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Blick hinter die Kulissen einer Ballettaufführung: Warum in „Lovely London“ ein echtes Stück Lemgo steckt

Lemgo. Wenn sich im September der Vorhang der Aula des Marianne-Weber-Gymnasiums öffnet, verwandelt sich die Bühne in ein Stück britisches Lebensgefühl. „Lovely London“ heißt die neue Produktion der Ballettschule Lemgo. Doch bis die rund 200 Tänzerinnen und Tänzer im Scheinwerferlicht stehen können, wird im Hintergrund monatelang hart geprobt und gearbeitet. Wir haben uns vorab mit Annelie Fasse (Leiterin der Ballettschule) und Benjamin Hausmann von Hausmann Optik getroffen, um über Lampenfieber, kreative Geistesblitze und die Kraft des lokalen Zusammenhalts zu sprechen.

Inhaltlich entfaltet das Stück eine kreative Reise quer durch die britische Metropole. Erzählt wird eine fantasievolle Geschichte, die die Zuschauer direkt in das lebendige und magische Treiben der Londoner Straßen entführt. Dabei begegnen dem Publikum nicht nur typische Londoner Wahrzeichen wie eine liebevoll nachgebaute, rote englische Telefonzelle , sondern auch charmante Figuren, welche die Fantasie beflügeln: Während die erfahrenen Tänzerinnen das Flair der Großstadt zum Leben erwecken, wirbeln die jüngsten Talente als flauschige Teddybären durch ein Kinderzimmer oder flattern als kleine Täubchen über die Bühne.

Alle zwei Jahre herrscht Ausnahmezustand

Es ist ein weit verbreiteter Irrtum (vor allem beim Redakteur), dass die großen Aufführungen jährlich stattfinden. „Nein, alle zwei Jahre“, korrigiert Annelie Fasse schmunzelnd im Interview. Der Erfolg und der Rückhalt in der Bevölkerung sind jedoch seit Jahrzehnten ungebrochen. „Das bedeutet mir und den Schülern sehr viel. Ich freue mich einfach riesig, dass anerkannt wird, wie viel Engagement die Kinder trotz Schule und anderer Freizeitaktivitäten zeigen“.

Wie groß die Vorfreude in der Hansestadt ist, spürt man traditionell weit vor dem eigentlichen Start an einer ganz bestimmten Adresse in der Mittelstraße: bei Hausmann Optik. Das Fachgeschäft ist seit Jahren die zentrale Anlaufstelle für den Kartenvorverkauf.

Inhaber Benjamin Hausmann, der das Geschäft 2022 von seinen Eltern übernahm , erinnert sich gut an seine ersten Erfahrungen: „Ich wusste am Anfang gar nicht, worauf ich mich da einlasse. An den ersten Tagen standen mächtig viele Leute vor dem Laden und wollten Karten“. Auch in diesem Jahr war der Ansturm enorm. „Die Vorfreude war schon Wochen vor dem Ticketverkauf spürbar“, berichtet Hausmann. „Da standen die Ersten im Laden und fragten, wann es endlich losgeht und ob man etwas reservieren könne“. Für ihn ist der Trubel eine „schöne Abwechslung, die einfach mega viel Spaß macht, weil alle super nett und lieb sind“.

Ein kreativer Blitz in der Nacht und 40 Stunden Arbeit

Wer glaubt, dass für die neue Show einfach ein fertiges Stück eingekauft wurde, der irrt gewaltig. Annelie Fasse schreibt die Geschichten und Konzepte komplett selbst. „Ich wähle eigentlich gar nicht aus, ich denke sie mir selber aus“, verrät sie. „Entweder passiert es tatsächlich in der Nacht, dass ich aufwache und so eine Blitzidee habe, oder es passiert einfach plötzlich. Da geht irgendwas in meinem Kopf an und die Idee wird zurechtgesponnen“.

Ihre persönliche Liebe zur britischen Metropole gab diesmal den Ausschlag. „Ich liebe London einfach unglaublich, bin sehr häufig da und möchte den Leuten zeigen, warum die Stadt für mich so magisch ist“. Doch bei aller Liebe zu London stellt sie im gleichen Atemzug klar, wo ihre Wurzeln liegen: „Mein Herz ist wirklich in ‚Lovely Lemgo’“.

Mit der reinen Eingebung ist es allerdings nicht getan. Sobald die Idee steht und die passende Musik gesucht ist, beginnt die Detailarbeit. Während manche Choreografien förmlich aus ihr „herausplatzen“ , erfordern gerade die großen Szenen enormen Respekt und harte Knochenarbeit: „Da stehe ich tatsächlich ein bisschen davor und erarbeite das an die 30 bis 40 Stunden“.

Von „kleinen Täubchen“ und einer gebastelten Telefonzelle

Seit 2018 verfolgt die Ballettschule ein neues Konzept. Statt einzelner Klassentänze wird ein großes, zusammenhängendes Ballettstück aufgeführt. Das macht die Einbindung aller Altersklassen – von den jüngsten Vierjährigen bis zu den Erwachsenen – zu einer organisatorischen Meisterleistung. Doch Annelie Fasse nutzt ihre kreative Freiheit beim Schreiben clever aus: „Ich kann die Geschichten so bauen, dass ich die ganz Kleinen als ‚kleine Täubchen‘ oder als Teddybären im Kinderzimmer unterbringe. Auch die Großen und unsere Stepper haben so ihren festen Platz“. Und für das richtige London-Flair sorgt ein ganz besonderes Requisit: Eine stilechte, englische Telefonzelle – zwar nicht echt, aber mit viel Liebe selbst gebastelt.

