Anzeige: T&R Lemgo
Lehre/WissenschaftNachrichten

35 Sensoren für 400 junge Bäume: Lemgo gießt künftig nach Bedarf

Lemgo/Kalletal. Im Lemgoer Stadtgebiet wurden 35 Bodenfeuchtesensoren installiert. Sie zeigen den Städtischen Betrieben künftig auf einen Blick, welche jungen Bäume wirklich Wasser brauchen und welche nicht.

Wer im Sommer in Lemgo unterwegs ist, sieht sie regelmäßig: die Fahrzeuge der Städtischen Betriebe, die Bäume mit Wasser versorgen. Rund 100 Bäume pflanzt die Stadt aktuell Jahr für Jahr neu. Gerade in den ersten Jahren nach der Pflanzung brauchen sie erhöhte Aufmerksamkeit in der Pflege und ausreichend Wasser. Bislang planten die Mitarbeitenden der Grünflächenpflege ihre Touren nach festen Routen und nach ihrer Erfahrung. Künftig kommen Messwerte aus dem Boden dazu: Möglich macht das die Maßnahme „Smarte Bewässerung“ im Smart City-Projekt digital.interkommunal Kalletal.Lemgo.

„Hier geht es um eine sehr konkrete Frage: Braucht dieser Baum heute Wasser oder nicht? Die Sensoren geben unseren Kolleginnen und Kollegen von den Städtischen Betrieben darauf eine verlässliche Antwort und das spart Wasser, Zeit und Wege“, sagt Nicole Baeumer, Projektleiterin des Smart City-Projekts.

Was die Sensoren können

Ein Sensor steckt im Boden direkt neben einem Baum und misst dort zwei Dinge: wie feucht und wie warm die Erde ist. Gemessen wird rund um die Uhr, mehrmals täglich funkt der Sensor seine Werte an die Städtischen Betriebe. Dort laufen die Daten aller Standorte zusammen und werden übersichtlich auf einer digitalen Karte, dem Dashboard, dargestellt. Den Strom liefert eine kleine Solarzelle, ein Stromanschluss ist nicht nötig.

Die 35 Messpunkte verteilen sich über das ganze Stadtgebiet. Der Schwerpunkt liegt auf der Innenstadt, aber auch in den Ortsteilen wurden Sensoren neben Bäumen installiert. Ausgewählt wurden Standorte, an denen ab 2024 Bäume neu gepflanzt wurden. Weil sich Böden in vergleichbaren Lagen ähnlich verhalten, lassen sich aus den Messwerten Rückschlüsse auf rund 400 junge Bäume ziehen. Als Jungbaum gilt ein Baum in den ersten fünf Jahren nach der Pflanzung. Jung ist dabei relativ: Die meisten Bäume sind bei der Pflanzung bereits zehn bis zwölf Jahre alt und in einer Baumschule herangewachsen.

Der Einbau geht schnell: Städtische Betriebe und der beauftragte Dienstleister Agvolution brauchen pro Sensor rund eine halbe Stunde. Die Daten können direkt genutzt werden: Sobald ein Sensor im Boden steckt, erscheint der Standort mit seinem aktuellen Wert auf der digitalen Karte. Agvolution hat vergleichbare Systeme bereits in anderen Kommunen umgesetzt. Von diesen Erfahrungen profitiert auch Lemgo.

Was sich für die Städtischen Betriebe ändert

„Früher sind wir nach festen Routen gefahren. Ab jetzt schauen wir zuerst auf die digitale Karte. Jeder Standort ist dort in Ampelfarben zu sehen: Grün heißt, der Baum hat genug Wasser, gelb, dass der Vorrat zur Neige geht, und rot heißt trocken. Der Tag beginnt damit, dass wir uns den aktuellen Stand ansehen und die Gießtour danach planen“, sagt Marcel Wernecke, der bei der Stadt Lemgo für das Straßenbegleitgrün zuständig ist.

Denn jeder Standort ist anders. Wie lange Wasser im Boden bleibt, hängt vor allem davon ab, wie gut dieser Boden es speichern kann, und das unterscheidet sich innerhalb der Stadt. Genau das ließ sich von außen bisher kaum beurteilen. Die Folge: Manche Bäume bekamen zu wenig Wasser, andere mehr, als ihnen guttat. Auch zu viel Wasser schadet einem Baum. Künftig zeigen die Messwerte, wo tatsächlich Bedarf besteht.

„Bei unserer täglichen Arbeit merken wir den Klimawandel deutlich. Wir müssen heute mehr gießen als noch vor 15 Jahren, in der Hochphase sind wir aktuell mit zwei Fahrzeugen unterwegs. Wenn wir künftig sehen, wo das Wasser wirklich gebraucht wird, können wir unsere Touren viel gezielter planen und Wasser einsparen“, sagt Lars Becker, Leiter der Städtischen Betriebe.

Neben der Installation der Sensoren ist ein weiterer Schritt geplant: Die Gießarme der Fahrzeuge sollen so angepasst werden, dass sich eine genau bemessene Wassermenge ausbringen lässt. Dann lässt sich nicht nur steuern, wo gegossen wird, sondern auch wie viel.

Ein weiterer Gewinn der Maßnahme zeigt sich erst über die Jahre. Aus den Messwerten und den Beobachtungen der Baumpflege entsteht ein Bild davon, wie einzelne Standorte und Baumarten mit Trockenperioden umgehen. Bei jeder Neupflanzung lässt sich damit besser beantworten, welcher Baum hier die besten Chancen hat.

Bislang ist die digitale Karte den Städtischen Betrieben vorbehalten. Geplant ist aber auch ein öffentliches Dashboard: Dann können sich alle Interessierten ansehen, wie es um die Feuchtigkeit im Boden bestellt ist.

Von den Messungen in den Ortsteilen profitiert auch die Gemeinde Kalletal: Sie zeigen, wie sich längere Trockenperioden in ländlich geprägten Lagen auf den Boden auswirken.

Zweiter Baustein: Regenwasser nutzen

Die Maßnahme Smarte Bewässerung hat neben der Sensorik noch einen weiteren wichtigen Bestandteil. Parallel dazu lässt die Alte Hansestadt Lemgo ein Konzept erarbeiten, wie sich Regenwasser künftig sammeln, speichern und für Trockenzeiten nutzen lässt. Ergebnisse werden im Frühjahr 2027 erwartet.

Marcel Wernecke von den Städtischen Betrieben Lemgo setzt den Bodenfeuchtesensor neben einem jungen Baum auf dem Slavertor-Wall ein. Rechts daneben die Sendeeinheit mit Solarzelle, die den Sensor mit Strom versorgt. Foto: digital.interkommunal Kalletal.Lemgo.

PM Projekt digital.interkommunal

Unterstützung Redaktion

Dir gefällt unser täglicher Einsatz für Lemgo? Dann unterstütze meine Arbeit hier mit einem virtuellen Kaffee für den Redakteur – oder einem Kauknochen für Redaktionshund Bolle! 🐾

🦴 Kauknochen oder Kaffee spendieren
Mehr anzeigen
Anzeige: Hausmann Optik

Michael Pitt

Michael Pitt betreibt das Portal Mein-Lemgo seit 2021. Er ist in Lemgo geboren, wohnt direkt am Marktplatz und ist Lemgoer mit Herz und Seele.
Schaltfläche "Zurück zum Anfang"