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Was Yoga mit dezentraler Energieversorgung zu tun hat

Shuchita Kishore, Generalkonsulin der Republik Indien, besuchte vorige Woche die Technische Hochschule Ostwestfalen-Lippe (TH OWL) auf dem Innovation Campus. Im Mittelpunkt ihres Aufenthalts in Lemgo standen die weitere Vertiefung der akademischen Zusammenarbeit zwischen Indien und der TH OWL sowie der Austausch über gemeinsame Perspektiven in Forschung, Bildung und Nachhaltigkeit.

Der Besuch der Generalkonsulin soll zudem Impulse für weitere gemeinsame Projekte geben. Dabei geht es nicht nur um akademische Kooperationen, sondern auch um den kulturellen Austausch zwischen Indien und der Region Ostwestfalen-Lippe.

Ein sichtbares Zeichen dafür ist die Übergabe einer Auswahl Bücher an die Bibliothek der TH OWL. Die Generalkonsulin übergab unter anderem Werke zu indischer Kultur, Philosophie, Kunst, und Yoga. Sie erweitern den Bibliotheksbestand und stärken die kulturellen Verbindungen zwischen Indien und Ostwestfalen-Lippe. Bibliotheksleiterin Andrea Kruel plant für die Exponate eine eigens hergerichtete Ecke. Darüber hinaus sollen die Bücher später auch am Standort Detmold verfügbar sein.

Fast 900 internationale Studierende an der TH OWL

Shuchita Kishore nutzte die Gelegenheit auch für einen persönlichen Austausch mit den indischen Studierenden. Von den rund insgesamt 900 „Internationals“ kommen etwa 200 aus Indien. Damit stellen sie die größte internationale Studierendengruppe an der TH OWL. Professorin Dr. Uta Pottgiesser, Vizepräsidentin für Kultur, Kommunikation und Internationales, knüpfte an die Ansprache an und stellte die vielfältigen Angebote der TH OWL vor: von Möglichkeiten zum Deutschlernen bis hin zu Angeboten zur Vernetzung der Studierenden untereinander.

Anlass der Reise der Generalkonsulin nach Lemgo war der Besuch einer Delegation des National Institute of Engineering (NIE) aus Mysuru. Die Zusammenarbeit von TH OWL und NIE umfasst unter anderem gemeinsame Forschungs- und Studierendenprojekte zu Zukunftsthemen wie erneuerbaren Energien und nachhaltiger Energieversorgung in ländlichen Regionen.

Wie diese Kooperation in der Praxis aussieht, zeigt unter anderem das gemeinsame Vorhaben „Indo-German Renewable Energy Initiative“: Studierende und Forschende der TH OWL und des NIE entwickeln darin Lösungen für die Erzeugung, Speicherung und intelligente Verteilung erneuerbarer Energie.

Im Rahmen des ASA-Programms, ein Austausch- und Stipendienprogramm für junge Menschen, verbindet das Projekt technische Forschung mit internationalem Austausch – zunächst in Deutschland, anschließend in Indien.

Das sechsmonatige Projekt „Indo-German Renewable Energy Initiative“ bringt Studierende und Forschende der TH OWL und des NIE in Mysuru, Bundesstaat Karnataka im Südwesten Indiens, zusammen. Es ist Teil des ASA-Programms, das internationale Zusammenarbeit, kulturellen Austausch und nachhaltige Entwicklung fördert.

Das Programm bietet Studierenden und jungen Berufstätigen die Möglichkeit, drei- bis sechsmonatige Praxisprojekte in Afrika, Asien, Lateinamerika oder Südosteuropa zu absolvieren. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Themen wie Nachhaltigkeit und globaler Gerechtigkeit. Die Teilnahme beinhaltet Seminare, ein Stipendium und die Zusammenarbeit in internationalen Teams. Gefördert wird das Vorhaben von der Bundesregierung.

Betreut wird das Team von Professor Dr. Georg Heinrich Klepp an der TH OWL und Professor Shamsundar Subbarao, Leiter des Centre For Renewable Energy & Sustainable Technologies am NIE.

Zu den Teilnehmern gehören Ravikiran und Raghu Mandya aus Indien sowie Jesse Petau und Aditya Sharma von der TH OWL. In zwei jeweils dreimonatigen Phasen arbeiten sie an Lösungen für die Erzeugung, Speicherung und Verteilung erneuerbarer Energie. Die erste Phase fand in Deutschland statt, die zweite führt das gesamte Team demnächst nach Indien.

Technik kennenlernen und gemeinsam weiterentwickeln

Nach einem vorbereitenden Onlineseminar im April reisten die indischen Teilnehmer nach Deutschland. Das International Office der TH OWL unterstützte sie bei organisatorischen Fragen und beim Einstieg in den Hochschulalltag. Ein mehrtägiges ASA-Seminar nahe Berlin bot anschließend Gelegenheit, sich mit Teilnehmenden weiterer internationaler Projekte auszutauschen und die Zusammenarbeit im Team zu vertiefen.

