entwicklung,
- Wohnangebote einschließlich möglichem betreutem Wohnen,
- Erholung und Freizeit an den vorhandenen Teichanlagen,
- zivile Verteidigung und Krisenresilienz,
- nachhaltige Energie- und Wärmeversorgung einschließlich der Prüfung kalter Nahwärme.
„Genau darin liegt die besondere Chance dieses Areals“, so Hecker. „Wir reden nicht über ein einzelnes Bauprojekt. Wir reden über einen Entwicklungsraum, in dem sich viele Zukunftsfragen der Gemeinde miteinander verbinden lassen.“
„Wir müssen jetzt vorausschauend handeln“
Für Bürgermeister Mario Hecker steht deshalb fest, dass die Gemeinde diese Chance nutzen muss.
„Wir haben hier eine große, zusammenhängende Fläche, eine Eigentümerin mit Entwicklungsinteresse, ein bereits etabliertes Medizinisches Versorgungszentrum, eine Mobilstation und konkrete private Investitionsinteressen. Gleichzeitig können wir mit der Entwicklung des Areals möglicherweise Antworten auf Verkehrsfragen, die Entwicklung des Eichkamps, die Nahversorgung, Wohnangebote, Energieversorgung und Krisenresilienz geben.“
Die Gemeinde wolle deshalb nicht auf einzelne Entwicklungen warten, sondern diese aktiv miteinander verknüpfen.
„Vorausschauend handeln heißt für mich, heute die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass Kalletal auch morgen handlungsfähig bleibt. Wir dürfen nicht stehen bleiben, nur weil etwas bisher anders gemacht wurde. Wir müssen Neues wagen, wenn sich dadurch eine bessere Perspektive für unsere Gemeinde eröffnet.“
Der Ratsbeschluss vom 6. Mai habe dafür die politische Grundlage geschaffen. Die nun zugesagte vollständige Kostenübernahme durch die Eigentümerin schaffe die Möglichkeit, diesen Grundsatzbeschluss in die nächste konkrete Phase zu überführen.
„Unser Ziel ist klar: Aus einer ehemaligen Produktionsstätte soll Schritt für Schritt ein multifunktionaler Zukunftsstandort für Kalletal werden. Das MVZ ist dabei der entscheidende Anker. Die weiteren Funktionen müssen wir jetzt gemeinsam, fachlich fundiert und mit Blick auf die kommenden Jahrzehnte entwickeln.“
PM Gemeinde Kalletal / Bürgermeister
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