AGH Frauen nähen Taschen für Wanderausstellung im Jobcenter
„Catcalling“ ist kein Kompliment
Kreis Lippe. Im Rahmen der jüngst im Jobcenter gezeigten Wanderausstellung „Catcalling“ haben die Frauen der „Arbeitsgelegenheit (AGH)“ bei der euwatec gGmbH am Standort Gut Herberhausen ein beeindruckendes Zeichen gegen Alltagssexismus gesetzt. Insgesamt 450 Taschen wurden in Handarbeit genäht, bedruckt und zu einem starken Symbol für Respekt und Achtsamkeit gemacht.
Die Taschen entstanden komplett aus Stoffspenden der Mitarbeitenden des Jobcenters Lippe. Zu bunte oder unpassende Stoffe wurden im Stoff-Fundus der AGH gegen unifarbene Materialien getauscht, um ein einheitliches und wirkungsvolles Design zu ermöglichen. Rund zehn Frauen der AGH haben in den vergangenen Wochen intensiv genäht, die Taschen mit eindrucksvollen Motiven zum Thema „Catcalling“ bedruckt und die Farben abschließend fixiert.
“Catcalling“ ist kein Kompliment. Der Begriff umfasst lüsterne Blicke, Pfiffe, Kussgeräusche, anzügliche Gesten sowie sexistische Kommentare und stellt eine Form sexualisierter Belästigung ohne Körperkontakt dar. In Deutschland bewegt sich Catcalling rechtlich noch in einer Grauzone zwischen Beleidigung und sexualbezogener Belästigung – es ist bislang nicht explizit strafbar. Dennoch ist das Phänomen hochaktuell: Die Zahlen von Gewalt und Belästigungen gegen Frauen und teilweise sogar gegen Männer nehmen zu, weshalb präventive Maßnahmen – auch seitens der Arbeitgeber – dringend notwendig sind.
Die Initiative geht auf die Gleichstellungsbeauftragte des Jobcenters Lippe, Iris Altrogge-Ludwig, zurück, die die Ausstellung ins Jobcenter Lippe holte und damit den Anstoß für das kreative Projekt gab. Die Wanderausstellung „Catcalling“ stammt vom SKFM Mettmann e.V. (allgemeine Frauenberatungsstelle Mettmann) und läuft dort bereits seit 2023. Sie sensibilisiert seither erfolgreich für das Thema und macht deutlich: „Was viele als „harmlosen Flirt“ abtun, ist für Betroffene Alltagsbelastung und Gewalt“, betont Altrogge-Ludwig.
Durch die Herstellung der Taschen verbindet die AGH Frauen Nachhaltigkeit mit gesellschaftlichem Engagement: Upcycling von Stoffresten trifft auf aktive Positionierung gegen Sexismus. Die bedruckten Taschen sollen die Botschaft der Ausstellung längerfristig in die Öffentlichkeit tragen und zum Nachdenken anregen.
Die AGH Frauen freuen sich immer über Kleidungs-, Stoff-, Woll- und Nähzubehörspenden und nehmen auch gerne funktionstüchtige Nähmaschinen für ihre Arbeit an.
PM Jobcenter Lippe