Im Mittelpunkt der Projektarbeit standen jedoch die technischen Fragen. An der TH OWL beschäftigte sich die Gruppe mit solarbasierten Mikronetzen, Batteriespeichern, Elektrolyseuren und KI-gestützten Energiemanagementsystemen. Ein Mikronetz versorgt ein begrenztes Gebiet eigenständig mit Energie und verbindet dafür beispielsweise Solaranlagen, Speicher und lokale Verbraucher miteinander.

Bei einem Besuch im KraftwerkLand am Innovationszentrum Dörentrup lernte das Team Anlagen zur Erzeugung von grünem Wasserstoff und zur langfristigen Speicherung von Energie unter realen Bedingungen kennen. Eine weitere Exkursion führte zu einer landwirtschaftlich betriebenen Biogasanlage. Dort erfuhr die Gruppe, wie sich organische Reststoffe in Energie umwandeln lassen und welche technischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Fragen dabei eine Rolle spielen.

Die praktischen Einblicke waren besonders für die Gäste aus Indien wertvoll. Sie halfen ihnen dabei, Anforderungen an einen transportablen Elektrolyseur zu bestimmen, der künftig unter realen Bedingungen vor Ort eingesetzt werden könnte. Ein Elektrolyseur nutzt Strom, um Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff aufzuspalten. Stammt der Strom aus erneuerbaren Quellen, kann der Wasserstoff Energie nahezu klimaneutral speichern.

Drei Arbeitsfelder für die Energiewende

Aus den Laborarbeiten und Exkursionen sind drei konkrete Arbeitsschwerpunkte entstanden. Die indischen Projektpartner bereiten einen Förderantrag für den Einsatz von Elektrolyseuren in Indien vor. Ziel ist es, überschüssige Energie aus erneuerbaren Quellen als grünen Wasserstoff zu speichern und später wieder nutzbar zu machen.

Jesse Petau untersucht parallel, unter welchen wirtschaftlichen und rechtlichen Bedingungen eine bestehende Biogasanlage in Ostwestfalen-Lippe modernisiert oder neu aufgebaut werden könnte. Dabei vergleicht er verschiedene Möglichkeiten: die Stromerzeugung direkt vor Ort, die Aufbereitung des Biogases zu Methan und die Einspeisung in das Gasnetz. Auch die Umwandlung des im Biogas verbleibenden Kohlendioxids mithilfe von Wasserstoff in zusätzliches Methan wird betrachtet. Die Ergebnisse sollen später als Grundlage für vergleichbare Biogas- und Abfallenergieprojekte in Indien dienen.

Aditya Sharma entwickelt ein KI-gestütztes Energiemanagementsystem für ein bestehendes Mikronetz in einer ländlichen Siedlung im Raum Mysuru. Das System soll Wetterdaten, Energieerzeugung und Verbrauch fortlaufend auswerten. So kann es frühzeitig erkennen, wann weniger Solarstrom zur Verfügung steht, und die Nutzung der Speicher entsprechend steuern. Ziel ist es, die Batterien zu schonen und den Einsatz fossiler Notstromaggregate deutlich zu verringern.

Von Lemgo nach Mysuru

In der zweiten Projektphase wird das Team die entwickelten Ansätze am NIE in Mysuru an die Bedingungen in Indien anpassen. Geplant ist ein System, das Solar- und Windenergie, Batteriespeicher, Wasserstoff und bei Bedarf Biodiesel miteinander verbindet. Eine intelligente Steuerung soll die Energie bedarfsgerecht verteilen und eine zuverlässige Versorgung rund um die Uhr ermöglichen.

Die Forschenden bereiten dazu den gemeinsamen Antrag „AI-Driven Hybrid Renewable Microgrid with Hydrogen Energy Storage for Sustainable Electrification of Tribal Communities“ vor. Pilotanlagen sollen in den Siedlungen Lakshmanapura Hadi und Billenahosahalli Hadi entstehen. Dort könnten die Technologien unter realen Bedingungen erprobt und zu einem übertragbaren Modell für weitere abgelegene Regionen entwickelt werden.

Neben der fachlichen Arbeit prägte auch der persönliche Austausch die erste Projektphase. Gemeinsame Exkursionen im Heinz Nixdorf MuseumsForum in Paderborn sowie nach Bielefeld und Dortmund oder zur Zeche Zollverein in Essen boten Raum für Gespräche über Kultur, Alltag und unterschiedliche Arbeitsweisen.

Für die Teilnehmer ist das ASA-Projekt deshalb mehr als ein Forschungsaufenthalt: Es verbindet technische Innovation mit interkulturellem Lernen und schafft eine Grundlage für eine langfristige Zusammenarbeit zwischen der TH OWL und dem NIE.

PM TH OWL

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Michael Pitt

Michael Pitt betreibt das Portal Mein-Lemgo seit 2021. Er ist in Lemgo geboren, wohnt direkt am Marktplatz und ist Lemgoer mit Herz und Seele.
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