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Von Lemgo auf die großen Rock-Bühnen: Toby trommelt sich in den Musiker-Himmel

Er hat das geschafft, wovon viele junge Musiker träumen: Mit gerade einmal 21 Jahren spielte er bereits auf dem legendären Wacken-Festival, tourte als Headliner vor 40.000 Menschen durch Osteuropa und gibt sein Wissen nun in Lemgo an die nächste Generation weiter. Wir haben uns mit dem sympathischen Ausnahmetalent Tobias im Eiscafé Venezia auf eine Waffel getroffen, um über kaputte Snare-Drums, den perfekten Sound und die ganz große Leidenschaft zu sprechen.

Eigentlich ist Toby ein echter Lipper. Aufgewachsen in Hardissen und Hörste, zog es ihn vor einem Jahr mit seiner Freundin in die Lemgoer Innenstadt (Mittlerweile lebt er im Ortseil Lieme). Neben seiner Ausbildung dreht sich bei ihm jede freie Sekunde um den richtigen Takt. Und das nicht erst seit gestern: Schon als Vierjähriger saß er beim Tag der offenen Tür das erste Mal an den Drums.

„Ich habe damals einfach ohne Sinn und Verstand drauf losgekloppt“, schmunzelt er heute. Ein Freund in der Schule hatte einen großen Bruder, der ebenfalls Schlagzeug spielte und ihm die ersten Kniffe zeigte. Seitdem er sechs Jahre alt ist, hat Toby ein eigenes Anfänger-Set und nahm Unterricht. Mittlerweile macht er das Ganze seit fast 16 Jahren und gibt selber Unterricht – eine lange Zeit, in der ihn seine Eltern glücklicherweise immer voll unterstützt haben.

Equipment-Check: Der perfekte Sound für die Nerds

Wer Toby nach seinem Werkzeug fragt, merkt sofort, dass hier ein absoluter Fachmann sitzt. Er ist bekennender Fan der Marke Pearl und schwört auf ein ganz bestimmtes, älteres Schätzchen: ein Pearl Masters MMX Custom aus dem Zeitraum Ende der 90er / Anfang der 2000er.

„Die Nerds da draußen werden genau wissen, was ich meine“, sagt Toby. „Die Verarbeitung und die Optik sind einfach hammer, genau wie der Sound. Das Set hat einfach das gewisse Etwas. Der Klang ist nicht zu glatt poliert, sondern für mich einfach perfekt. Genau das, was ich suche, finde ich bei diesem Schlagzeug.“

Bei der Snare setzt er auf eine Free Floater aus Bronze (ebenfalls von Pearl). Seine Becken stammen von der neuen Marke Alchemist. Dazu kam er durch einen glücklichen Zufall:

„Ich habe ein Angebot für ein Sponsoring, also einen Endorsement-Deal für Sticks bekommen. Die meinten dann direkt zu mir: ‚Du, wir haben da eine neue Marke und stellen jetzt eigene Becken her. Willst du die nicht mal ausprobieren?‘ Ich habe sie dann getestet und fand sie einfach absolut Hammer.“

Zwischen Wacken-Wahnsinn und 40.000 Fans in Rumänien

Obwohl er die lokale Region schätzt, war Toby in der hiesigen Musikszene bisher weniger aktiv – ihn zog es direkt überregional und international auf die Bühnen. Seinen allerersten Gig spielte er damals in Osnabrück.

Was danach kam, liest sich wie das Who’s-Who des Hardrocks: Mit seiner Band Cobra Kill spielte er 2023 auf dem legendären Wacken-Open-Air und 2024 auf der Full Metal Cruise. Im selben Jahr folgte ein weiteres echtes Highlight: Er durfte als Drummer für die namhafte Band Bonfire einspringen, die es bereits seit 1972 gibt.

„Ich war mit denen auf Osteuropa-Tour und habe ein Festival in Rumänien als Headliner vor 40.000 Leuten gespielt. Das war in so einem jungen Alter wirklich eine Wahnsinnserfahrung, die ich da erleben durfte.“

Aktuell trommelt er in einer Band aus Birmingham, England, namens White Tiger. Den Stil beschreibt er als 80er-Jahre Glam Rock mit härteren, moderneren Riffs – ein bisschen wie moderne Skid Row, nur eben eine Spur härter. Außerdem spielt Toby bei LEATHERWITCH, dem neuen Projekt von Marta Gabriel (ex Crystal Viper).

Toby – live und in Farbe. Bild:Privat

Das Leben als Musiker: Warm-up und Pannen-Management

Wer auf solchen Bühnen steht, braucht Vorbereitung. Wie sieht also Tobys Warm-up vor einer Show aus?

