Große Acts, ehrenamtliche Helfer und klare Zukunftsvisionen: Michael Nolting über das Lippe Open Air
Das Lippe Open Air in Lieme ist längst zu einem festen Bestandteil des regionalen Veranstaltungskalenders geworden und zieht ein bunt gemischtes Publikum an, bis zu 10.000 Besucher an beiden Tagen. Hinter den Kulissen arbeitet Organisator Michael Nolting bereits auf Hochtouren, um auch die kommende Ausgabe zu einem unvergesslichen Erlebnis zu machen. Im Interview spricht er über musikalische Highlights, die Herausforderungen der Festivalorganisation, warum Einwegbecher plötzlich wieder ein Thema sind und warum er sich nach dem Abbau am liebsten im Keller einschließt.
Redaktion: Das Lippe Open Air ist bekannt für seinen internationalen Mix aus EDM, Partyschlager und regionalen Acts. Wonach wurde das Line-Up ausgewählt und gibt es ein persönliches Highlight, auf das Sie besonders stolz sind?
Michael Nolting: Grundsätzlich machen wir das Lineup so, dass sich jeder Gast angesprochen fühlt – der 18-Jährige genauso wie der 60-Jährige. Ein Highlight ist sicher Michael Schulte, den man aus Funk und Fernsehen kennt, aber auch das Safri Duo (aus keinem Fitness Studio der Welt mehr weg zu denken, die Red.), die nur noch wenige Konzerte spielen und in den 90ern und 2000ern einen der größten Hits überhaupt hatten. Ich freue mich persönlich sehr auf Goldplay, Europas beste Coldplay-Tribute-Band. Dazu kommen regionale Größen wie die Goodbeats aus Paderborn und der Sänger Dari. Im Bereich Mallorca-Acts haben wir mit Mickie Krause die absolute Koryphäe am Start. Besonders stolz bin ich darauf, dass wir HBz nach Lippe holen konnten; sie sind momentan einer der besten deutschen Dance-Acts und unser teuerster Act in diesem Jahr, der sonst auf Bühnen wie Parookaville oder Tomorrowland spielt. Auf der zweiten Stage haben wir unter anderem David Puentez als klare Nummer eins, den ich schon seit vier Jahren haben wollte.
Redaktion: Sie sind selbst auch als DJ aktiv. Werden Sie auch ein eigenes Set spielen?
Michael Nolting: Am Freitag mache ich aus Spaß ein bisschen auf der Bühne mit, da das glücklicherweise immer noch gewünscht wird. Am Samstag übernehme ich dann die Moderation zwischen den Live-Acts, das lasse ich mir nicht nehmen. Dabei erwähne ich auch gerne Dinge, die rund um das Festival passieren.
Redaktion: Kommen wir zur Logistik und Infrastruktur. Gibt es Veränderungen beim Parkkonzept oder einen Shuttle-Service? Was empfehlen Sie für die An- und Abreise?
Michael Nolting: Wir versuchen seit Jahren, einen Busshuttle zu bekommen, der sternförmig zum Gelände fährt, aber es scheitert schlichtweg am fehlenden Personal. Mit den Parkplätzen sind wir bisher gut ausgekommen; wir haben am Industriegebiet bei der Firma HOMAG einen großen, neuen Parkplatz für über 600 Autos und verhandeln gerade über einen weiteren. Ich rate den Besuchern dazu, Fahrgemeinschaften zu bilden, sich bringen und abholen zu lassen oder ein Taxi zu nehmen, davon gibt es immer genug. Alternativ ist der Zeltplatz mittlerweile mega beliebt, wo man sich um nichts kümmern muss außer um Spaß und gute Laune.
Redaktion: Wie sieht es mit dem Bezahlsystem auf dem Gelände aus?
Michael Nolting: Wir bleiben bei unseren Token, die man auch in der Mitte durchbrechen kann, um bei den Preisen flexibel zu bleiben. Wir wollen so das Bargeld vom Gelände fernhalten. Die Token kann man aber ganz bequem im Vorfeld bar oder mit Karte kaufen.
Redaktion: So ein Festival erfordert enormen Aufwand. Wie läuft die Zusammenarbeit mit Helfern und der Liemer Dorfgemeinschaft?
Michael Nolting: Früher waren wir mal über 200 Helfer, aber nach 17 Jahren sind einige in Rente gegangen (Nolting lächelt verschmitzt). Dennoch haben wir super Zuspruch und es bewerben sich sogar aktiv Leute, um zu helfen. An sensiblen Punkten, wie etwa in den Bierwagen oder an den Kassen, müssen Profis oder unsere eigenen Leute stehen. Aber für Auf- und Abbau oder das Helfen auf dem Gelände haben wir aktuell noch etwa 70 bis 80 Helfer, worüber wir super glücklich sind. Der erste Aufbau mit Bauzäunen startet bereits etwa zwei Wochen vorher.
Redaktion: Inwiefern profitieren lokale Partner und Vereine aus der Umgebung vom Festival?
Michael Nolting: Bei der Technik müssen wir mittlerweile auf ein Profi-Unternehmen aus Münster zurückgreifen, da unsere Künstler hohe Anforderungen haben, die nicht jeder erfüllen kann. Die Essenstände sind hingegen alle regionale Partner, teils direkt von vor unserer Haustür. McDonalds Maubach ist ebenfalls Partner und macht einen Pop-up-Stand. So kann man aus dem Zelt krabbeln und kriegt gleich einen Burger (lacht). Die regionalen Hotels sind ebenfalls gut gebucht. Den Getränkeverkauf organisieren wir übrigens komplett in Eigenregie, sonst wäre das Festival nicht zu finanzieren.
