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LippeWirtschaft

IHK Lippe Konjunkturlagebericht: Schockwellen des Krieges erreichen die lippische Wirtschaft

Der Krieg Russlands gegen die Ukraine trifft die lippische Wirtschaft hart. Zu diesem Ergebnis kommt die Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer Lippe zu Detmold (IHK Lippe). Die Umfrage im Frühjahr 2022 ist die erste, die die Auswirkungen des Krieges auf unsere Wirtschaft abbildet. Daher ist davon auszugehen, dass die vielfältigen wirtschaftlichen Auswirkungen noch nicht in Gänze in den Rückmeldungen der lippischen Unternehmen verankert sind.

Der Konjunkturklimaindikator der IHK Lippe sackt auf 92,7 Punkte ab (Vorumfrage: 112,5 Punkte). Seit der Jahrtausendwende gab es niedrigere Indexwerte nur in den Konjunkturumfragen nach Ausbruch der Corona-Pandemie, in der Zeit nach der Finanzkrise sowie in den Jahren 2001 und 2002, als die Welt ebenfalls den Atem anhielt. Der Indikator setzt sich aus zwei Komponenten zusammen, die sich im Frühjahr dieses Jahres beide negativ entwickelt haben. Die Beurteilung der gegenwärtigen Geschäftslage unterscheidet sich dennoch deutlich von den Geschäftserwartungen der Unternehmen in Lippe.

Über alle Branchen hinweg bewerten nur noch 31 Prozent aller Unternehmen die aktuelle Geschäftslage mit „gut“. In der vorherigen Umfrage zu Jahres- und vor Kriegsbeginn waren dies insgesamt noch 10,0 Prozent mehr. Der Rückgang der positiven Lagemeldungen verteilt sich dabei wie folgt auf die Branchen: Handel (-16,7 Prozent), Bau (-11,6 Prozent), Industrie (-10,9 Prozent), Dienstleistungen (-8,8 Prozent) sowie Gastgewerbe und Gastronomie (-0,5 Prozent). 52,5 Prozent der antwortenden Unternehmen geben eine befriedigende Geschäftslage an (+9,9 Prozent im Vergleich zur Vorumfrage). Jedes sechste Unternehmen in Lippe verzeichnet eine schlechte Geschäftslage (-1,3 Prozent).

Das Geschäftsumfeld bietet derzeit viele Argumente für schlechte Ergebnisse. Auf die lange Liste gehören neben dem Krieg in der Ukraine und einer möglichen Verschärfung der Eskalation anhaltend starke Preissteigerungen für Rohstoffe und Energie, die Wareneinkäufe verteuern. Hinzu kommt eine Konjunkturbelastung durch die kompromisslose Covid-Bekämpfung in China, dessen logistische Folgen ebenfalls bis tief in die lippische Wirtschaft reichen: „Das Lieferketten-Chaos, das mit der Corona-Pandemie seinen Anfang genommen hat, belastet die lippische Wirtschaft nach wie vor stark. Das gestörte Lieferketten die Preise erheblich treiben können, hatten bereits die vergangenen Monate im Zuge der Corona-Krise gezeigt. Der Krieg verschlimmert diesen Trend“, kommentiert Volker Steinbach, Präsident der IHK Lippe, das Ergebnis der Konjunkturumfrage.

Der Erhebung der IHK Lippe zufolge haben 43,8 Prozent der Unternehmen bereits Preiserhöhungen an die Kundschaft weitergegeben. 35,9 Prozent beabsichtigen, dies ebenfalls zu tun. 18,4 Prozent können oder wollen keine Preissteigerungen weitergeben. 4,0 Prozent sind noch unentschlossen.

Die allgemeine Geschäftserwartung für die nächsten 12 Monate zeichnet ein düsteres Bild, da unter anderem die weitere Entwicklung in der Ukraine unvorhersehbar ist. 40,9 Prozent der lippischen Unternehmen gehen von einer schlechteren wirtschaftlichen Entwicklung aus. In der Industrie ist es sogar jedes zweite Unternehmen. Branchenübergreifend glauben 53,2 Prozent, dass sich ihre Ertragslage im laufenden Jahr verschlechtern wird. „Diese Entwicklung betrachten wir mit großer Sorge, denn unsere Wirtschaft war gerade dabei sich vom langen Winter und den mit der Corona-Pandemie einhergehenden Einbußen zu erholen. Zudem ist die lippische Wirtschaft gut vernetzt. Viele Unternehmen sind international aktiv, 78 Firmen haben Lieferkontakte in die Ukraine“, kommentiert Steinbach weiter. Nach wie vor wird mehr als jeder zweite Euro in der lippischen Industrie im Export erwirtschaftet. Doch fast jedes fünfte Unternehmen rechnet binnen Jahresfrist mit einem Rückgang des Exportgeschäfts. Allein im Gastgewerbe und in der Gastronomie sind die Geschäftserwartungen positiv. Hier glauben 29,3 Prozent an eine Besserung der Lage.

Als größtes Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung wird branchenübergreifend von 80,7 Prozent die steigenden Energie- und Rohstoffpreise genannt. Es folgen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen mit 51,1 Prozent und dicht dahinter der Fachkräftemangel mit 50,8 Prozent. Weitere Risiken sind ein sinkender Inlandsabsatz (43,7 Prozent), höhere Arbeitskosten (39,5 Prozent), ein sinkender Auslandsabsatz (18,3 Prozent), steigende Wechselkurs- (11,3 Prozent) sowie Finanzierungsrisiken (8,0 Prozent).

Die angespannte Situation führt insgesamt zu einer geringeren Investitionsneigung. 32,2 Prozent planen entsprechend geringere Ausgaben. In der Vorumfrage zu Jahresbeginn waren dies noch 21,3 Prozent. Gründe gegen eine Ausweitung der Investitionen sind eine zu geringe Nachfrage (53,6 Prozent), Kapazitätsreserven (32,9 Prozent), Eigenkapitalmangel (25 Prozent), administrative Hemmnisse (17,1 Prozent), zu hohe Fremdkapitalzinsen (3,6 Prozent) und die Erzielung besserer Renditen von Finanzanlagen (2,1 Prozent).

Die Beschäftigungspläne der Unternehmen bleiben trotz der hohen Unsicherheiten größtenteils stabil. 17,5 Prozent wollen in den kommenden 12 Monaten Arbeitsplätze reduzieren, 19,4 Prozent wollen dafür zusätzliches Personal einstellen. Bei dem Großteil von 63,1 Prozent soll die Zahl der Mitarbeitenden gleichbleiben.

270 Unternehmen mit rund 19.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten haben sich an der aktuellen Konjunkturumfrage der IHK Lippe beteiligt.

PM IHK Lippe zu Detmold

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