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Lemgoer Kläranlage macht Wasser nun noch reiner

Vierte Reinigungsstufe in Betrieb genommen

Ob Schmerzmittel aus der Sportsalbe oder Korrosionsschutzmittel in Spülmaschinentabs – es gibt viele Gelegenheiten, bei denen Überreste von Wirkstoffen im Abwasser landen können. In der Lemgoer Zentralkläranlage kommt seit einigen Wochen eine neue Reinigungsstufe zum Einsatz. Mit Ozon werden die sogenannten Spurenstoffe im Abwasser gespalten und somit unwirksam gemacht. Das Ziel: Ein besserer Schutz der Gewässer.

Bis zu 250 Liter in der Sekunde kann die neue vierte Reinigungsstufe der Lemgoer Zentralkläranlage reinigen. Spurenstoffe, beispielsweise Wirkstoffe aus Arzneimitteln wie Antibiotika, Antirheumatika oder Betablockern, werden darin mit Ozon gespalten und somit unwirksam gemacht. Über die Inbetriebnahme der Anlage freuen sich neben der Abwasserbeseitigungsgesellschaft Lemgo (ALG) auch die Stadtverwaltung und die Bezirksregierung.

Die stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der ALG Bettina-Sophie Meier weiß um den Gedanken hinter den Neuerungen. „Unsere kommunale Abwassereinigung ist ein wichtiger Baustein für den Gewässerschutz, denn sie ist eine tragende Säule für die Erreichung eines guten Zustands unserer Gewässer. Die bisher durchgeführten Investitionen der letzten Jahrzehnte haben in Lemgo wesentlich und nachhaltig genau dafür Sorge getragen.“

Sie führt aus: „Allerdings konnten damit bisher nicht die Spurenstoffe signifikant reduziert werden. Diese wirken bereits bei niedrigen Konzentrationen schädigend in unseren Gewässern. Mit dem Bau und der Inbetriebnahme der vierten Reinigungsstufe hat die Stadt Lemgo wieder einmal ihre kommunale Abwasserreinigung auf einen sehr hohen Standard gehoben und damit einen weiteren Meilenstein zum dauerhaften Erreichen eines guten ökologischen und chemischen Zustands unserer Gewässer geschafft.“

Für Lemgo ist die Reinigungsstufe eine Zukunftsinvestition. Es ist möglich, dass die Beseitigung von Spurenstoffen in einigen Jahren zu einem vorgeschriebenen Verfahren wird. Birgit Rehsies, Leiterin des Dezernats Wasserwirtschaft bei der Bezirksregierung Detmold: „Lemgo kann zurecht stolz auf diese neue Reinigungsstufe sein, ist sie doch eine von nur elf in OWL und so in NRW ganz vorne mit dabei. Das ist eine wichtige Investition für einen ganzheitlichen Gewässerschutz, zu dem auch andere Faktoren wie eine Gewässerrenaturierung gehören, die in Lemgo ebenfalls gut vorankommt. In der Summe geht es um das Ziel, einen guten Zustand unserer Gewässer zu erreichen und deswegen geben wir an dieser Stelle auch gerne Fördermittel dazu.“

Der Bau im laufenden Betrieb ist ein Teil der Gesamterneuerung der biologischen Reinigungsstufe der Zentralkläranlage. Bürgermeister Markus Baier weiß, dass die Arbeiten für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine Herausforderung sind. „Wir sind sehr zufrieden mit den planenden und ausführenden Unternehmen. Die Zusammenarbeit hat gut geklappt und trotz der Herausforderung, die Arbeiten im laufenden Betrieb durchführen zu müssen, haben wir die Maßnahme sehr erfolgreich umsetzen können. Gleiches gilt für die Zusammenarbeit mit der Bezirksregierung Detmold. Hier ist die umfangreiche Begleitung und Unterstützung zur Realisierung dieses Projektes hervorzuheben. Unser Dank gilt an der Stelle auch den Mitarbeitenden auf der Kläranlage, die die Arbeiten mit Umsicht und Verstand begleitet haben“, sagt der Bürgermeister.

Der Bau der vierten Reinigungsstufe ist Teil der Gesamtmaßnahme der Erneuerung der biologischen Reinigungsstufe der Zentralkläranlage. Wo jetzt die neue Reinigungsstufe ist, waren vorher Denitrifikationszellen und ein Teil des Schlammwasserspeichers. Der Platz dort entstand durch die Erweiterung der Belebungsstufe um ein weiteres Becken an anderer Stelle.

Der Umbau erfolgt außerdem in Abschnitten, damit der Betrieb jederzeit sichergestellt ist. Im August 2020 waren die Arbeiten an der vierten Reinigungsstufe gestartet. Landesbehördlich abgenommen wurde sie Anfang Mai 2022. Die Kosten für die vierte Reinigungsstufe belaufen sich auf rund 2,1 Millionen Euro. Etwa 1,3 Millionen Euro Fördermittel konnten vom Land NRW eingeworben werden, sodass der Eigenmittelanteil der ALG bei rund 800.000 Euro liegt.

Hintergrund

Am 20.12.2000 trat die EG-Wasserrahmenrichtlinie (EG-WRRL) in Kraft. Mit Hilfe dieser Richtlinie soll erreicht werden, dass der Zustand von Gewässern und Grundwasservorkommen in allen Staaten der EU langfristig geschützt und falls notwendig verbessert wird.

Da in den Fließgewässern verstärkt Mikroschadstoffe nachgewiesen werden, welche sich schädigend auf die Gewässergüte auswirken, werden in NRW verstärkt Abwasserbehandlungsanlagen um eine vierte Reinigungsstufe erweitert. Das Ziel dabei ist es, Mikroschadstoffe aus dem Abwasser zu entfernen bzw. so aufzuspalten, dass die Spaltprodukte biologisch abbaubar werden und somit von ihnen keine schädigende Wirkung mehr ausgeht. Die Abwasserbeseitigungsgesellschaft Lemgo (ALG) hat sich für die Realisierung einer Ozonbehandlungsanlage entschieden.

Als Spurenstoffe werden organische anthropogene Stoffe bezeichnet, die in einer geringen Konzentration von weniger als einem millionstel Gramm pro Kilogramm bzw. Liter in unseren Gewässern nachzuweisen sind. Zu den Spurenstoffen zählen beispielsweise Arzneimittelwirkstoffe, Duftstoffe in Körperpflege- und Reinigungsmitteln, Biozide, andere Chemikalien (PFC) sowie Stoffe mit hormonähnlichen Wirkungen und mehr.

PM Stadt Lemgo

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