„Das kommt immer ganz auf die Zeit an. Wenn noch etwas Luft ist, wärme ich mich definitiv auf. Ich schnappe mir mein Übungspad und spiele ein paar Schlagkombinationen wie Single Strokes, Double Strokes oder Paradiddles – eben die Basics. Dazu stretche ich mich ein bisschen, um die Muskeln aufzuwärmen, ähnlich wie ein Sportler. Wenn es aber mal richtig eng wird, fällt das Warm-up auch weg: Dann heißt es direkt ab auf die Bühne und los geht’s!“

Dass bei der Live-Action auch mal Pannen passieren, bleibt nicht aus. Dass Sticks brechen oder er sie versehentlich wegschmeißt, kommt richtig häufig vor. Sein absolut unangenehmster Moment passierte allerdings auf einem Festival in Holland:

„Dort habe ich das Fell der Snare-Drum kaputtgehauen. Da es die Snare vom Festival war, brachte man mir eine Ersatz-Snare. Das kann ja alles mal passieren. Aber zwei Songs später ist mir diese Ersatz-Snare prompt wieder gerissen! Und an der Bühne war keine weitere mehr da. Ein Techniker musste während unserer laufenden Showzeit erst zu einer anderen Bühne laufen, um eine neue zu besorgen. Wir standen dann gut fünf bis sieben Minuten in absoluter Stille auf der Bühne. Das war mir schon ziemlich unangenehm“, schmunzelt er.

Ein weiteres wichtiges, oft unterschätztes Thema im Musikeralltag ist der Gehörschutz. Hier gibt sich Toby ehrlich und selbstkritisch:

„Das Thema ist extrem wichtig, aber ich muss zugeben, dass ich selbst oft noch zu wenig darauf achte. Auf der Bühne spiele ich am liebsten mit In-Ear-Monitoring. Das sind im Prinzip schallgeschützte Kopfhörer, über die ich den Sound der anderen Bandmitglieder höre. Es ist wirklich wichtig, und ich sollte mir angewöhnen, den Gehörschutz auch dann reinzumachen, wenn ich einfach mal so zwischendurch spiele, statt ihn wegzulassen.“

Hörtipps vom Profi & der Blick in die Zukunft

Für alle Musik-Nerds und angehenden Drummer hat Toby natürlich auch ein paar handfeste Hörempfehlungen parat, wenn man das Instrument vollkommen ausschöpfen möchte:

„Ich bin ein riesiger Fan von Dream Theater. Die spielen technisch unglaublich anspruchsvoll, und ihr Schlagzeuger Mike Portnoy ist einfach der absolute Hammer.“

Aber auch bei den älteren Klassikern hat er klare Vorbilder:

„Wen ich sehr bewundere – gar nicht mal nur, weil er technisch der allerbeste Schlagzeuger ist –, ist Mikkey Dee von Motörhead und den Scorpions. Allein die Art, wie er spielt, seine Power und diese Ausdauer sind der Wahnsinn. Genauso Vinnie Paul von Pantera, der oft unterschätzt wird, wenn man sich mal anhört, was er damals abgeliefert hat. Und natürlich Van Halen – einfach hammer, was die für Musik gemacht haben!“

Zum Abschluss des Gesprächs ging es um die Frage, wie Künstliche Intelligenz (KI) und Drum-Computer das Handwerk des echten Drummers verändern werden. Toby sieht hier eine ganz reale Verschiebung – allerdings primär abseits der Bühne:

„Ich glaube, KI und Drum-Computer werden das Handwerk vor allem im Studio verändern, weil es schlichtweg billiger ist, einen Drum-Computer für Aufnahmen einzusetzen. Das Einspielen eines echten Schlagzeugs im Tonstudio dauert meistens am längsten, weil es extrem komplex ist, das ganze Set aufzubauen, richtig zu mikrofonieren und die Technik perfekt abzustimmen. In diesem Bereich können Schlagzeuger leider sehr leicht ersetzt werden, sodass Album-Aufnahmen irgendwann gar nicht mehr von Menschen eingespielt werden. Auf der Bühne ist das zum Glück etwas völlig anderes, aber die größte Gefahr für uns Drummer liegt definitiv darin, dass die KI die klassische Studioarbeit übernimmt.“

Umso schöner ist es, dass Toby in Lippe dafür sorgt, dass das echte, handgemachte Trommeln nicht ausstirbt.

Du möchtest selbst mal an den Sticks sitzen oder deine Technik verfeinern? Tobias nimmt noch Schüler aller Altersklassen in seinem Lemgoer Studio auf.

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Michael Pitt

Michael Pitt betreibt das Portal Mein-Lemgo seit 2021. Er ist in Lemgo geboren, wohnt direkt am Marktplatz und ist Lemgoer mit Herz und Seele.
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