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Würdevoller Gedenkgottesdienst

 Ein Zeichen setzen gegen Hass, Gewalt und Krieg. Ein Zeichen für das Leben und die Liebe. Das sollte der Gedenkgottesdienst am 18. November 2023 in der Kapelle von Alt Eben-Ezer, und das ist auch gelungen – sehr eindrücklich gelungen. Die Erinnerung an die grausamen Taten der Nazis im Dritten Reich sollte niemals verblassen. Die Erinnerung daran ist der Garant, dass so etwas nie wieder passiert. „Nie wieder ist jetzt“, so lautet die prägnante und so treffende Formel, die dieser Tage von zahlreichen Seiten und Initiativen, die sich dem Frieden verschrieben haben, zu hören ist.

Schon seit 2017 findet in der Kapelle im November ein Gedenkgottesdienst für die 36 aus Eben-Ezer abtransportierten Menschen statt, die in Lagern der Nationalsozialisten getötet wurden oder umkamen. „Immer wieder erschrecken wir vor der Gewalt der einen und dem Schweigen der anderen“, stellte Pastorin Dörte Vollmer zu Beginn der Veranstaltung fest. In seiner Predigt nahm der Theologische Kirchenrat der Lippischen Landeskirche Thomas Warnke die Gottesdienstbesucher und -besucherinnen mit auf einen Spaziergang über einen Friedhof. Dort stehen drei große weiße Steine, aus Marmor gemeißelt und von innen erleuchtet. Darauf die drei Worte „Ewig – Endlich -Sein“. Es ist ein Altar, ein Ort, um Abschied zu nehmen von geliebten Menschen. „Ich setze mich auf einen Stein und denke an die Menschen, denen wir heute gedenken“, so Thomas Warnke. Für sie habe es keinen würdigen Abschied gegeben. Sie passten nicht ins Bild einer menschenfeindlichen Ideologie. „Frage nach, wo immer Dir Unrecht begegnet“, zitierte der Kirchenrat Hannah Arendt. Verbrechen müssten benannt werden, um sie wahrzunehmen. Das sei eine Forderung an jedes einzelne Mitglied einer Gemeinschaft. „Wir müssen genau hinschauen, wenn Menschen ausgegrenzt werden, wenn ihnen Unrecht geschieht“, ermahnte er die Gemeinde. Die Gestalter des Gottesdienstes scheuten keine längeren Pausen im Ablauf, die Raum für ein stilles Gedenken ließen. Die musikalische Begleitung durch Kantorin Anna Ikramova an der Orgel und Tenor Mark Sikoll war sehr würdevoll und getragen. Im Anschluss wurden die Namen der 36 meist noch jungen Menschen von der Klientin Christine Schulze, Andreas Warnke und dem Verbandsvorsteher des Landesverbandes Lippe Jörg Düning-Gast vorgelesen. Nach dem Gottesdienst verließen die Besucher und Besucherinnen schweigend die Kapelle und versammelten sich vor der Gedenkstele, in der alle Namen der Opfer eingraviert sind. Hier verweilten sie eine Weile, einige legten Rosen ab.

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