Redaktion: Wie steht es um das kulinarische Angebot? Die Rewe-Brüder Schulz aus Lemgo als langjährige Unterstützer scheinen ja noch keinen eigenen Store auf dem Gelände zu haben…
Michael Nolting: (lacht) Ich bin seit drei Jahren an den Schulz-Jungs dran und versuche sie für einen Festival-Store zu begeistern, aber ich gebe nicht auf. Ansonsten haben wir eine riesige Auswahl: Von selbstgemachten Nudeln – auch vegan – über klassische Currywurst, Pommes und Döner bis hin zu Fisch, Crêpes und Eis ist für jeden Geschmack etwas dabei.
Redaktion: Die Veranstaltungsbranche kämpft mit steigenden Kosten. Wie schafft es das Lippe Open Air, dennoch bezahlbar zu bleiben, und warum ist eine Vergrößerung geplant?
Michael Nolting: Ticketpreise bis 50 Euro funktionieren nur dank der massiven Unterstützung der lippischen Wirtschaft, Sponsoren, den vielen ehrenamtlichen Helfern und Landwirten, die uns Flächen kostenlos überlassen. Auch die Zusammenarbeit mit der Stadt Lemgo ist enorm wichtig. Wir wollen uns in Zukunft vergrößern, da wir unseren Standard ansonsten bei gleichbleibender Zuschauerkapazität nur halten könnten, wenn wir die Preise drastisch erhöhen. Mein Weg ist es stattdessen, das Gelände zu vergrößern, mehr Menschen anzuziehen und noch bessere Acts zu buchen, anstatt die Tickets extrem teuer zu machen.
Redaktion: Festivals stehen oft wegen großen Müllbergen in der Kritik. Welche Nachhaltigkeitskonzepte verfolgen Sie?
Michael Nolting: Wir hatten es 2024 und 2025 mit Mehrwegsystemen probiert, aber wir werden nun wieder zu Einwegbechern zurückkehren müssen. Trotz der Extra-Steuer auf Einwegbecher ist Mehrweg unverhältnismäßig teuer. Zudem sehen die Ämter Einwegbecher aktuell als hygienischer an. Wir arbeiten jedoch mit einem tollen Sponsor für eine exzellente Entsorgung zusammen. Auf dem Zeltplatz bekommt zudem jeder Gast einen Müllsack gegen Gebühr, die erst zurückgezahlt wird, wenn der Platz sauber verlassen und der Sack abgegeben wird.
Redaktion: Wenn am Freitagabend endlich der erste Bass ertönt und die Menge feiert, was geht Ihnen da durch den Kopf?
Michael Nolting: Ich denke nur: „Puh, endlich läuft’s.“ Oft bin ich aber noch so sehr unter Anspannung, dass ich es gar nicht genießen kann. Letztes Jahr habe ich mich jedoch bei Max Giesinger für 15 Minuten zurückgezogen, das Telefon weggelegt und den Moment genossen, als die Bühne aufging und das Konfetti flog.
Redaktion: Und was ist Ihre erste Handlung, wenn am Sonntag der letzte Ton verklungen und alles abgebaut ist?
Michael Nolting: Am Sonntag gegen 14 oder 15 Uhr, wenn der Abbau weitgehend durch ist, verabschiede ich mich von allen und bedanke mich. Dann schließe ich mich im Wellnesskeller eines guten Freundes ein. Handy weg, ein Bier ganz für mich alleine, Sauna und Pool. Dann will ich für drei bis fünf Stunden niemanden sehen – keine Freunde, keine Familie, einfach niemanden. Aber gedanklich stecke ich dann eigentlich schon mitten im Booking für das übernächste Jahr. (grinst)
Redaktion: Zu guter Letzt: Gibt es noch einen Tipp für den Ticketkauf?
Michael Nolting: Der Vorverkauf läuft sehr gut, und da wir ein gestaffeltes Preissystem haben, wird der Ticketpreis in Kürze ansteigen. Das günstigste Ticket ist das Kombiticket für beide Tage, da spart man 10 Euro. Mein Geheimtipp: Ab nächster Woche gibt es bei den Rewe-Märkten von Alexander und Eduard Schulz in Lemgo begehrte Hardtickets (werden mittlerweile von Fans gesammelt, die Red.) ohne Vorverkaufsgebühren, was noch einmal 4 Euro spart. Auf eine Abendkasse würde ich mich nicht verlassen.
Link zum Online Ticket Kauf: https://lippe-open-air.de/event/loa2026/
Link zur LOA Homepage: https://lippe-open-air.de/
Das Interview mit Michael Nolting zeigt deutlich: Ein Event wie das Lippe Open Air ist ohne enorme regionale Vernetzung, treue Sponsoren und unermüdliche ehrenamtliche Helfer heute kaum noch stemmbar. Trotz steigender Kosten und behördlicher Auflagen bleibt das Festival seinem Anspruch treu, ein erschwingliches und vielfältiges Programm für alle Altersgruppen zu bieten. Die Vorfreude auf ein Wochenende voller Top-Acts, lokaler Gemeinschaft und ausgelassener Stimmung ist in Lippe jedenfalls jetzt schon greifbar.




