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35 Jahre Leidenschaft, Treue und ein Hauch von „Melsungen-Asyl“: Die Lemgoer Hexen feiern Jubiläum

Lemgo. Wenn das Licht in der Phoenix Contact-Arena gedimmt wird, die Trommeln einsetzen und die Dezibel-Kurve nach oben schnellt, dann weiß jeder Handball-Fan in Deutschland: Willkommen im Hexenkessel! Seit nunmehr 35 Jahren wird diese gefürchtete und geliebte Atmosphäre maßgeblich von einem Namen geprägt: den ‚Lemgoer Hexen – 1. Fanclub des TBV Lemgo‘. Am Samstag kam die „Hexenfamilie“ direkt an ihrer Heimspielstätte zusammen , um bei Grillgut, kühlen Getränken und DJ-Musik ein ganz besonderes Jubiläum zu feiern – das 35-jährige Bestehen des ältesten und ersten Fanclubs des TBV Lemgo.

Was 1991 als kleiner, enthusiastischer Kreis von rund 20 Leuten begann , die einfach „Bock darauf hatten, die Mannschaft zu unterstützen“ , ist heute eine echte Institution. Wir haben am Rande der Jubiläumsfeier mit dem Vorstand über Gänsehaut-Momente , kuriose Busfahrten und das berühmt-berüchtigte Geheimnis des Hexenkessels gesprochen.

Ein großes Danke von der Vereinsführung

Welchen Stellenwert der Fanclub genießt, unterstreicht die Geschäftsführung des Bundesligisten zum Jubiläum deutlich. TBV-Geschäftsführer Jörg Zereike gratuliert mit anerkennenden Worten:

„Die Lemgoer Hexen stehen seit 35 Jahren für gelebte Leidenschaft, Treue und eine unverwechselbare Atmosphäre in unserer Phoenix Contact-Arena. Als einer der ältesten Fanclubs im deutschen Handball prägen sie die Identität unseres Vereins seit Jahrzehnten maßgeblich mit und geben unserem Team nicht nur bei jedem Heimspiel, sondern auch auswärts, den entscheidenden Rückhalt. Nicht ohne Grund fürchten viele Gegner die großartige Stimmung in unserem ‚Hexenkessel‘. Für dieses außergewöhnliche Engagement und die enge Verbundenheit zum Verein möchte ich im Namen des TBV herzlich Danke sagen und zum Jubiläum gratulieren.“

Generationenvertrag in Blau und Weiß

Michael Oppermann (re) und Nils Kochsiek
gaben während der Jubiläumsfeier
interessante Einblicke. Foto: mein-lemgo

Wer glaubt, dass ein Fanclub mit den Jahren an Schwung verliert, der irrt sich gewaltig. „Damals waren wir wesentlich weniger Leute, da war der Zusammenhalt ein anderer. Heute sind wir stolze 229 Mitglieder“, berichtet der 1. Vorsitzende Nils Kochsiek , der das Amt seit 2017 führt. Zusammen mit dem 2. Vorsitzenden Michael Oppermann (seit 2019 im Amt) leitet er einen Club, der Generationen verbindet. Vom vierjährigen Nachwuchsfan bis zum 86-jährigen Urgestein ist hier jede Altersklasse vertreten.

„Es gibt hier einfach keine Quertreiber, wir sind alles super sympathische Typen und haben alle dasselbe Ziel“, bringt es Oppermann auf den Punkt. Diese Begeisterung strahlt weit über die Stadtgrenzen hinaus: Mittlerweile sitzen die Mitglieder der Hexen verstreut in fünf verschiedenen Bundesländern.

Das Vereinsleben pulsiert dabei das ganze Jahr über: Jeden ersten Freitag im Monat treffen sich die Hexen zum Stammtisch im Restaurant Ostertor. „Da kann jeder vorbeikommen – und am besten gleich das Beitragsformular unterschreiben“, scherzen die beiden Vorstände. Sogar die Profis des TBV schauen dort regelmäßig vorbei, wenn es der Trainingsplan erlaubt. Der Draht zur Geschäftsstelle und zur Mannschaft ist über die letzten Jahre spürbar enger und besser geworden. Man kennt und schätzt sich – selbst beim zufälligen Treffen in der Lemgoer Innenstadt grüßt man sich herzlich.

