Modellprojekt HERA: Gemeinde Kalletal und Hebammenverband gehen neue Wege in der Gesundheitsversorgung
HERA – HEbammen in Regionaler Ambulanter Versorgung: Die Gemeinde Kalletal und der Landesverband der Hebammen NRW erproben neue Wege der Primärversorgung. Eigenständig tätige Hebammen sollen künftig das Angebot im kommunalen Medizinischen Versorgungszentrum ergänzen. Wie der Landesverband bei einem aktuellen Pressegespräch mitteilte, wurde bereits eine erste Hebamme für das Modellprojekt gefunden. Ziel ist es, insgesamt drei Hebammen einzubinden, die gemeinsam die vollständigen Öffnungszeiten des MVZ abdecken.
Kalletal, Herford, 30.10.2026 – Die Gemeinde Kalletal und der Landesverband der Hebammen Nordrhein-Westfalen e.V. haben eine Kooperation zur Stärkung der wohnortnahen Gesundheitsversorgung vereinbart. Bei einem gemeinsamen Treffen von Bürgermeister Mario Hecker und der Landesvorsitzenden Michelle Rump wurde beschlossen, künftig Hebammen in das kommunale Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) Kalletal einzubinden. Damit gehen beide Partner neue Wege, um die medizinische Versorgung von Schwangeren und jungen Familien im ländlichen Raum zu verbessern.
Das gemeinsame Modellprojekt trägt den Namen HERA – HEbammen in Regionaler Ambulanter Versorgung. Der Name ist zugleich eine Anspielung auf die griechische Mythologie: Hera gilt unter anderem als Göttin der Frauen und der Familie sowie als Schutzgöttin gebärender Frauen. Das Projekt verbindet diesen Bezug mit einem modernen Versorgungsansatz, bei dem Hebammen als eigenständige Gesundheitsfachberufe mit bestehenden regionalen Versorgungsstrukturen kooperieren.
Das im April 2025 eröffnete MVZ ist ein wichtiger Baustein der ambulanten medizinischen Versorgung in Kalletal. Nun soll das bestehende Angebot um Hebammenleistungen erweitert werden. Das Medizinische Versorgungszentrum stellt dafür geeignete Räumlichkeiten zur Verfügung. Auf Wunsch der Hebammen können auch die Terminorganisation und -koordination durch die bereits vorhandenen medizinischen Fachangestellten (MFA) des MVZ in Anspruch genommenwerden.
„Wir möchten, dass die Menschen in Kalletal auch in Zukunft gut und wohnortnah medizinisch versorgt werden. Gerade für junge Familien ist es wichtig, verlässliche Anlaufstellen vor Ort zu haben. Mit der Einbindung von Hebammen erweitern wir unser Angebot um einen wichtigen Bereich der Gesundheitsversorgung und machen unsere Gemeinde gleichzeitig attraktiver für Familien“, erklärt Bürgermeister Mario Hecker. „Wir wollen den Hebammen den Einstieg so einfach wie möglich machen und freuen uns, wenn wir gemeinsam ein neues Angebot für Kalletal aufbauen können.“
Eine Anlaufstelle für Schwangere und junge Familien
Künftig soll das MVZ auch eine Anlaufstelle für Schwangere, Wöchnerinnen und Stillende werden. Hebammen können dort unter anderem Schwangerschaftsvorsorge, Beratung bei Beschwerden, Wochenbettbetreuung und Stillberatung anbieten. Auch Kursangebote sind denkbar. Geplant ist eine regelmäßige Präsenz von Hebammen während der Kernöffnungszeiten des MVZ.
Das neue Angebot würde den bereits etablierten Lotsendienst des Kreises Lippe ergänzen, der einmal wöchentlich im MVZ stattfindet. Die konkrete Ausgestaltung der Hebammenleistungen soll gemeinsam mit interessierten Hebammen entwickelt werden.
