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Von der Idee zum Erfolgsmodell: 30 Jahre Brandschutzerziehung in Lemgo

Seit 30 Jahren vermittelt die Freiwillige Feuerwehr Lemgo Kindern, wie sie sicher mit Feuer umgehen und sich im Notfall richtig verhalten. Was 1996 als Idee eines Kameraden begann, ist heute ein fest etabliertes Konzept, das weit über die Grenzen Lemgos hinaus Beachtung findet. Mehr als 10.000 Kinder haben seitdem an der Brandschutzerziehung teilgenommen und dabei grundlegendes Wissen und wichtige Fähigkeiten für den Ernstfall erworben.

Die Geschichte der Brandschutzerziehung begann 1996 an der Grundschule am Schloss, damals noch Grundschule Brake. Ralf Mai war zu dieser Zeit stellvertretender Löschgruppenführer der Löschgruppe Brake. Gemeinsam mit dem damaligen Schulleiter Dr. Henner Krause und Feuerwehrkamerad Horst Gröne wurde überlegt, wie Brandschutzwissen kindgerecht und gleichzeitig mit vertretbarem Aufwand vermittelt werden könnte.

Die Grundschule wurde von den Beteiligten als der richtige Ort für die Brandschutzerziehung identifiziert: Zum einen besuchen alle Kinder eine Grundschule. Zum anderen war es für das Team war es auch wichtig, dass die Kinder schon in einem gewissen Maße charakterlich gefestigt sind.

„Wir hatten die Hoffnung, dass wir in dieser Schulform etwas erreichen können. Das hat sich bestätigt“, sagt Ralf Mai. „Es gibt nichts Schöneres als ein Lob oder ein selbstgemaltes Bild, das uns später erreicht. Das zeigt uns, dass das Projekt Brandschutzerziehung der Feuerwehr Lemgo keine Momentaufnahme darstellt, sondern auch nachhaltig ist.“

Die Herausforderungen waren zunächst groß. Zwar gab es bereits Konzepte von Berufsfeuerwehren, diese waren jedoch auf einen erheblich größeren Zeitaufwand ausgelegt. Für eine freiwillige Feuerwehr, deren Mitglieder die Brandschutzerziehung zusätzlich zu ihrem Ehrenamt leisten, war das nicht umzusetzen. Also wurde in Lemgo ein eigenes Konzept entwickelt, mit einem klaren Ziel: Die Inhalte sollten fachlich fundiert, pädagogisch sinnvoll, kindgerecht und gleichzeitig im Ehrenamt leistbar sein.

Dr. Henner Krause übernahm dabei die pädagogische Seite, Ralf Mai und Horst Gröne brachten die feuerwehrtechnische Perspektive ein. Auch die Frage, welche Feuerwehrangehörigen für die Aufgabe geeignet sind, musste geklärt werden. Denn Brandschutzerziehung verlangt nicht nur Fachwissen, sondern auch pädagogisches Geschick und ein gutes Gespür für Kinder. Die Mitglieder des Teams wurden deshalb von Anfang an innerhalb der Feuerwehr entsprechend ausgebildet.

Aus der zunächst geplanten eintägigen Veranstaltung wurden schließlich zwei Unterrichtstage in der Schule mit jeweils vier Unterrichtsstunden. Hinzu kommt ein dritter Tag auf der Feuerwache. Bei einer Führung bekommen die Kinder dort einen Eindruck von den vielfältigen Tätigkeiten auf einer Feuerwache sowie einen Überblick über die Gerätschaften und Fahrzeuge der Feuerwehr. Sie lernen auch die persönliche Ausrüstung einer Einsatzkraft kennen. Dazu kommen kindgerechte Übungen und Vorführungen. Zum Abschluss gibt es zur Anerkennung für jedes Kind eine Urkunde.

Besonders aufregend ist für die Schülerinnen und Schüler die unangekündigte Alarm- und Evakuierungsübung, die im Rahmen der Brandschutzerziehung an der jeweiligen Schule durchgeführt wird. Dabei wird eine realistische Situation mit Rauch simuliert und das Verhalten im Notfall geübt. Was anfangs bei manchen Schulen und Lehrkräften durchaus auf Skepsis stieß, ist inzwischen ein wichtiger Bestandteil des Konzepts. Die regelmäßigen Übungen haben dazu beigetragen, Abläufe zu verbessern und die Sicherheit an den Schulen zu erhöhen.