Unterstützung erhält die Schulleiterin dabei von einem starken Netzwerk. Zum einen übernahm sie 2013 den riesigen Kostümfundus der Schulgründerin und ehemaligen Berliner Solotänzerin Hannelore Koch-Peters , bei der sie selbst ab 1993 über zehn Jahre lang Schülerin war. Zum anderen steht ihr ein engagiertes Team zur Seite: „Ich habe eine ganz tolle Truppe hinter mir, mit der ich mich zum Nähen und Basteln für Kostüme und Accessoires treffe. Ohne meine Familie und Freunde würde das gar nicht gehen – sie unterstützen mich physisch und seelisch“.

Großer Respekt vor dem Schulstress

Die intensiven Proben laufen bereits seit dem Herbst 2025. Dabei kämpft die Ballettschule mit den gleichen Herausforderungen wie viele Vereine. „Die Kinder haben lange Schule und stehen dort unter extremem Leistungsdruck. Ich habe das Gefühl, es ist viel stressiger geworden als zu der Zeit, als ich selbst noch als Schülerin in der Ballettschule war“, sorgt sich Annelie Fasse.

Zusätzlich machten der Schule in den vergangenen Monaten immer wieder Krankheitswellen zu schaffen. „Extra-Proben zu organisieren ist unfassbar schwer. Wenn ich mal wirklich eine Klasse komplett vollzählig beim Training habe, mache ich schon selbst einen kleinen Freudentanz“, gesteht sie. Für die anstehende Aufführungswoche hofft sie das Beste: „Ich drücke alle Daumen und großen Zehen, dass alle fit bleiben“.

Warum der Lemgoer Einzelhandel die Kultur stützt

Dass ein solches Großprojekt in Lemgo funktioniert, liegt auch an der engen Verzahnung von Kultur und lokalem Unternehmertum. Für Benjamin Hausmann ist die Unterstützung Ehrensache: „Wir finden, dass lokale und kulturelle Projekte grundsätzlich immer gefördert werden sollten, weil sie die Vielfalt der Stadtgesellschaft und der ganzen Region ausmachen“.

Es gehe dabei um mehr als nur Sponsoring; es geht um das soziale Gefüge: „Das hält den Laden irgendwie zusammen. Es bringt junge Menschen dazu, sich dem Sport zu widmen, was Sinnvolles zu tun und sich in einer Gemeinschaft zu entwickeln. Das ist das Größte, was man Kindern schenken kann“. Zudem scherzt der Optikermeister über die naheliegende Verbindung zu seinem Beruf: „Es hat ja auch was mit Sehen zu tun. Das ist etwas Schönes fürs Auge, was zum Erleben“. Seine Familie wird im September geschlossen im Publikum sitzen.

Annelie Fasse weiß diese Kooperation zweier alteingesessener Lemgoer Instititionen sehr zu schätzen: „Ich freue mich echt über die Zusammenarbeit mit Benjamin. Gerade im kulturellen Bereich wird ja leider sonst häufig als Erstes gespart“, wünscht sie sich manchmal etwas mehr Unterstützung.

„Magisch, abwechslungsreich und live“

Gefragt, warum man sich „Lovely London“ im September auf keinen Fall entgehen lassen sollte, findet Annelie Fasse klare Worte: „Es ist magisch und abwechslungsreich. Man sieht so viele verschiedene Persönlichkeiten auf der Bühne, die ihre Leidenschaft ausleben. Und im Gegensatz zu all den Events in den digitalen Medien ist es live“.

Benjamin Hausmann ergänzt aus Zuschauerperspektive: „Annelie schafft es, die ganz Kleinen und die ganz Großen zusammen in einem stimmigen Rahmen auf die Bühne zu bringen. Das ist eine enorme Herausforderung und wirklich etwas ganz Besonderes, das man sich definitiv anschauen sollte“. Wer dabei sein möchte, sollte sich sputen: es sind nicht mehr viele Karten im Verkauf.

Nach den Sommerferien bleiben dem Ensemble noch genau zwei Wochen für den finalen Schliff, bevor es auf die große Bühne geht. Das unvermeidliche Lampenfieber gehört für die Schulleiterin einfach dazu: „Bevor der Vorhang aufgeht, schlottern die Knie. Aber sobald er sich öffnet, genießt man es einfach und wird vom Applaus des Publikums getragen“.

Eine Frage brennt dem Redakteur zum Schluss noch auf den Lippen: „Auf Instagram gab es mal einen Aprilscherz, in dem Sie sagten, Sie ziehen nach London. Bleiben Sie uns in der Zukunft erhalten? Annelie Fasse: (lacht) „Ich liebe London, aber mein Herz ist wirklich in Lovely Lemgo.“

Ballett für jeden – Trotz Warteliste

Wer nun selbst Lust bekommen hat, die Tanzschuhe zu schnüren, dem nimmt Annelie Fasse die Scheu: „Ballett ist ein Rundumpaket für Motorik, musikalisches Gehör und soziales Verhalten. Es ist für jeden gut – egal ob jung, alt, Junge oder Mädchen, oder ob man ein bisschen mehr auf den Hüften hat. Man muss keinen Spagat können, um anzufangen“. Zwar ist die Schule aktuell komplett ausgebucht und die Wartelisten – besonders beim Ballettspiel für die Vier- bis Sechsjährigen – sind lang , dennoch lohne sich eine Anfrage für Jugendliche und Kinder jederzeit.

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Michael Pitt

Michael Pitt betreibt das Portal Mein-Lemgo seit 2021. Er ist in Lemgo geboren, wohnt direkt am Marktplatz und ist Lemgoer mit Herz und Seele.
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