Anzeige: T&R Lemgo
NachrichtenPressemitteilungen

Einmal tief durchatmen – und anklopfen. Ehrenamtlicher Besuchsdienst am Klinikum Lippe

Seit Januar ist der ehrenamtliche Besuchsdienst am Klinikum Lippe zurück. 17 Ehrenamtliche schenken Patientinnen und Patienten in Detmold das, wofür im Klinikalltag oft die Zeit fehlt: ein offenes Ohr. Zwei von ihnen erzählen, warum sie Woche für Woche wiederkommen – und warum ein Gespräch manchmal mehr bewirkt als gedacht.

Bevor Petra Berger-Böhm an eine Patientenzimmertür klopft, atmet sie einmal tief durch. „Ich weiß ja nie, was mich dahinter erwartet“, sagt die 68-Jährige aus Herford. Seit 2006 ist sie im ehrenamtlichen Besuchsdienst des Klinikums Lippe aktiv und weiß aus Erfahrung: Hinter jeder Tür wartet eine andere Geschichte. Mal ein kurzer Plausch über Fußball, mal ein Gespräch, das unter die Haut geht.

So wie damals, in einem Dreibettzimmer im Altbau. Drei Männer, die zunächst abwinkten: „Nee, wir wollen eigentlich nicht reden.“ Am Ende saßen alle zusammen, und es flossen sogar Tränen. „Das war so emotional, ich dachte: Das gibt es doch gar nicht“, erinnert sich Petra Berger-Böhm. „Vier erwachsene Menschen haben geweint.“ Für sie ist genau das der Kern ihres Ehrenamts: „Die Offenheit, die manche Patienten an den Tag legen, ist etwas Besonderes. Vielleicht fällt es aber auch gerade bei einem fremden Menschen leichter, sich zu öffnen. So nach dem Motto: Den sehe ich ja nie wieder.“

Auch Thomas Demmer kennt diese anfängliche Zurückhaltung – gerade bei Männern. Der 62-Jährige aus Pivitsheide besucht seit 2018 Patienten der Universitätsklinik für Urologie. Sein schönstes Erlebnis in diesem Jahr begann mit einem eher zögerlichen „Wollen wir uns ein bisschen unterhalten? Und eine halbe Stunde später hatte mir dieser Patient seine halbe Lebensgeschichte erzählt. Er war in seinem Berufsleben viel herumgekommen in ganz Europa und auch in Asien. Dementsprechend fiel ihm eine Anekdote nach der anderen ein.” Diese wenigen Gesprächsminuten waren für den Patienten ein kleiner Gedanken-Ausflug aus dem Krankenhausalltag – und genau das kann der ehrenamtliche Besuchsdienst anbieten. Worum sich die Gespräche drehen, ist dabei völlig offen: Politik, Fußball, Erinnerungen an früher – und manchmal eben auch die Krankheit, die Einsamkeit oder die Trauer. 

Doch was muss man eigentlich mitbringen, wenn man sich ehrenamtlich in diesem Bereich engagieren möchte? „Du musst Spaß daran haben, mit Menschen zu reden“, sagt Thomas Demmer. „Und zuhören können, das ist noch viel wichtiger.“ Dazu gehört aber auch Fingerspitzengefühl: Wer gerade eine schwere Diagnose erhalten hat, reagiert manchmal schroff oder möchte allein sein. „Dafür entwickelt man ein Gefühl – und nimmt es nicht persönlich“, sagt Demmer. Niemand wird dabei ins kalte Wasser geworfen: Neue Ehrenamtliche werden geschult, gehen anfangs gemeinsam mit erfahrenen Kolleginnen und Kollegen auf die Station und melden sich vor jedem Rundgang beim Pflegeteam am Stützpunkt.

Manchmal wird aus dem Krankenbesuch auch ganz praktische Hilfe. Petra Berger-Böhm hat schon Turnschuhe für eine Patientin besorgt, die direkt aus dem Krankenhaus in die Reha wechselte, Nachthemden für eine ältere Dame gekauft und Hörgerätebatterien geholt. Gerade hat das Klinikum auch wieder einen kleinen Kleiderbestand aufgebaut für Menschen, die nach einem Unfall ohne Wechselkleidung ins Krankenhaus kommen oder für Patientinnen und Patienten ohne festen Wohnsitz. Der Wäschefundus wird von den Ehrenamtlichen mitbetreut, so dass sie jederzeit nach Bedarf auch Wäsche an die Patienten und Patienten ausgeben können.

