Für mehr Biodiversität am Biesterberg – Bundeswehr unterstützt bei Pflegemaßnahmen
Ganz gemächlich im Schritttempo rollt der Koloss entlang des Weges. Sein Ziel: Das Naturschutzgebiet Biesterberg. Nach über 30 Jahren ist wieder ein Panzer auf den Flächen des ehemaligen britischen Übungsplatzes unterwegs. Das Bergefahrzeug des Panzergrenadierbataillons 212 aus Augustdorf ist zu einem ganz besonderen Einsatz ausgerückt. Der außergewöhnliche Hintergrund der Aktion: Eine biologische Pflegemaßnahme, die in Zusammenarbeit von Kreis Lippe, Biologischer Station Lippe, Staff Stiftung Lemgo und der Bundeswehr organisiert wurde.
„Dass hierfür ein Militärfahrzeug eingesetzt wird, irritiert wahrscheinlich auf den ersten Blick – in Lippe ist dies bisher einmalig. Allerdings zeigen ähnliche Kampagnen in ganz Deutschland die Erfolge einer solchen naturschutzfachlichen Maßnahme“ betont Olrik Meyer, Fachbereichsleiter Umwelt des Kreises Lippe. Er ergänzt: „In der Senne, dem lippischen Arten-Hot-Spot, können wir das Phänomen ebenfalls beobachten.“
Ziel der Pflege ist es, den offenen Landschaftscharakter des Areals zu bewahren und der fortschreitenden Verbuschung entgegenzuwirken. Die Wiesen rund um den Biesterberg sind Lebensraum zahlreicher spezialisierter Pflanzen- und Insektenarten. Gerade konkurrenzschwache Pflanzenarten, wie der Feld-Thymian und Hornklee, finden an dem nährstoffarmen Standort geeignete Lebensbedingungen. „Davon profitieren wiederum zahlreiche Insektenarten, insbesondere Schmetterlinge. Wir konnten über 500 Nachtfalterarten nachweisen. Bemerkenswert ist dabei nicht nur die hohe Gesamtartenzahl, sondern auch der große Anteil gefährdeter Arten: Mehr als zehn Prozent der nachgewiesenen Arten stehen auf der Roten Liste“, erklärt Fabian Fester von der Biologischen Station Lippe.
Mit dem Ende der militärischen Nutzung entfielen die regelmäßigen Störungsprozesse, die über Jahrzehnte zur Offenhaltung des Biesterbergs beigetragen hatten. Um die Artenvielfalt zu erhalten, werden diese Prozesse heute gezielt nachgeahmt. Das Grünland wird extensiv durch Schafe beweidet und ergänzend gepflegt. „Mit der manuellen Pflege kommen wir aber an unsere Grenzen. Daher sind wir sehr dankbar für die Hilfe der Bundeswehr. Durch das hohe Gewicht und die Ketten des Panzers erzielen wir eine einzigartige Wirkung, die andere Maschinen so gar nicht hinbekommen“, so Fester.
Die Bundeswehr stellt für den eintägigen Einsatz nicht nur die Maschine, sondern auch fachmännisches Know-how zur Verfügung. Mehrere Soldaten unterstützen vor Ort. Der Naturschutzgedanke bei der Bundeswehr wurde im Zusammenhang mit den Truppen- und Standortübungsplätzen geboren. Die Förderung erneuerbarer Energien, die Sicherung wertvoller Biotope oder der Schutz von Umwelt und Klima gehören auch bei der Bundeswehr mittlerweile zum Alltag. „Im Zuge der Patenschaft zwischen der Hansestadt Lemgo mit dem
Panzergrenadierbataillon 212 aus Augustdorf und der damit verbundenen beiderseitigen guten Beziehungen ist es eine Selbstverständlichkeit im Rahmen des Naturschutzes zu unterstützen“, so der Kompaniechef der 1. Kompanie, Major Markus Schuchardt.
Ob der Einsatz zu den gewünschten Ergebnissen führt, hält die Biologische Station im Nachgang mit einem Monitoring fest.
Historische Entwicklung der Offenlandschaft im heutigen NSG Biesterberg
Über etwa acht Jahrhunderte diente der rund 218 Meter hohe Berg als gemeinschaftliche Waldweide (Hude) für das Vieh der Stadtbevölkerung. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm das britische Militär das Gebiet. Ab 1953 bis in die späten 1970er Jahre nutzten es den Biesterberg intensiv als Panzerübungsfläche.
Nach dem Abzug der britischen Streitkräfte Mitte der 1990 Jahre blieb eine großflächige Offenlandfläche mit hoher biologischer Bedeutung zurück. Die militärischen Aktivitäten wirkten hierfür maßgeblich als Katalysator: Die Fahrspuren, die Bodenverdichtungen und die geschaffenen offenen Rohbodenbereichen verhinderten eine Verbuschung und schufen ein kleinteiliges Mosaik unterschiedlicher Lebensräume. So entwickelte sich ein artenreiches Grünland sowie eingestreute Hecken- und Saumstrukturen.
Um das Areal dauerhaft für den Naturschutz zu erhalten, sicherte sich die Staff Stiftung im Mai 2003 rund 20 Hektar der Flächen.
PM Kreis Lippe



