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MenschenReportagen

Ein Dörentruper Gemeinderat schreibt Fantasy und Polit-Thriller: „Papa, das ist der kranke Scheiß!“

Dörentrup / Lemgo. Wer Jens Sommer in der Region begegnet, kennt ihn vermutlich als bodenständigen Familienvater, als Konstrukteur für Spritzgusswerkzeuge oder durch sein langjähriges Engagement im Dörentruper Gemeinderat. Seit 16 Jahren gestaltet er hier die Lokalpolitik mit. Doch sobald der Feierabend einkehrt, taucht der 57-Jährige in Welten ab, die meilenweit von der lippischen Idylle entfernt sind. Nach einem ersten Ausflug in die Jugendliteratur hat Sommer nun seinen ersten packenden Erwachsenenroman fertiggestellt – ein Werk voller politischer Sprengkraft, Haltung und einem völlig überraschenden interaktiven Twist.

Vom Traum zum dicken Wälzer

Jens Sommer beim Gespräch
auf dem Lemgoer Marktplatz.

Wie kommt ein gestandener Konstrukteur und Lokalpolitiker eigentlich zum Schreiben? „Es war eine sehr spontane Entscheidung“, verrät Sommer im Gespräch. Die Initialzündung war kein lang gehegter Lebensplan, sondern ein intensiver Traum, der ihn tagelang nicht losließ. „Ich habe mir die Details damals aufgeschrieben, damit ich sie nicht vergesse. Daraus ist dann alles entstanden.“

Aus den ersten Notizen wuchs zunächst ein Jugend-Fantasyroman rund um den fiktiven „Schwalbensee“. Ein echtes Einstiegsprojekt, um das Handwerk des Schreibens von der Pike auf zu lernen. Doch Sommers neuester Wälzer, an dem er ein gutes Jahr gearbeitet und ein weiteres Vierteljahr gefeilt hat, schlägt eine völlig neue Richtung ein: „Gemeinsam aus der Hölle“ ist ein komplexer, vielschichtiger Roman für Erwachsene, der dem Leser einiges abverlangt.

Zentralafrika statt Lemgoer Altstadt

Wer in den Seiten nach versteckten Anspielungen auf die Lemgoer Altstadt, lippische Charaktereigenschaften oder lokale Ecken sucht, wird überrascht. „Lokale Bezüge gibt es überhaupt nicht, das Ganze ist völlig losgelöst von der Heimat“, erklärt Sommer.

Stattdessen entführt er seine Leser in ein afrikanisches Setting: Im Mittelpunkt der in der Ich-Perspektive erzählten Geschichte stehen die beiden Frauen Pia und Safiya, die versuchen, aus dem fiktiven, brutal abgeschotteten Staat Ramondia in Zentralafrika zu fliehen. Eine Story über Unterdrückung, Machtmissbrauch, aber vor allem über den Mut, Haltung zu zeigen – ein Thema, das Sommer auch durch seine politische Arbeit am Herzen liegt.

Das Handwerk selbst findet dann aber doch in der Heimat statt. Sommers absoluter Lieblings-Schreibort ist das eigene Zuhause in Dörntrup. „Auf der Terrasse oder in unserer großen Gartenhütte, mit Blick in den großen Garten und die Wälder – da schreibe ich am liebsten“, erzählt er. Meistens nutzt er die Abende oder das Wochenende, wenn auch seine Frau und seine Tochter tief in Büchern versunken sind.

Der rote Faden und die härteste Jury der Welt

Entgegen dem Mythos vom genialen Autor, der einfach drauflosschreibt, geht Sommer sein Hobby an wie seinen Beruf: absolut strukturiert. Er ist ein klassischer „Plotter“. Bevor das erste Wort getippt wird, steht die gesamte Handlung des Buches bereits fest. „Natürlich gibt es Szenen, die sich beim Schreiben spontan entwickeln und mich selbst überraschen, aber der rote Faden steht.“ Eine Schreibblockade oder den Moment, das Manuskript in den Papierkorb werfen zu wollen, gab es bei ihm noch nie. Wenn der Fluss da ist, vergisst er im Garten auch mal von 10 bis 17 Uhr die Zeit.

Die härteste Jury sitzt dabei direkt mit am Kaffeetisch: Seine Ehefrau und seine erwachsene Tochter bekamen die Entwürfe blockweise zum Gegenlesen. Und genau von dort kam auch das ultimative Lob, das Sommer schmunzelnd im Interview zitiert. Seine Tochter legte das Skript beiseite und attestierte ihm begeistert: „Papa, das musst du besser vermarkten – das Buch ist im positiven Sinne der kranke Scheiß!“

Ein Buch, zwei Geschichten: Der interaktive Twist

Was den Roman neben der packenden Story zu einem echten Highlight macht, ist ein besonderes interaktives Konzept im letzten Drittel. Ab Kapitel 83 spaltet sich das Buch nämlich auf. Es gibt nicht nur zwei verschiedene Enden, sondern eine komplett alternative Erzählung. Trennen sich die Wege der beiden Frauen auf der Flucht, entscheidet der Leser selbst, welchem Pfad in die Freiheit er weiter folgen möchte. Das zugehörige Fortsetzungsprojekt steht in Sommers Schreibstube übrigens auch schon in den Startlöchern.

Wie geht es weiter?

Das Buch ist im sogenannten Self-Publishing (Print on Demand via Amazon und andere Online-Händler) komplett fertiggestellt und wird in Kürze sowohl als gedrucktes Buch als auch als E-Book überall im Handel – und damit auch in den lokalen Buchhandlungen wie Thalia in Lemgo – auf Bestellung verfügbar sein.

Mein Lemgo meint: Ein außergewöhnliches Porträt über einen Lipper, der beweist, dass in unserer Nachbarschaft oft ungeahnte kreative Welten schlummern. Wir halten euch auf dem Laufenden, sobald die Bestell-Links stehen!

ISBN Gemeinsam aus der Hölle Taschenbuch 978-3-565455-85-0

ISBN Jugendbuch Pia, Piratin der Schwalbensee Taschenbuch 978-3-818777-81-4 / Ebook 987-3-7565-95500-6

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Michael Pitt

Michael Pitt betreibt das Portal Mein-Lemgo seit 2021. Er ist in Lemgo geboren, wohnt direkt am Marktplatz und ist Lemgoer mit Herz und Seele.
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