Von Gänsehaut in letzter Sekunde und dem Europapokal

Fragt man die Hexen nach ihren emotionalen Highlights aus 35 Jahren Vereinsgeschichte, schießen die Erinnerungen sofort hervor. Für Michael Oppermann steht ein Spiel ganz weit oben: Der dramatische letzte Spieltag der Saison 2016/17 gegen Gummersbach. „Als wir hier in Lemgo in allerletzter Sekunde den Klassenerhalt geschafft haben – das werde ich nie vergessen. Die Stimmung war außergewöhnlich krass“, erinnert er sich mit spürbarer Gänsehaut.

Nils Kochsiek blickt besonders gern auf das Jahr 2010 zurück, als der TBV den EHF-Cup holte. Nach dem Hinspiel in Lemgo ging es zum dramatischen Rückspiel ins Schweizer Schaffhausen. Das Kuriose damals: „Wir durften den EHF-Cup feiern und die Schaffhauser zeitgleich ihre Meisterschaft. Am Ende waren alle irgendwie zufrieden – ein echtes Win-Win-Erlebnis“.

Falsche Busse und volle Ränge

Die Auswärtsfahrten der Hexen sind legendär. In der Regel reisen sie mit einem vollen 50-Mann-Bus zu den Hallen der Republik – und auch hier sind externe Mitfahrer immer gern gesehen, wenn noch Plätze frei sind. Früher ging es für die ganz Treuen im Transit sogar mal eben für 60 Minuten Handball nach Balingen und sofort wieder zurück. „Ganz schön viel Auto für ein Spiel“, schmunzeln sie heute.

Für den Lacher des Abends sorgt eine Anekdote von einer Fahrt nach Melsungen : „Wir mussten auf der Autobahn extra eine Raststätte ansteuern, weil sich versehentlich eine weibliche Anhängerin von Melsungen zu uns in den Bus gesetzt hatte“, erzählt der Vorstand lachend. „Die ist dann dort abgeholt worden. Wir nehmen so was mit Humor!“

Besonders schön: Auch die alte Rivalität zu den Lüttfeld Crocodiles (dem zweiten Fanclub der Hansestadt) ist längst Geschichte. Heute arbeitet man freundschaftlich zusammen, organisiert gemeinsame Busse und eine Delegation der Crocodiles feierte am Samstagabend natürlich fleißig an der Phoenix Contact-Arena mit.

Das Geheimnis des „Hexenkessels“

Zuhause im Fanblock C Mitte geben die Hexen bei jedem Heimspiel den Takt vor. Dafür sorgen unter anderem die vereinseigenen Trommler und Einpeitscher wie Marcel, die die Gesänge anstimmen und versuchen, die ganze Halle mitzureißen.

Doch was macht den Lemgoer Hexenkessel ligaweit eigentlich so einzigartig und gefürchtet? Kochsiek und Oppermann müssen nicht lange überlegen: „Es ist ganz einfach die Enge und Kompaktheit der Halle. Hier stehen 4.000 Leute extrem dicht beieinander. In den modernen, riesigen Arenen der Konkurrenz verläuft sich das Volumen oft. Wenn bei uns die Trommeln unten Gas geben, baut das einen unheimlichen Druck auf den Gegner auf. Das hören wir auch immer wieder von Gästefans.“

Dieses Rezept funktioniert seit viereinhalb Jahrzehnten und zieht jeden in den Bann – selbst absolute Handballmuffel werden in Lemgo im Handumdrehen infiziert. Das inoffizielle Motto der Hexen gilt daher heute wie vor 35 Jahren und bildet das perfekte Schlusswort für diese blau-weiße Liebesgeschichte:„Egal was war, egal was ist, egal was kommt.“

Mein Lemgo gratuliert den Lemgoer Hexen herzlich zum 35. Jubiläum und wünscht allzeit eine lautstarke Stimme im Block C!

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Michael Pitt

Michael Pitt betreibt das Portal Mein-Lemgo seit 2021. Er ist in Lemgo geboren, wohnt direkt am Marktplatz und ist Lemgoer mit Herz und Seele.
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