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Dr. Hans-Otto Pollmann informierte über den Freistuhl zu Biest – Ein mittelalterlicher Gerichtsplatz in der heutigen Laubke

Wenn man am Familienzentrum Bodelschwinghstraße vorbeikommt, dann fällt einem eine in die Jahre gekommene Sitzgruppe vor dem Gebäude auf.  Sie dient als Treffpunkt im Quartier oder für kurze Ruhepausen. Allerdings sind die Sitzplätze nur auf der einen Seite und an den Seiten des hölzernen Tisches.  Es ist keine Sitzgruppe im eigentlichen Sinne, sondern sie symbolisiert die mittelalterliche Gerichtsstätte „Freistuhl zu Biest“; mit dem höheren Stuhl in der Mitte für den Richter und weiteren Plätzen für die Beisitzer.

Aber war die Gerichtsstätte wirklich an diesem Platz und was war sie überhaupt?

Antworten hierzu gab Dr. Hans-Otto Pollmann, Vorsitzender des Vereins Alt Lemgo e.V. beim jüngsten Treffen der Nachbarschaft Lemgo Süd im Quartierszentrum.  Anhand von Kartenmaterial und Aufzeichnungen aus verschiedenen Jahrhunderten konnte er zur Überraschung der Anwesenden darstellen, dass der vor über 20 Jahren gewählte Platz für die Sitzgruppe mit Bedacht gewählt war.

In seinem kurzweiligen Vortrag ging der langjährige Archäologe des Landesverbandes Westfalen-Lippe auch auf die Rechtsentwicklung im Mittelalter, die unterschiedlichen Gerichtsarten und Zuständigkeiten, sowie das ursprüngliche Germanische Recht und das römische Recht ein. 

In Lippe gab es insgesamt fünf Freistühle. Sie bezogen sich auf die Gebiete außerhalb der Städte und gehörten zur Gerichtssprechung des Landesherrn. Der Freistuhl zu Biest hatte innerhalb dieser 5 Freigerichte eine wichtige Stellung.

Im Bereich der Laubke lagen im Mittelalter mehrere Höfe, die den mittelalterlichen Ort Biest bildeten. Am Ende des Mittelalters wurden sie aufgegeben. In ihrer Nähe befand sich im Mittelalter ein Freigericht, auch Freistuhl oder Femegericht genannt. Im Gegensatz zu den Gogerichten, die für kleinere Vergehen zuständig waren, wurde an den Freigerichten über schwere Vergehen und Bluttaten Recht gesprochen. Auch wurden hier Rechtsgeschäfte abgeschlossen und beurkundet. Letztmalig erwähnt wurde der Freistuhl zu Biest 1533. Auf die damalige Lage verweist noch der Name des Flurstücks „Auf dem freien Stuhl“, heute im Umfeld der Bodelschwinghstraße

Herr Dr. Pollmann zeigte die seinerzeitige Anregung von Herrmann Hentschel, dem damaligen Leiter des Arbeitskreises Stadtgeschichte, auf.  Dieser hatte sich mit dem Thema eingehend befasst und die Anregung zu einem Treffpunkt am Kindergarten am Ende der Bodelschwinghstraße mit einer Sitzgruppe mit dem Namen „Freistuhl zu Biest“ gegeben. Im Jahre 2004 wurde sie realisiert und nunmehr wird angestrebt sie mit Fördermitteln zu erneuern, was nicht nur aus sicherheitstechnischen Gründen angebracht erscheint.

Der Dank aller Anwesenden war Dr. Hans-Otto Pollmann am Ende seines interessanten Vortrages, in dem er auch so manche Frage der Gäste beantwortete, sicher.

Die nächste Veranstaltung der Nachbarschaft Lemgo Süd findet am 03. Juli 2026 um 19.00 Uhr statt. Es ist ein gemütlicher Abend im und am Quartierszentrum vor Beginn der Sommerpause vorgesehen.

PM Nachbarschaft Süd / Mense

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Michael Pitt

Michael Pitt betreibt das Portal Mein-Lemgo seit 2021. Er ist in Lemgo geboren, wohnt direkt am Marktplatz und ist Lemgoer mit Herz und Seele.
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