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Eiswelt kommt, Gaststätte Aussichtsturm vor Abriss und knappe Kassen: Das gab es gestern im Lemgoer Rat

Von schattenspendenden Sonnensegeln über die künftige Gestaltungsrichtlinie im historischen Stadtkern bis hin zur Rettung der Eiswelt und neuen Wegen für das Areal Aussichtsturm: Am Montagabend tagte der Rat der Alten Hansestadt Lemgo im Großen Sitzungssaal des Rathauses. Neben Richtungsentscheidungen zur städtischen Finanzstrategie sorgten neue Regeln für die Außengastronomie und die Zukunft des Lemgoer Aussichtsturms für reichlich Gesprächsstoff. Wir fassen die Debatten, Beschlüsse und Berichte des Abends zusammen.

Lemgo. Pünktlich um 18:00 Uhr eröffnete Bürgermeister Markus Baier die 8. Sitzung des Lemgoer Rates. Einwohneranfragen lagen keine vor, und die Besetzungen von Ausschüssen sowie sonstigen Gremien waren rasch abgearbeitet. Danach ging es direkt an die zentralen Themen der Tagesordnung.

Schatten gesucht: Prüfantrag für Sonnensegel geht in den Fachausschuss

Den Auftakt der Sachdebatten machte TOP 5 mit dem Antrag der SPD-Fraktion (Drucksache 143/2026). Die Fraktionsspitze um Alexander Baer, Christian Bintz und Julien Thiede fordert die Verwaltung darin auf zu prüfen, ob temporäre Sonnensegel in den heißen Sommermonaten die aufgeheizte Fußgängerzone abkühlen können.

Da zusätzliche Bäume aufgrund von Leitungen im Untergrund, engen Straßenräumen, Rettungswegen und Denkmalschutz kaum pflanzbar sind, schlägt die SPD vor, die bereits vorhandenen Wandhalterungen und Tragsysteme der Weihnachtsbeleuchtung im Sommer für Sonnensegel zu nutzen. Ein Pilotprojekt soll Erkenntnisse zu Statik, Kosten und Akzeptanz liefern. Der Rat verwies den Prüfantrag zur weiteren fachlichen Ausarbeitung einstimmig in den zuständigen Stadtentwicklungs- und Bauausschuss.

Investitionsstrategie bis 2035: Kämmerer Frank Limpke und Anja Drewes stellen „lebendiges Papier“ vor

Einen zentralen Schwerpunkt der Ratssitzung bildete TOP 6 mit dem Sachstand zur langfristigen Investitionsstrategie der Alten Hansestadt Lemgo (Drucksache 171/2026). Kämmerer Frank Limpke stellte das umfassende Planungs- und Zahlenwerk gemeinsam mit Anja Drewes aus der Stadtverwaltung vor.

Hintergrund des Papiers ist der Zehnjahreszeitraum bis 2035, den die Verwaltung seit Sommer 2025 intensiv vorbereitet hat. Darin werden erstmals alle anstehenden Großprojekte der Kernverwaltung sowie der drei städtischen Eigenbetriebe – der Gebäudewirtschaft Lemgo (GWL), der Straßen und Entwässerung Lemgo (SEL) und der Städtischen Betriebe Lemgo (SBL) – gemeinsam und ganzheitlich erfasst. Die finanzielle Ausgangslage zwingt zu diesem Schritt: Nach einem Jahr mit negativem Jahresabschluss und schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ist das Geld knapp, weshalb eine klare Priorisierung her muss.

Anhand einer Bewertungsmatrix bewertet die Verwaltung künftige Projekte nach strategischen Handlungsfeldern: Klimaschutz und Energie, Ressourcenschutz und Klimafolgenanpassung, Bildung, Identifikation sowie Wirtschaft und Hochschule. Dabei gaben Limpke und Drewes den Ratsmitgliedern eine klare Marschroute mit: Oberste Priorität haben zwingende gesetzliche Vorgaben, statische Notwendigkeiten und akute Gefahrenabwehr. Gleichzeitig fließen die Förderfähigkeit durch Land und Bund sowie die personelle Leistungsfähigkeit im Rathaus in die Bewertung ein – denn was personell nicht geplant oder überwacht werden kann, lässt sich auch nicht bauen.

