Lemgo stellt die Weichen: Zwischen Wohn-Visionen in der Laubke und neuem Fokus für den Einzelhandel
Die gestrige Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses (11. Februar) markierte einen wichtigen Punkt für die Zukunft Lemgos. Neben wegweisenden Plänen für ein inklusives Wohnquartier in der Laubke stand die strategische Neuausrichtung des Einzelhandels sowie die Suche nach neuen Impulsen für die Innenstadt im Mittelpunkt.
Lemgo. Im Großen Sitzungssaal des Rathauses unter Leitung von Steven Grimshaw (CDU) wurde gestern Abend deutlich, wohin sich die Alte Hansestadt in den kommenden Jahren entwickeln soll. Hier sind die zentralen Ergebnisse der Beratungen:
„Wohnen und alt werden“: Ein Projekt vieler Partner
Das geplante Bauvorhaben am Kleinen Schratweg nimmt konkrete Formen an. Das Gemeinschaftswerk wird von mehreren Partnern getragen: Die Mennonitische Brüdergemeinde Lemgo e.V. stellt als Investor das Grundstück zur Verfügung, während der Christliche Schulförderverein Lippe e.V. als Bauherr fungiert. Für den späteren Betrieb und die Pflegeangebote zeichnet das Christliche Sozialwerk OWL e.V. (CSW) verantwortlich.
Die Architekten präsentierten einen Entwurf, der durch eine terrassenförmige Bauweise besticht, um sich harmonisch in die Umgebung der Laubke einzufügen. Besonders spannend: Um sozialer Vereinsamung vorzubeugen, setzt man auf Gemeinschaftsflächen statt isolierter Balkone. Es handelt sich jedoch um einen ersten Entwurf, darauf wiesen die Planer ausdrücklich hin. Das Projekt mit seinen 53 barrierefreien Wohnungen und einem öffentlichen Begegnungscafé steht ausdrücklich allen Bürgerinnen und Bürgern zur Bewerbung offen.
Einzelhandel: Die City wird „T-förmig“
Ein weiterer Meilenstein war die Verabschiedung der Fortschreibung des Einzelhandelskonzepts. Um gegen den Online-Handel zu bestehen, wird der Fokus geschärft: Der „Zentrale Versorgungsbereich“ konzentriert sich künftig T-förmig auf die Mittelstraße sowie relevante Abschnitte der Hafer-, Kramer- und Breitestraße. Zudem wurden strategische Potenzialflächen wie das Post-Areal und das Schützengelände identifiziert, um die Aufenthaltsqualität zu steigern und die Nahversorgung in den Ortsteilen dauerhaft zu sichern. Die Beschlussvorlage wurde einstimmig angenommen.
Leuchtturm-Projekte: Stadt geht in die Offensive
Ein kritischer Punkt der Sitzung war der Sachstand zu den sogenannten „Leuchtturm-Projekten“ zur Belebung leerstehender Ladenlokale. Auf Anfrage der SPD räumte die Verwaltung ein, dass bisher noch keine Bewerbungen für das Förderprogramm eingegangen sind. Nun soll „Stufe 2“ zünden: Die Wirtschaftsförderung wird aktiv das Gespräch mit Immobilienbesitzern suchen und diese direkt anschreiben, um das Potenzial der leerstehenden Flächen gemeinsam mit interessierten Akteuren auszuschöpfen.
ISEK: Lippegarten hat Vorrang
Bei der Umsetzung des Stadtentwicklungskonzepts (ISEK) „Lemgo 2037“ gab es eine klare Entscheidung: Die Mittel werden zunächst auf die Aufwertung des Lippegartens konzentriert. Eine komplette Einbeziehung der Wallschule ist aktuell aus technischen und finanziellen Gründen nicht darstellbar. Der Ausschuss folgte hier einstimmig dem Vorschlag der Verwaltung, den Fokus auf diesen zentralen Treffpunkt zu legen.
„Wohnungsbau-Turbo“ sorgt für Interesse und Diskussion
Keine Einigkeit gab es zunächst beim sogenannten „Wohnungsbau-Turbo“ (§ 246e BauGB), der schnellere Baugenehmigungen ermöglichen soll. Nach einem ausführlichen Vortag von Frau Weber (Stadtentwicklung) zur verwaltungstechnischen Umsetzung erfolgte eine angeregte Diskussion. Trotzdem die Fraktion der Grünen noch Beratungsbedarf anmeldete, konnte die CDU einen Kompromiss erwirken: Das Thema wurde nicht vertagt, sondern zur endgültigen Entscheidung direkt in den Stadtrat verschoben.