Auch anfängliche Sorgen, dass die Brandschutzerziehung ein Fehler sei und Kinder gar zum Zündeln animieren könnte, haben sich nicht bestätigt. Im Gegenteil: Immer wieder erlebt die Feuerwehr, dass Kinder ihr Wissen aus der Brandschutzerziehung in tatsächlichen Notsituationen anwenden können. „Wir haben da schon mehrere Beispiele erlebt, unter anderem einen Handybrand bei einem der Kinder zu Hause. Das Kind hat top reagiert, direkt Fenster und Türen geschlossen und alle in Sicherheit gebracht. So blieb es lediglich bei einem Zimmerbrand und die Flammen haben sich nicht in der ganzen Wohnung ausgebreitet“, berichtet David Jones, einer von 11 Kameraden des Teams Brandschutzerziehung.

In einem anderen Fall setzte ein Kind einen Notruf derart souverän ab, dass die Leitstelle zunächst Zweifel hatte, ob der Anruf tatsächlich echt sei. Beispiele wie diese zeigen für die Lemgoer Wehr, dass die vermittelten Inhalte nicht nur im Klassenraum bleiben, sondern im entscheidenden Moment abrufbar sind.

Dabei wird das Konzept regelmäßig weiterentwickelt. Die Kinder und ihre Lebenswelt verändern sich und damit auch die Brandschutzerziehung. Begriffe und Beispiele werden angepasst, damit die Inhalte verständlich bleiben. Gleichzeitig geht es nicht nur um Feuerwehrwissen. Vor jedem Durchgang sprechen die Einsatzkräfte mit den Lehrkräften darüber, ob es in der Klasse Kinder gibt, die bereits einschneidende Erfahrungen mit Feuer oder der Feuerwehr gemacht haben. Manche Kinder reagieren zunächst ängstlich, weil ihnen zu Hause vermittelt wurde, dass Feuer ausschließlich etwas sehr Gefährliches ist. Das Team geht auf solche Situationen sensibel und individuell ein. Auch die Lehrkräfte sind während der Unterrichtseinheiten stets dabei.

Was in Lemgo vor 30 Jahren im Kleinen begann, hat inzwischen auch überregional Anerkennung gefunden. Mit dem Konzept war die Freiwillige Feuerwehr Lemgo bereits auf verschiedenen Messen vertreten – unter anderem in Bad Salzuflen, Iserlohn, Leipzig, Aachen und Berlin. Sogar aus Norwegen und Island gab es Interesse an der Antwort auf die Frage, wie die Lemgoer Brandschutzerziehung funktioniert. Weitere Kommunen im Kreis Lippe nutzen das Lemgoer Konzept ebenfalls.

Eine wichtige Unterstützung ist dabei die Lippische Landesbrandversicherung. Sie fördert das Projekt und kümmert sich um den Druck des mittlerweile kreisweit einheitlichen Unterrichtsmaterials. Dieses wird regelmäßig auf Aktualität und pädagogischen Anspruch überprüft und angepasst.

„Ich stehe nach wie vor gerne zum Einspringen zur Verfügung, denn es macht Spaß und es ist mittlerweile ein eingespieltes und super funktionierendes System“, sagt Ralf Mai. Für ihn ist das Ziel auch nach 30 Jahren unverändert: „Wir können die Kinder erreichen und dazu beitragen, dass sie vorsichtiger sind und in Notsituationen richtig reagieren.“

Dass ein solches Projekt über drei Jahrzehnte funktioniert, ist dabei keineswegs selbstverständlich. Lars-Uwe Brede, Leiter der Lemgoer Feuerwehr, weiß, dass der Aufwand auch nach Jahrzehnten nicht geringer wird: „Es braucht engagierte Feuerwehrangehörige, die Kooperation der Schulen, die Unterstützung Dritter und auch Verständnis bei den Arbeitgebern. Teilweise nehmen unsere Einsatzkräfte eine ganze Woche Urlaub, denn nicht immer ist es möglich, für solch einen langen Zeitraum dem Arbeitsplatz fernzubleiben. Und es braucht die Bereitschaft, ein bewährtes Konzept immer wieder an neue Anforderungen anzupassen.“

Auch nach 30 Jahren sind die Schulen und die Feuerwehr von der Lemgoer Brandschutzerziehung überzeugt. Aus dem gemeinsamen Pilotprojekt der Löschgruppe Brake und der damaligen Grundschule Brake ist ein Erfolgsmodell geworden, das Kinder stark für den Ernstfall macht.

PM Stadt Lemgo

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Michael Pitt

Michael Pitt betreibt das Portal Mein-Lemgo seit 2021. Er ist in Lemgo geboren, wohnt direkt am Marktplatz und ist Lemgoer mit Herz und Seele.
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