Kämmerer Limpke betonte in der Debatte nachdrücklich: „Es handelt sich um ein lebendiges Papier.“ Das Strategiewerk solle kein starrer Kriterienkatalog sein und Projekte keineswegs pauschal verhindern, sondern als verlässlicher Kompass dienen. Nur mit einem solchen Instrument könne der Rat in den kommenden Jahren sicherstellen, dass die wirklich wichtigen und machbaren Investitionen trotz enger Kassenlage geordnet und erfolgreich umgesetzt werden.

Lebhafte Debatte um Sondernutzungen: Kritik der Grünen und Gegenrede von CDU und Verwaltung

Kontrovers diskutiert wurde TOP 8.2: die neue Richtlinie für Sondernutzungen im historischen Stadtkern (Drucksache 23/2026 2. Ergänzung). Die alte Fassung von 2008 entsprach nach dem Umbau der Fußgängerzone nicht mehr den Gegebenheiten, da beispielsweise bisherige Bezugspunkte wie alte Straßenlaternen weggefallen sind. Zudem stellte die Verwaltung klar, dass Außengastronomieflächen über 40 Quadratmetern nach Landesbauordnung (§ 62 BauO NRW) einer Baugenehmigung bedürfen und dies rechtlich weder verhandelbar noch abwählbar ist.

Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen bezog Herr Höltke im Rat Stellung und begründete die geschlossene Ablehnung seiner Fraktion: Die Stadt übernehme eine besondere gestalterische Verantwortung für das historische Erbe, die mit dem neuen Entwurf aus seiner Sicht verfehlt werde. Dem Einzelhandel und der Gastronomie würden zu weite Spielräume eingeräumt, während der Schutz der denkmalgeschützten Kulisse leide. Der öffentliche Raum dürfe nicht zur Kulisse einer beliebigen Warenpräsentation verkommen.

Bürgermeister Markus Baier und Ratsmitglied Steven Grimshaw (CDU) hielten dem klare Argumente entgegen: Baier betonte ausdrücklich den Testcharakter des Beschlusses – die Regelungen gelten probeweise für zwei Jahre und werden danach im Sommer 2028 genau evaluiert. Steven Grimshaw (CDU) hob hervor, wie viel gemeinsame, intensive Arbeit – ausdrücklich auch im Schulterschluss mit der SPD – in das Regelwerk geflossen sei. Ziel sei eine spürbare Belebung der Innenstadt. Gleichzeitig stellte er klar: Von einem Freifahrtschein für Beliebigkeit könne keine Rede sein; die Richtlinie enthalte feste Kriterien und Vorgaben, damit eben genau kein „Ramsch“ in den historischen Straßen Einzug halte. Am Ende passierte die neue Richtlinie den Rat mit breiter Mehrheit gegen die Stimmen der Grünen.

Aussichtsturm: Gaststätte vor Abriss – Bautechnik prüft Turm und Aufsatz

Bei TOP 9 gab es ernüchternde Neuigkeiten zum Gelände des Lemgoer Aussichtsturms: Kämmerer Frank Limpke berichtete, dass sich trotz Ausschreibungen und intensiver Suche keine Pächter oder Investoren für eine gastronomische Weiternutzung des Areals gefunden haben.

Die Verwaltung zieht daraus Konsequenzen: Das baufällige Gaststättengebäude wird wohl ‚rückgebaut‘, sprich abgerissen. Das Areal soll künftig naturnah umgestaltet werden; im Raum stehen Ideen wie Trekking-Zeltplätze für Wanderer, ein offener Schutzunterstand sowie die Reaktivierung der Strom- und Wasseranschlüsse vor Ort. Der Turm selbst sowie sein charakteristischer Aufbau werden in den kommenden Tagen einer gründlichen bautechnischen Untersuchung unterzogen. Erst das Ergebnis dieses Gutachtens wird klären, ob der Turm statisch sicher ist und der Öffentlichkeit künftig wieder als Aussichtspunkt zur Verfügung stehen kann.

