Überlebenshandbuch: Der Mai-Marathon oder „Warum ich Montage jetzt liebe“
Die Glosse
Vergessen Sie den entspannten Frühlingsspaziergang. Wer im Mai und Juni überleben will, braucht die Kondition eines Ironman-Triathleten und die diplomatische Gerissenheit eines Geheimagenten. Die Feiertags-Welle rollt an: 1. Mai, Muttertag, Himmelfahrt, Pfingsten und Fronleichnam. In Lippe nennt man das nicht „Freizeit“, sondern „taktische Hochleistungs-Erholung“.
Die Hunger Games im Großraumbüro
Bevor der erste Grill überhaupt entstaubt wird, brennt im Büro bereits die Hütte. Die Schlacht um die Brückentage ist eröffnet. Wer dachte, die Kollegen seien Freunde, lernt jetzt die Wahrheit kennen: Für den Freitag nach Himmelfahrt würde die nette Dame aus der Buchhaltung ihre eigene Großmutter verkaufen.
Es beginnt das große „Eltern-Trumpfen“: „Ich habe schulpflichtige Kinder!“ wird gekontert mit „Dafür habe ich eine pflegebedürftige Buchsbaumhecke!“. Wer nicht Punkt 08:00 Uhr am Tag der Urlaubsfreigabe mit gezücktem Kuli vor dem Chef steht, hat verloren. Das Ergebnis? Man sitzt am Brückentag einsam im Büro, hütet das Telefon und starrt auf die Statusmeldungen der Kollegen, die bereits das erste „Prost“-Selfie aus dem Abteigarten oder von der Bega schicken.
Die Logistik des Wahnsinns
Hat man den Kampf am Arbeitsplatz gewonnen, wartet der Endgegner: Die Familien-Logistik. Der Terminkalender sieht aus wie ein Tetris-Spiel für Fortgeschrittene.
• Der 1. Mai: Man zerrt den Bollerwagen Richtung Staffpark oder quält sich den Windelstein hoch, bis die Knie knacken, nur um zu beweisen, dass man „noch kann“. Wahlweise pilgert man von Wirt zu Wirt um sich den Helm mal so richtig zu lackieren: schließlich macht Lemgo ein Fass auf.
• Der Muttertag: Ein logistischer Albtraum zwischen Blumenampel und Kaffeetafel-Hopping. Man versucht, in Rekordzeit vom Tortenstück bei Oma in Brake zum Pflichtbesuch nach Lieme zu hetzen, ohne dass der Zuckerspiegel kollabiert.
• Himmelfahrt: Die Väter und Kids ziehen los, um ihre Würde irgendwo zwischen Marktplatz und den umliegenden Wäldern zu vergraben, während die Mütter zu Hause schon mal die Erholungsklinik googeln.
Und dann Pfingsten und Fronleichnam! Man presst den kompletten Jahresvorrat an Entspannung in ein verlängertes Wochenende. Die A2 ist dicht, die Parkplätze am Hermannsdenkmal sowieso, und der Stresspegel erreicht Werte, bei denen jeder Kardiologe nervös wird. Wir jagen der Erholung so verbissen hinterher, dass diese vor lauter Angst die Flucht ergreift.
Das bittere Ende
Nach sechs Wochen Dauer-Feiern, Brückentag-Hektik und obligatorischem Spargel-Koma kehren wir dann endlich zurück – ins Büro. Völlig erschöpft, mit einem leichten Sonnenbrand und dem dringenden Bedürfnis nach einem Ort, an dem niemand „Geselligkeit“ schreit.
Die gute Nachricht? Wenn Fronleichnam vorbei ist, haben wir erst einmal Pause. Bis im August die ersten Spekulatius in den Regalen der Lemgoer Supermärkte stehen und das Weihnachts-Drama von vorne losgeht. Aber bis dahin: Viel Glück beim Kampf um den letzten freien Freitag!



