Nach 30 Jahren: Frank Wiemann kündigt Abschied vom Stattgespräch an
Lemgo. Drei Jahrzehnte Theater im Kulturbahnhof, 72 Inszenierungen und rund 1.500 Vorstellungen: Die Freie Theatergruppe Stattgespräch startet in ihre 30. Spielzeit – und zugleich zeichnet sich eine Zäsur ab. Gründer und Theaterleiter Frank Wiemann hat angekündigt, künftig kürzerzutreten. Die neue Saison 2026/27 steht entsprechend unter dem Motto „Auf Wiedersehen“.
Wiemann hatte das Stattgespräch im Sommer 1996 gegründet. Aus der freien Theatergruppe entwickelte sich über die Jahre eine feste Größe im Lemgoer Kulturleben. Die Stadt bezeichnet das Theater im Kulturbahnhof inzwischen als Institution. Nach städtischen Angaben haben die Inszenierungen und Gastspiele insgesamt bereits mehr als 200.000 Besucher erreicht. Das kleine Theater verfügt über rund 120 Plätze.
Dabei arbeitet das Stattgespräch nach eigenen Angaben bis heute ohne öffentliche Zuschüsse. Schauspiel, Regie, Bühnenbild, Technik, Licht, Ton und zahlreiche weitere Aufgaben werden im Wesentlichen ehrenamtlich und in der Freizeit übernommen. Das Ensemble versteht sich als Amateurtheater mit professionellem Anspruch. Im Laufe der Jahre standen neben Komödien auch immer wieder gesellschaftlich schwierige Themen auf dem Programm – darunter Rechtsextremismus, Demenz, Judentum, gleichgeschlechtliche Liebe, Organspende, Tod und Sexualität im Alter.
Für Wiemann selbst waren die vergangenen Monate allerdings von einem tiefen Einschnitt geprägt. Nach einem Schlaganfall im April 2025 arbeitet er nach eigenen Angaben daran, wieder in sein bisheriges Leben zurückzufinden. Seine Liebe zum Theater sei geblieben. Mit inzwischen 62 Jahren und nach insgesamt rund 40 Jahren Theaterarbeit – seine Anfänge lagen in Hamburg – wolle er nun aber kürzertreten und voraussichtlich im kommenden Jahr in den Ruhestand gehen. Wie es organisatorisch mit dem Stattgespräch weitergeht, ist noch offen. Wiemann bringt unter anderem die mögliche Gründung eines Vereins ins Gespräch und kündigt an, eine Fortführung der Gruppe zu unterstützen.
Ganz ohne Bühne verabschiedet er sich allerdings nicht. In der kommenden Spielzeit kehrt unter anderem die Komödie „Das Abschiedsdinner“ zurück, in der Wiemann gemeinsam mit Kathrin Wolters und Stephan Gottwald spielt. Die Wiederaufnahme ist ab dem 13. Februar 2027 vorgesehen. Das Stück erzählt von einem Ehepaar, das seinen Freundeskreis „optimieren“ möchte und Freunde, von denen es sich trennen will, zu einem letzten gemeinsamen Abendessen einlädt.
Zunächst beginnt die 30. Spielzeit jedoch mit einer neuen Produktion. Am Samstag, 10. Oktober, um 19.30 Uhr feiert die zynische Komödie „Nein zum Geld!“ von Flavia Coste Premiere. Auf der Bühne stehen Torge Hoffmann, Myriam Heidemann, Liane Kreye und Christian Rolfes. Hoffmann führt auch Regie, Wiemann übernimmt die künstlerische Beratung. Inhaltlich dreht sich die Komödie um einen Lottogewinn – und um die Frage, was Geld mit Familie, Freundschaft und menschlichen Beziehungen anrichten kann.
Bis Januar sind zwölf Vorstellungen von „Nein zum Geld!“ geplant. Von Februar bis April folgen zehn Termine des „Abschiedsdinners“. Gespielt wird wie gewohnt im Kulturbahnhof am Bahnhofsplatz. Der Kartenvorverkauf für die neue Spielzeit beginnt am 10. September. Karten gibt es unter anderem in der Tourist-Information an der Kramerstraße sowie online. Der reguläre Eintrittspreis beträgt 21 Euro, bei Online-Tickets kommt eine Gebühr von einem Euro hinzu.
Ob das Motto „Auf Wiedersehen“ am Ende tatsächlich einen Abschied des Stattgesprächs bedeutet oder vor allem den Übergang in eine neue Phase, ist damit noch nicht entschieden. Fest steht jedoch: Nach 30 Jahren wird sich bei einer der langlebigsten freien Kulturinitiativen Lemgos etwas verändern.
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