„Hebammen sind hochqualifizierte Fachkräfte, die Frauen und Familien von der Familienplanung über Schwangerschaft und Geburt bis in die frühe Elternschaft begleiten. Sie leisten einen wichtigen Beitrag zur Prävention und können viele gesundheitliche Anliegen eigenständig betreuen“, erklärt Michelle Rump, erste Vorsitzende des Landesverbandes der Hebammen NRW. „Wir freuen uns sehr, dass die Gemeinde Kalletal diese Kompetenzen erkannt hat und gemeinsam mit uns neue Versorgungswege entwickelt.“
Gemeinsam versorgen statt nebeneinander arbeiten
Ein wichtiger Bestandteil des Konzeptes ist die enge Zusammenarbeit zwischen Hebammen und den bereits im MVZ tätigen medizinischen Fachkräften. Schwangere, Wöchnerinnen und Stillende könnten sich künftig bei Beschwerden oder Unsicherheiten direkt an eine Hebamme wenden. Diese nimmt eine fachliche Einschätzung vor und kann viele Anliegen im Rahmen der Hebammenbetreuung unmittelbar versorgen. Ist eine ärztliche Abklärung oder Behandlung erforderlich, kann eine gezielte Weiterleitung in die hausärztliche oder fachärztliche Versorgung beziehungsweise bei Bedarf in eine Klinik erfolgen.
Auch die ärztliche Leiterin des MVZ, Imola Kalló, begrüßt die geplante Zusammenarbeit. Sie weiß aus eigener Erfahrung, dass es für Frauen in der Region nicht immer einfach ist, eine Hebamme zu finden. Die Einbindung von Hebammen in das MVZ bietet daher die Chance, den Zugang zur Hebammenversorgung zu erleichtern und die Zusammenarbeit zwischen den Gesundheitsberufen zu stärken.
„Es geht nicht darum, Aufgaben von einer Berufsgruppe auf eine andere zu verlagern. Vielmehr wollen wir die vorhandenen Kompetenzen sinnvoll miteinander verbinden. Hebammen und Ärztinnen und Ärzte ergänzen sich in der Versorgung. Wenn diese Zusammenarbeit unter einem Dach stattfindet, profitieren vor allem die Familien“, betont Rump.
Ein Modell, das Schule machen soll
Mit ihrer Kooperation wollen die Gemeinde Kalletal und der Landesverband der Hebammen NRW auch Impulse für die Weiterentwicklung der Primärversorgung setzen. Gerade im ländlichen Raum können regionale Gesundheitszentren dazu beitragen, medizinische Angebote besser zu vernetzen, Wege zu verkürzen und vorhandene Ressourcen gezielter einzusetzen.
„Wir sind überzeugt, dass kommunale Gesundheitsversorgung dann besonders gut funktioniert, wenn unterschiedliche Berufsgruppen zusammenarbeiten und die Angebote auf die Bedürfnisse der Menschen vor Ort abgestimmt werden“, erklärt Bürgermeister Hecker.
Für den Landesverband hat die Zusammenarbeit über Kalletal hinaus Bedeutung. „Die Einbindung von Hebammen in die Primärversorgung ist keine Frage zusätzlicher Zuständigkeiten, sondern eine Frage der intelligenten Nutzung vorhandener Kompetenzen“, so Rump. „Kalletal zeigt, wie Kommunen gemeinsam mit Hebammen neue Wege gehen können. Wir hoffen, dass dieses Modell auch andere Städte und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen ermutigt, Hebammen künftig stärker in ihre regionalen Versorgungsstrukturen einzubinden.“
Erste Hebamme gefunden – weitere Verstärkung gesucht
Das Modellprojekt HERA nimmt bereits konkrete Formen an. Wie der Landesverband der Hebammen NRW in einem aktuellen Pressegespräch mitteilte, konnte inzwischen eine erste Hebamme für die Mitarbeit im MVZ Kalletal gewonnen werden.
Langfristig soll ein Pool aus insgesamt drei Hebammen entstehen, die gemeinsam die gesamten Öffnungszeiten des Medizinischen Versorgungszentrums abdecken. Damit soll eine verlässliche und kontinuierliche Anlaufstelle für Schwangere, Wöchnerinnen und junge Familien geschaffen werden.
Für die weitere Umsetzung werden noch zwei Hebammen gesucht. Die Räumlichkeiten des MVZ stehen zur Verfügung. Bei Bedarf können die Hebammen außerdem die organisatorische Unterstützung des bestehenden MVZ-Teams in Anspruch nehmen. Die konkrete Zusammenarbeit und das Leistungsangebot sollen gemeinsam entwickelt werden.
Interessierte Hebammen sind ausdrücklich eingeladen, sich bei der Gemeinde Kalletal oder beim Landesverband der Hebammen NRW zu melden.
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Gemeinde Kalletal | Landesverband der Hebammen Nordrhein-Westfalen e.V.
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