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Finanzierung von Wanderwegen bleibt eine Herausforderung

Wandertouristikerinnen und -touristiker diskutieren auf der CMT in Stuttgart die Optionen zur finanziellen Absicherung der Wanderinfrastruktur

Bleiben die Finanzierung und der Unterhalt der Wanderwege in Deutschland abhängig von freiwilliger Finanzierung und dem Ehrenamt, oder aber kann dies zu einer Pflichtaufgabe für Kommunen, Länder und den Bund werden? Mit dieser Fragestellung setzten sich Wandertouristikerinnen und -touristiker am 14. Januar 2023 auf der Tourismusmesse CMT in Stuttgart im Rahmen eines Fachforums auseinander. Eingeladen hatte der Königswinterer Kreis, eine Fachgruppe von deutschen Wanderexpertinnen und -experten aus Tourismus, Medien und Wissenschaft.

Rund 80 Vertreterinnen und Vertreter aus der Tourismuswirtschaft, Verwaltung und Politik waren dieser Einladung gefolgt, um zu diskutieren, wie die Entwicklung und der Unterhalt der Wanderwegeinfrastruktur finanziell abgesichert werden können. Zur Einführung in die Thematik präsentierte Prof. Dr. Heinz-Dieter Quack von der Ostfalia Hochschule, wissenschaftliches Mitglied des Königswinterer Kreises, die Ergebnisse der Abfrage der Tourismusreferate der Bundesländer. Der Tenor war annähernd einheitlich: Der Tourismus wird als Aufgabe der kommunalen Selbstverwaltung eingestuft, somit als freiwillige Leistung, nicht als gesetzliche Pflichtaufgabe. Dies gilt auch für die Ebenen der Landkreise und Bundesländer. Wird eine Wanderinfrastruktur als touristisches Angebot kategorisiert, ist auch sie eine freiwillige Leistung, daher haushaltsrechtlich nachrangig im Verhältnis zu Pflichtleistungen wie die Trinkwasserversorgung oder die Gefahrenabwehr. Bisher gab es einige Initiativen, die Förderung des Tourismus mit seinen artverwandten Bereichen wie Wandern aufgrund seiner Wirtschaftskraft als Pflichtaufgabe zu verankern – allerdings bislang ohne Erfolg.

Zur Darstellung der verschiedenen Optionen und Konstellationen hatte der Königswinterer Kreis mehrere Referentinnen und Referenten aus Politik und Tourismus eingeladen. Elke Zimmer, Staatssekretärin im Verkehrsministerium Baden-Württembergs und Mitglied des Landtags, betonte die Bedeutung des Wanderns als gesundheitsfördernde und nachhaltige Mobilitätsform. „Wir möchten, dass das Zu-Fuß-Gehen als Teil einer nachhaltigen Mobilität auch im Alltag sichtbarer wird. Als Land investieren wir daher in eine systematische Fußverkehrsförderung. Die Verkehrswende ist eine große Chance, die Städte in Baden-Württemberg fußgängerfreundlich zu gestalten, Wanderwege praktisch mit dem ÖPNV zu verbinden und gemeinsam Orte der Begegnung und Gemeinschaft zu schaffen.“ Der Fokus der Optimierung der Bewegung zu Fuß, soweit nicht die Freizeitgestaltung im Sinne eines Naturerlebnisses im Vordergrund steht, liegt in Baden-Württemberg aktuell in den Städten. Das Wandern wiederum befinde sich, so die Staatssekretärin, nicht originär im Verantwortungsbereich des Verkehrsministeriums.

Eine andere Entwicklung hat das Wandern in der Schweiz genommen, wie Michael Roschi, Geschäftsführer des Verbands Schweizer Wanderwege erläuterte. Die Schaffung und der Unterhalt des rund 65 Tausend Kilometer umfassenden Wanderwegenetzes ist gesetzlich verankert und insofern eine Pflichtaufgabe. Das Fuß- und Wanderwegegesetz geht zurück auf eine Volksinitiative, die politisch umgesetzt wurde und somit für einen gesellschaftlichen Wunsch und Willen die rechtsverbindlichen Rahmenbedingungen schuf. Das Wanderwegenetz erhielt quasi den Status von Verkehrswegen. Die Finanzierung der Entwicklung und des Unterhalts wird nichtsdestoweniger maßgeblich durch Spenden und Gönner-Beiträge gefördert.

