IHK Lippe blickt voraus auf NRW-Landtagswahl 2027: Ländlicher Raum ist wirtschaftliches Kraftzentrum und braucht bessere Rahmenbedingungen

Regionen wie Lippe zeigen, dass industrielle Stärke, international erfolgreiche Unternehmen und eine ausgeprägte mittelständische Struktur keineswegs allein in den großen Ballungsräumen zu finden sind. „Lippe ist ländlich geprägt und zugleich ein bedeutender Industriestandort. Zahlreiche Unternehmen entwickeln und produzieren hier innovative Lösungen, beliefern internationale Märkte und sichern qualifizierte Arbeits- und Ausbildungsplätze“, erklärt Svenja Jochens, Hauptgeschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer Lippe zu Detmold (IHK Lippe). „Die wirtschaftliche Leistung des ländlichen Raums wird in der politischen und öffentlichen Debatte dennoch häufig unterschätzt, das muss sich spätestens nach den Landtagswahlen in NRW ändern.“
Die Forderung erhält vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen zusätzliche Bedeutung. Erst kürzlich standen bei der regionalen Arbeitsmarktkonferenz in Ostwestfalen-Lippe mit NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann die Themen Fachkräftesicherung, Transformation und Wettbewerbsfähigkeit der industriell geprägten Regionen im Mittelpunkt. Gleichzeitig wurde im Detmolder Stadtrat über die Einführung einer Gastabgabe sowie die Prüfung einer kommunalen Verpackungssteuer diskutiert. Für die IHK Lippe zeigen beide Debatten exemplarisch, wie entscheidend Rahmenbedingungen für die Zukunft ländlicher Wirtschaftsstandorte sind.
Mittelstand übernimmt Verantwortung für die Region
Die lippische Wirtschaft wird von kleinen und mittleren Unternehmen sowie von zahlreichen familiengeführten Betrieben geprägt. Viele von ihnen sind seit Generationen mit ihren Standorten verbunden. „Familienunternehmen denken häufig langfristig. Sie investieren nicht nur in Maschinen und Gebäude, sondern auch in ihre Belegschaften, in Ausbildung und in das gesellschaftliche Umfeld ihres Standorts“, betont Jochens. „Diese enge Verbindung zwischen Unternehmen, Beschäftigten und Kommunen ist eine besondere Stärke des ländlichen Raums.“ Hinzu komme die große Anpassungs- und Innovationsfähigkeit der Unternehmen. Innovation zeige sich nicht ausschließlich in spektakulären Neugründungen oder digitalen Geschäftsmodellen. In vielen lippischen Betrieben entstehe sie unmittelbar in der betrieblichen Praxis: durch neue Produkte, effizientere Produktionsverfahren, automatisierte Prozesse, nachhaltigere Materialien oder eine enge Zusammenarbeit mit Kunden, Lieferanten und wissenschaftlichen Einrichtungen.
Standortvorteile nicht verspielen
Hohe Energie- und Arbeitskosten, zunehmende Bürokratie, langwierige Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie eine teilweise unzureichende Verkehrs- und Digitalinfrastruktur belasten jedoch insbesondere produzierende Unternehmen. Schwache Nachfrage, hohe Kosten, regulatorische Anforderungen und tiefgreifende Transformationsprozesse setzen die Unternehmen unter erheblichen Anpassungsdruck. „Unternehmerisches Engagement kann schlechte Standortbedingungen nicht dauerhaft ausgleichen“, warnt Jochens. Dass diese Herausforderungen aktuell viele Unternehmen beschäftigen, wurde auch bei der Arbeitsmarktkonferenz mit Arbeitsminister Karl-Josef Laumann deutlich. Die dort geführten Gespräche über Fachkräftesicherung, Qualifizierung und Transformation hätten erneut gezeigt, dass wirtschaftliche Stärke und Beschäftigung eng mit attraktiven Rahmenbedingungen verknüpft sind.
Politik muss ländliche Regionen stärker beteiligen
Die IHK Lippe fordert von der NRW-Landespolitik, die wirtschaftliche Bedeutung ländlicher Regionen stärker in politischen Entscheidungen zu berücksichtigen. Bei Investitionen in Infrastruktur, Bildung, Energieversorgung und Digitalisierung müsse die regionale Wirtschaftsstruktur konsequent berücksichtigt werden.
Aktuelle kommunalpolitische Entscheidungen zeigten zugleich, wie wichtig ein wirtschaftsfreundlicher Kurs vor Ort sei. Die jüngsten Beratungen des Detmolder Stadtrates über eine Gastabgabe und eine kommunale Verpackungssteuer hätten deutlich gemacht, dass zusätzliche finanzielle und bürokratische Belastungen für Unternehmen sorgfältig abgewogen werden müssen. Gerade in wirtschaftlich anspruchsvollen Zeiten komme es darauf an, Investitionen, Wachstum und Beschäftigung zu erleichtern und die Attraktivität des Standorts zu stärken.
PM IHK Lippe
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