Zoff um Schülertickets: Entscheidung vertagt – Bürgermeister wirkt genervt
Lemgo. Es sollte eine richtungsweisende Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses werden, doch beim emotionalsten Thema des Abends, den neuen Schülertickets, drückte die Politik auf die Bremse. Während andere Punkte einstimmig durchgewunken wurden, sorgte Tagesordnungspunkt 7.2 für eine angeregte Debatte und eine überraschende Wendung.
Kontroverse um das Deutschlandticket
Eigentlich lag ein fertiger Vorschlag der Verwaltung auf dem Tisch: Die Einführung des Deutschlandtickets für Schüler gegen einen Eigenanteil (7 Euro mit Anspruch, 12 Euro ohne). Doch eine Einigung blieb aus. Die SPD meldete durch Herrn Baer Beratungsbedarf an. Er kritisierte die geplante Regelung als bürokratisch und ungerecht. Insbesondere die starren Entfernungsgrenzen – bei denen schon 100 Meter Wohnortunterschied über den Anspruch entscheiden – und die Ungleichbehandlung gegenüber Kreisschulen (wo Tickets oft kostenfrei sind) stießen auf Widerstand. Auch die praktische Umsetzung bei Schulausflügen, wo Klassen künftig in Ticket-Inhaber und Selbstzahler gespalten würden, sah die SPD kritisch. Die Grünen um Detlef Höltke hatten schon einen Ergänzungsantrag parat gehalten, welcher für mehr Gerechtigkeit sorgen sollte. Man bemängelte an der Vorlage, dass manche Schüler demnach über ein D-Ticket verfügen würden und andere nicht.
Anders argumentierte die CDU: Die Ratsherren Paschke und Steinmeier plädierten an die „Eigenverantwortung“ der Eltern und hielten die geforderten Kleinbeträge für zumutbar. Unterstützung für die Verwaltungsvorlage kam von Herrn Sieweke (BFL) – der seinen Antrag vom vergangenen Jahr als Blaupause der Vorlage beansprucht – und Frau Schiek-Hübenthal von der FDP, die den Vorschlag als guten Kompromiss bezeichnete; das Stadtsäckel könne Sparsamkeit gut vertragen.
Die überraschende Wendung
Mitten in der Debatte tauchte eine bis dahin scheinbar unbekannte Option auf: Es wurde diskutiert, dass ein spezielles „Deutschlandticket-Schule“ vom Land bezuschusst werden könnte, was die Kosten für die Kommune senken würde. Aufgrund dieser neuen Informationslage (welche noch geprüft werden muss) und des Beratungsbedarf beantragte die SPD eine Vertagung. Das Ergebnis: Gegen die Stimmen von BFL, FDP und Bürgermeister Markus Baier wurde die Entscheidung mit den Stimmen von CDU, SPD, AfD und Die Linke verschoben. Der Bürgermeister zeigte sich über die weitere Verzögerung leicht angefressen und merkte an, dass laut Erhebungen ohnehin 30 % der Eltern keinen Bedarf an einem wie auch immer bezuschussten Schülerticket hätten und sich das – auch als Argument (Mehr Schüler mit Tickets = weniger Individualverkehr) vorgebrachte Phänomen „Elterntaxi“ durch Tickets vermutlich nicht ändern würde.
INFO. Worum geht es überhaupt? Zur Vorlage der Verwaltung
Einigkeit bei Schule und Verwaltung Harmonischer verlief der Rest der Sitzung:
• Realschule: Die Begrenzung der Klassengröße im Jahrgang 5 auf 27 Schüler wurde einstimmig beschlossen, um dem Förderbedarf gerecht zu werden,.
• Brake: Die Bürgeranträge zur „Suppenküche“ und zur Reaktivierung von Spielplätzen wurden zur weiteren fachlichen Beratung in die zuständigen Ausschüsse verwiesen.
• Verwaltung: Die Anpassungen bei der Stadtwerkeenergie OWL, die Satzung für den Seniorenbeauftragten sowie die Digital-Pauschale für Ratsmitglieder passierten das Gremium einstimmig.
Die Entscheidung über die Schülertickets muss nun in einer der kommenden Sitzungen neu aufgerollt werden.
(Hinweis der Redaktion: Aus dem Bürgermeisterbüro erreicht uns um 13.15 Uhr der Hinweis, das Modell ‚Deutschlandticket Schule’ sei 2024 im Schulausschuss beraten und als „nicht praktikabel“ eingestuft worden. Zusätzlich eine weitere Quelle https://bass.schule.nrw/ (Ministerium für Schule und Bildung NRW) zum Thema. Aus Gründen der Vollständigkeit haben wir dieses Update zur Kenntnisnahme eingefügt.
Fakten zum Deutschlandticket Schule:
- Preis: Ab 01.01.2026 beträgt der Preis für Selbstzahler 43 Euro pro Monat.
- Modelle:
- Solidarmodell: Die Schule tritt als Vertragspartner auf; alle Schüler erhalten das Ticket, was den Preis senkt.
- Eigenanteil/Selbstzahler: Für nicht anspruchsberechtigte Schüler, die das Ticket als vergünstigtes Abo erwerben.
- Voraussetzungen: Der Schulträger muss eine Vereinbarung mit einem Verkehrsunternehmen geschlossen haben.
- Geltung: Gültig in der 2. Klasse im gesamten ÖPNV in Deutschland (Bus, Bahn, Straßenbahn).
- Gültigkeit: Es ist ein persönliches, nicht übertragbares Ticket, oft als Chipkarte.
- Antrag: Die Beantragung erfolgt meist über die Schule oder den lokalen Verkehrsverbund.