Lemgo Marketing: Eiswelt am 13. November gesichert, Vorstand komplett und Idee für ein „Hinterhofleuchten“

Für die wohl erfreulichste Nachricht des Abends sorgte Carolin Saak beim halbjährlichen Bericht von Lemgo Marketing (TOP 10): Die beliebte „Lemgoer Eiswelt“ findet in diesem Winter definitiv statt! Am 13. November 2026 öffnen sich die Pforten; Verträge und Vereinbarungen seien frisch unterzeichnet.

Hinter den Kulissen war das allerdings ein Kraftakt. Die Sponsorensuche gestaltete sich spürbar schwieriger als in den Vorjahren. Dass das Event dennoch steht, verdankt die Hansestadt vor allem vielen kleineren Betrieben und Privatunternehmern, die trotz eigener enger Budgets finanzielle Hilfe beisteuerten auch wenn die einzelnen Beträge kleiner ausfielen als gewohnt. Ein immer größerer Unsicherheitsfaktor bleibt derweil das Wetter: Während man im Sommer bangt, dass es für Passanten nicht unerträglich heiß wird, hofft man im Winter auf knackige Kälte, um den Betrieb der Eiswelt energetisch und organisatorisch im Rahmen zu halten.

Auch personell gibt es Neuigkeiten an der Spitze des Stadtmarketings: Der erweiterte geschäftsführende Vorstand ist nun wieder komplett. Neu im Führungsgremium ist Ilka Steinmetzler von der Sparkasse Lemgo.

Positives gab es zudem aus dem touristischen Bereich zu vermelden: Carolin Saak berichtete, dass derzeit aktiv neue Stadtführerinnen und Stadtführer gesucht und ausgebildet werden. Lemgo kann hier bereits auf ein personell sehr breit aufgestelltes und qualitativ hochwertiges Gästeführer-Team bauen, das künftig weiter verstärkt wird.

Mit einer reizvollen neuen Idee will Lemgo Marketing künftig weitere Akzente setzen: Geplant ist ein atmosphärisches „Hinterhofleuchten“. Vorstellbar sei ein Freitagabend, an dem Lemgos idyllische, oft verborgene Innenhöfe stimmungsvoll illuminiert werden und so als Besuchermagnet für Nachtschwärmer und Einkaufsinteressierte dienen. Für die Konzeption und Organisation wird derzeit eine eigene Arbeitsgruppe gesucht und aufgebaut.

Darüber hinaus verzeichnete Lemgo Marketing deutliche Reichweitenerfolge im Netz: Die gezielte Vorstellung lokaler Geschäfte und Akteure auf den Social-Media-Kanälen sorgt für spürbar mehr Interaktion und Zugriffe auf den Profilen sowie der Website. Parallel dazu wurde die Partnerschaft mit Lippe Tourismus & Marketing (LTM) intensiviert. Auf die Sommersaison blickte man zufrieden zurück. Für Diskussionen habe im Vorfeld das Weindorf gesorgt: Man hatte sich bewusst gegen die langjährigen italienischen Beschicker und stattdessen für eine Bewirtung des Weinstands durch heimische Lemgoer Gastronomen entschieden. Zuspruch und Kritik hielten sich die Waage.

Die weiteren Beschlüsse in Kürze

Neufassung der Abwassersatzung (TOP 8.1): Die neue Satzung über die Abwasserbeseitigung (Drucksache 102/2026) wurde vom Rat einstimmig und ohne Debatte beschlossen.

Gleichstellungsplan 2024–2028 (TOP 7): Der Fortschreibungsbericht der Verwaltung zur personellen und strukturellen Gleichstellung (Drucksache 130/2026) wurde zur Kenntnis genommen.

Zuschuss für das Mehrgenerationenhaus (TOP 11): Verlässliche Unterstützung gibt es für das Mehrgenerationenhaus (MGH) und die dortige kirchliche Flüchtlingshilfe: Der Rat bewilligte jeweils 55.000 Euro jährlich für die Jahre 2027 und 2028 (Drucksache 157/2026).

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Michael Pitt

Michael Pitt betreibt das Portal Mein-Lemgo seit 2021. Er ist in Lemgo geboren, wohnt direkt am Marktplatz und ist Lemgoer mit Herz und Seele.
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