Peter Klein, Geschäftsführer der Saarschleifenland Tourismus GmbH, erläuterte das Vorgehen im Saarland. Im Rahmen der Schaffung eines landesweiten Angebotes an Premium-Wanderwegen im gesamten Saarland war es gelungen, die Landkreise und Kommunen in eine zuverlässige Dauerfinanzierung der Wanderinfrastruktur einzubinden. Auch ein gemeinsames Wanderbüro wird von den Kommunen finanziert. Peter Klein sieht das Wandern nicht nur als touristisches Angebot, sondern auch als Beitrag zur Erhöhung der Lebensqualität für die einheimische Bevölkerung. Wenn es um die Finanzierung der Wanderinfrastruktur gehe, sei laut Klein die Politik gerade auch für diesen Aspekt zu sensibilisieren.

In der anschließenden, von Jan Schubert aus dem Königswinterer Kreis, Leiter Ortsentwicklung der Gemeinde Pfronten im Allgäu, moderierten Podiumsdiskussion wurden unter Einbeziehung der Besucherinnen und Besucher diverse Aspekte herausgearbeitet. Erik Neumeyer, stellvertretender Geschäftsführer des Deutschen Wanderverbandes, gab zur Eröffnung der Diskussion ein Plädoyer für das Ehrenamt und damit das Engagement der deutschen Wandervereine ab. Er verwies indes darauf, dass die Schaffung und der Unterhalt der umfangreichen Wanderwegeinfrastruktur in Deutschland nicht allein auf den Schultern des Ehrenamtes lasten könne. Eine klare und verbindliche Unterstützung durch die Politik sei nötig, was aber allein schon dadurch erschwert würde, dass die Zuständigkeiten für den Tourismus auf mehrere Ministerien verteilt seien, man daher keine zentrale Verantwortung erkennen könne.

In mehreren Wortbeiträgen unterstrichen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Bedeutung des Ehrenamtes, gleichzeitig auch die Notwendigkeiten, dieses sowohl finanziell als auch mit Wertschätzung zu honorieren. Eine Ehrenamts-Card sei dafür ein verbreitetes Medium. Auch sei es vor allem die Qualität der Wanderwege, die die Akzeptanz erhöhe – und mit der Akzeptanz auch die Bereitschaft zur Finanzierung.

Die weitere Diskussion wies zwei Wege zu einer Verstetigung der Finanzierung der Wanderinfrastruktur: zum einen die Akzeptanz der Förderung des Tourismus als Pflichtleistung, zum anderen die Anerkennung von Wanderwegen als Verkehrswege. Für beides sei, wie Prof. Dr. Quack abschließend die Diskussion zusammenfasste, ein neues Narrativ nötig, welches das Wandern nicht nur als optionales Angebot zur Freizeitgestaltung präsentiere, sondern als Fußverkehr, somit als essenzielles Element einer nachhaltigen Mobilität und als Beitrag zum Klimaschutz.

PM Königswinterer Kreis via Lippe Tourismus & Marketing GmbH

Der Königswinterer Kreis ist ein Forum ausgewiesener Wanderexperten aus ganz Deutschland, das sich dem Erfahrungsaustausch und Know-How Transfer im nationalen wie internationalen Kontext verschrieben hat. Er engagiert sich aktiv für die Erhöhung der öffentlichen Wahrnehmung des Wanderns in Deutschland und in direkt benachbarten, grenzüberschreitenden Wandergebieten. Der Königswinterer Kreis ist somit ein informeller Zusammenschluss wandertouristischer Akteure aus relevanten Institutionen (Orte, Regionen, Länder, Wege, Verbände, Institute, Medien). Die Mitgliedschaft ist personengebunden, wobei Vertreter aus der jeweiligen Institution eines Mitgliedes ebenfalls teilnahmeberechtigt sind. Der Königswinterer Kreis versteht sich als Denklabor zu aktuellen und zukünftigen Entwicklungen im Wandertourismus. Er bündelt die wandertouristischen Kompetenzen, entwickelt zukunftsweisendes wandertouristisches Know-How und trägt dieses in die Institutionen der Mitglieder des Königswinterer Kreises sowie in die relevanten Verbände.

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