Ausbildung gemeinsam gestalten: Ein Netzwerk setzt Impulse für die Fachkräftesicherung in der Kunststoffbranche.
Lemgo, 14. Juli 2026
Die Kunststoffbranche ist mit über 500 Unternehmen, rund 19.000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von 3,5 Milliarden Euro einer der bedeutendsten Industriezweige in Ostwestfalen-Lippe. Damit diese Stärke auch in Zukunft erhalten bleibt, braucht die Region vor allem eines: gut ausgebildete Fachkräfte. Wie Unternehmen, Schulen und weitere Bildungspartner diese Herausforderung gemeinsam meistern können, war Thema des Netzwerktreffens „Ausbildung gemeinsam gestalten“. Zu diesem hatten das JOBvision-Projekt „ZAKowl – Zukunft der Ausbildung in der Kunststoffbranche in Ostwestfalen-Lippe“ und der Verein „Kunststoffe in OWL e. V.“ am Dienstag Vertreter:innen relevanter Schlüsselpartner der dualen Berufsausbildung in die Aula des ehemaligen Handwerksbildungszentrums (HBZ) in Lemgo eingeladen.
34 Vertreter:innen aus Unternehmen, Berufskollegs, der IHK Lippe zu Detmold sowie weiteren Einrichtungen der beruflichen Bildung nutzten die Veranstaltung, um Erfahrungen auszutauschen und gemeinsam Lösungsansätze für eine zukunftsfähige Ausbildung zu entwickeln.
Den Auftakt bildete ein Impulsvortrag von Carsten Kießler, Leitung Institut für Kunststoffwirtschaft OWL. Auf Grundlage aktueller Studien und regionaler Zahlen zeichnete er ein differenziertes Bild der Ausbildungssituation. So ist die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Kreis Lippe zuletzt deutlich stärker zurückgegangen als im Bundesdurchschnitt. Gleichzeitig bleiben Ausbildungsplätze unbesetzt, während viele junge Menschen weiterhin auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind. Diese Entwicklung zeigt, dass nicht nur die Anzahl der Bewerber:innen entscheidend ist, sondern dass vor allem die Passung zwischen Betrieben und Jugendlichen verbessert werden muss.
Mehrere aktuelle Studien von Bundesinstitut für Berufsbildung und der Robert Bosch Stiftung zeigen darüber hinaus, dass sich die Anforderungen an die Ausbildung spürbar verändert haben. Unternehmen berichten von mangelnder Ausbildungsreife, eklatanten Defiziten bei Basiskompetenzen, einem steigenden Betreuungsaufwand und veränderten Erwartungen junger Menschen an Ausbildung und Arbeitswelt. Gleichzeitig sehen sich Schulen mit Herausforderungen wie zunehmender Heterogenität, psychischen Belastungen von Schüler:innen sowie den Auswirkungen sozialer Medien auf Lern- und Sozialverhalten konfrontiert. Die zentrale Botschaft des Vortrags lautet: Die Herausforderungen sind komplex und betreffen alle Beteiligten gleichermaßen. Eine erfolgreiche Ausbildung kann nur gelingen, wenn Unternehmen, Schulen und weitere Partner enger zusammenarbeiten.
Im anschließenden von Ann-Marie Honemeyer (Projektmitarbeiterin ZAKowl) moderierten Podiumsgespräch mit Tobias Haak (IHK Lippe zu Detmold), Christian Hasse (Lüttfeld-Berufskolleg), Samuel Kastein (groku Kunststoffe GmbH) und Sabrina Miglietta (Schulsozialarbeit am Lüttfeld-Berufskolleg) tauschten die Teilnehmer:innen ihre unterschiedlichen Perspektiven auf die Ausbildungspraxis aus.
Das Gespräch machte darüber hinaus deutlich, dass die Herausforderungen branchenübergreifend auftreten und von allen Beteiligten ähnlich wahrgenommen werden. Trotz ihrer unterschiedlichen Blickwinkel herrschte Einigkeit darüber, dass Orientierung, wertschätzende Kommunikation, gegenseitiges Verständnis und die individuelle Begleitung der Auszubildenden heute ebenso wichtig sind wie die Vermittlung fachlicher Kompetenzen. Dabei wurde die Ausbildung – sowohl schulisch als auch betrieblich – als gemeinsame Entwicklungsaufgabe verstanden, die nur im engen Zusammenspiel von Betrieben, Schulen, Schulsozialarbeit, Kammern und weiteren Partnern gelingen kann.
Auch die Gäste beteiligten sich intensiv am Podiumsgespräch und brachten eigene Erfahrungen aus ihrem Berufsalltag ein. Dabei wurde deutlich, dass das Thema Ausbildung viele emotional bewegt. Gleichzeitig überwog die Zuversicht, dass die bestehenden Herausforderungen lösbar sind, sofern alle Akteure bereit sind, neue Wege zu gehen, voneinander zu lernen und bestehende Strukturen gemeinsam weiterzuentwickeln.
Die abschließende digitale Teilnehmerbefragung bestätigte diesen Eindruck. Besonders positiv bewertet wurden die Aktualität der Themen, der hohe Praxisbezug und der offene Erfahrungsaustausch. Viele Teilnehmende wünschen sich eine Fortsetzung des Formats. Als wichtigste Zukunftsthemen wurden die Förderung von Future Skills, die Gewinnung und Bindung von Auszubildenden sowie ein regelmäßiger Austausch zwischen Unternehmen und Bildungseinrichtungen genannt. Die Mehrheit sprach sich zudem für halbjährlich stattfindende Netzwerktreffen aus.
Das Podiumsgespräch machte deutlich, wie wichtig Qualifizierungsangebote für ausbildende Fachkräfte und Auszubildende sind. Für das Projektteam von ZAKowl bestätigte die Veranstaltung zugleich den eingeschlagenen Weg. Mit den im Projekt entwickelten Angeboten – dem Qualifizierungsprogramm für ausbildende Fachkräfte sowie dem geplanten modularen Qualifizierungsprogramm für Auszubildende – setzt das JOBvision-Projekt genau an den als entscheidend für eine erfolgreiche Ausbildung benannten Themen an.
Henry Ford formulierte es einst treffend: „Zusammenkommen ist ein Beginn, Zusammenbleiben ist ein Fortschritt, Zusammenarbeiten ist ein Erfolg.“ Dieses Leitmotiv zog sich durch die gesamte Veranstaltung und beschreibt zugleich das gemeinsame Ziel aller Beteiligten: Die duale Ausbildung als Gemeinschaftsaufgabe zu verstehen und die Fachkräftesicherung in Ostwestfalen-Lippe gemeinsam aktiv zu gestalten.
Das Netzwerktreffen wurde gemeinsam von Kunststoffe in OWL e. V. und dem JOBvision-Projekt „ZAKowl – Zukunft der Ausbildung in der Kunststoffbranche in Ostwestfalen-Lippe” veranstaltet. ZAKowl unterstützt Unternehmen dabei, die Ausbildung zukunftsfähig weiterzuentwickeln, Fachkräfte von morgen zu gewinnen und ausbildende Fachkräfte sowie Auszubildende durch Qualifizierungsangebote zu stärken. Das Projekt wird als JOBvision-Projekt aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.
PM Lippe Bildung eG
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