Wenn man so lange dabei ist wie Petra Berger-Böhm, gibt es auch die Begegnungen, die bleiben. Über fünf Jahre begleitete sie einen Patienten, der wegen einer chronischen Erkrankung immer wieder – zuletzt fast ein ganzes Jahr am Stück – im Klinikum lag und kaum Angehörige hatte. Sie besuchte ihn regelmäßig, bis zu seinem Tod. „Das sind die Ausnahmen“, sagt sie. „Aber es zeigt, wie viel so ein Besuch bedeuten kann.“

Im Januar 2026 hat der ehrenamtliche Besuchsdienst am Klinikum Lippe nach einer langen Unterbrechung, die während der Corona-Pandemie begann, neu durchgestartet, getragen von einer breiten Initiative im Haus. Wie sehr das Angebot gefehlt hat, spürten die Ehrenamtlichen sofort: „Normalerweise sagen die Patienten: Toll, dass es Sie gibt“, erzählt Thomas Demmer. „Diesmal kam das genauso aus dem Pflegebereich. Wir werden wirklich als Unterstützung gesehen für das, wofür den Profis auf Station oft die Zeit fehlt.“

Aktuell sind 17 Ehrenamtliche am Standort Detmold aktiv – von Jung bis Alt. Die Jüngste im Team ist 19 Jahre alt und engagiert sich bis zu ihrem Studienbeginn, eine Grundschullehrerin kommt nachmittags nach der Arbeit, eine Erzieherin liest auf der Kinderstation vor. Und jetzt startet der Dienst auch am Standort Lemgo. Momentan sind dort zwei Ehrenamtliche auf den Stationen und eine in der geriatrischen Tagesklinik tätig.

Petra Berger-Böhm und Thomas Demmer schätzen am Ehrenamt im Klinikum vor allem die Freiheit. Tag, Uhrzeit und Station suchen sie sich selbst aus, meist sind es zwei bis zweieinhalb Stunden pro Woche, vormittags ab 9 Uhr oder am Nachmittag. Auch nebenberuflich ist das Engagement gut machbar, und über die Unfallkasse sind alle Ehrenamtlichen abgesichert.

Doch eines wünscht sich Thomas Demmer noch: Männliche Verstärkung, denn er ist derzeit der einzige Mann im ehrenamtlichen Besuchsdienst des Klinikums Lippe. Mit einem Augenzwinkern sagt er: „Gesucht werden empathiefähige, kommunikations-freudige Menschen. Handwerkliches Geschick ist ausdrücklich nicht erforderlich.“

Mitmachen im ehrenamtlichen Besuchsdienst am Klinikum Lippe

Sie möchten Patientinnen und Patienten Zeit schenken? Der ehrenamtliche Besuchsdienst des Klinikums Lippe freut sich über Verstärkung – in Detmold und jetzt auch in Lemgo.

  • Zeitaufwand: ca. 2 bis 2,5 Stunden pro Woche
  • Tag und Uhrzeit sind frei wählbar
  • Auch nebenberuflich möglich
  • Schulung und Begleitung durch erfahrene Ehrenamtliche
  • Versicherungsschutz über die Unfallkasse
  • Vorkenntnisse sind nicht nötig, Freude am Zuhören genügt

Kontakt: Astrid Albert, Telefon 05231 72-5825

PM Klinikum Lippe

Unterstützung Redaktion

Dir gefällt unser täglicher Einsatz für Lemgo? Dann unterstütze meine Arbeit hier mit einem virtuellen Kaffee für den Redakteur – oder einem Kauknochen für Redaktionshund Bolle! 🐾

🦴 Kauknochen oder Kaffee spendieren
Mehr anzeigen
Anzeige: Hausmann Optik

Michael Pitt

Michael Pitt betreibt das Portal Mein-Lemgo seit 2021. Er ist in Lemgo geboren, wohnt direkt am Marktplatz und ist Lemgoer mit Herz und Seele.
Schaltfläche "Zurück zum Anfang"