TH OWL blickt beim Jahresempfang auf Erfolge und Herausforderungen
Rund 250 Gäste aus Hochschule, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sind am Donnerstagnachmittag, 1. Oktober, der Einladung der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe (TH OWL) zum traditionellen Jahresempfang gefolgt. Im Auditorium maximum auf dem Innovation Campus Lemgo blickte die Hochschule auf das vergangene Jahr zurück, richtete zugleich den Blick nach vorn – und würdigte Menschen, die sich in besonderer Weise um Forschung, Lehre und Hochschulgemeinschaft verdient gemacht haben.
Durch das abwechslungsreiche Programm führte Moderatorin Kristina Sterz, die unter anderem aus der WDR Lokalzeit OWL bekannt ist. Für einen musikalischen Akzent sorgte der Hochschulchor unter Leitung von Sebastian Stake mit zwei Beiträgen. Der Chor, in dem Studierende, Mitarbeitende und Menschen von außerhalb der Hochschule gemeinsam singen, wird von der Stiftung Standortsicherung Kreis Lippe unterstützt.
Qualität sichern – auch unter schwierigen Bedingungen
Im Mittelpunkt der gut zweistündigen Veranstaltung stand die Jahresansprache von Professor Dr. Jürgen Krahl. Der TH-OWL-Präsident spannte den Bogen von Konsolidierung über Transfer und Strukturreform bis hin zur Lehre von Morgen.
Der Präsident zog Bilanz und nahm zugleich die kommenden Jahre in den Blick. Ein zentrales Thema war die finanzielle Konsolidierung der Hochschule. Unter Federführung von Kanzlerin Nicole Soltwedel und allen Hochschulbereichen sei es gelungen, zum 1. Januar 2026 eine „schwarze Null“ zu erreichen und damit ein noch im Liquiditätsplan 2018/2019 prognostiziertes kumuliertes Defizit im mittleren zweistelligen Millionenbereich abzuwenden.
Angesichts weiterer Sparvorgaben des Landes Nordrhein-Westfalen müsse die TH OWL jedoch auch künftig mit begrenzteren Mitteln auskommen. Entscheidend sei, so Krahl, den Qualitätsanspruch der Hochschule gerade in schwierigen Zeiten zu bewahren: Dies sei die TH OWL ihren Studierenden schuldig.
Dass die Hochschule gleichwohl in Lehre, Forschung und Ausstattung investiert, zeigt sich unter anderem am Mobilitätszentrum UrbanLand, das derzeit auf dem Innovation Campus Lemgo entsteht und im zweiten Quartal 2027 eröffnet werden soll.

Transfer gelingt auf Augenhöhe
Ausführlich widmete sich Professor Krahl auch dem Transfer zwischen Hochschule und Gesellschaft. Mittelstand, Handwerk, Industrie, Landwirtschaft, Streitkräfte und Wissenschaft hätten jeweils eigene Traditionen und Kulturen. Erfolgreicher Transfer müsse diese Unterschiede anerkennen: „Geld allein genügt nicht“, machte Krahl deutlich. Entscheidend seien Begegnung und Austausch auf Augenhöhe, ein gemeinsames Verständnis von Bedarfen und die Bereitschaft, Lösungen miteinander zu entwickeln.
Wie vielfältig Transfer sein kann, zeigte das „Transferjahr 25“. Interdisziplinäre studentische Teams der TH OWL beschäftigten sich beispielsweise damit, wie das Areal von Schloss Brake attraktiver werden kann oder wie medizinische Räume gestaltet sein sollten, um Genesungsprozesse zu unterstützen. Aufgrund der positiven Resonanz wurde das Transferjahr verstetigt.
Ein sichtbarer Ort für Austausch und Dialog ist auch das „anno 1578“ in der Lemgoer Innenstadt. Dort gab es im Mai zum Tag des Grundgesetzes eine Veranstaltung, die die Bedeutung von Verfassung und Demokratie in den Mittelpunkt stellte.
„Die Hochschule ist und bleibt ein Ort, an dem Vielfalt, gegenseitiger Respekt und demokratische Werte gelebt werden“, betonte Professor Krahl und zitierte den deutschen Physiker, Philosophen und Friedensforscher Carl Friedrich von Weizsäcker: „‘Wenn die Jagd dem Andersdenkenden gilt statt dem Irrtum, ist nicht die Wahrheit das Ziel – sondern die Herrschaft über das Denken.‘“ Krahl weiter: „Antisemitismus und jedwede Form von linkem, rechtem und religiösem Extremismus haben bei uns weder Platz, noch Akzeptanz oder gar Duldung.“
Gründen und internationaler werden
Erfreulich entwickelte sich nach Worten des Präsidenten auch die Campus Foundery OWL. Das Gründungszentrum der Hochschule könne von Januar 2025 und bis Juni 2026 auf insgesamt 21 Start-up-Ausgründungen zurückblicken. Am Kreativ Campus soll die Gründungsförderung für die Kultur- und Kreativwirtschaft im übertragenen und im Wortsinne weiter ausgebaut werden. Ein entsprechendes Gründerzentrum in Detmold ist in Planung.
Zugleich will die TH OWL ihre internationale Ausrichtung stärken. Drei neue internationale und englischsprachige Studienangebote sollen die Hochschule für Studierende aus dem Ausland noch attraktiver machen: die beiden Bachelorstudiengänge Mechanical Engineering und Business and Supply Chain Management sowie der Masterstudiengang Smart Farming and Water Management. Der Anteil internationaler Studierender, der derzeit bei rund 17 Prozent liegt, soll bis 2030 auf 25 bis 30 Prozent steigen.
Strukturreform und Perspektiven für Höxter
Auch die zum 1. Januar 2026 umgesetzte Strukturreform war Thema der Jahresansprache. Aus zehn bisherigen Fachbereichen wurden sieben neue. Das Ziel, Strukturen effizienter zu gestalten und interdisziplinäre Zusammenarbeit sowie Transfer weiter zu stärken, ist erreicht.
Ausführlich ging Präsident Krahl auf die Zukunft des Standorts Höxter ein. Die Hochschule habe nie beabsichtigt, den Standort zu schließen, betonte er. Gleichwohl sei es bislang nicht gelungen, den Rückgang der Einschreibungen dauerhaft umzukehren. „Mit aktuell nur insgesamt 70 Einschreibungen in neun Studiengängen in Höxter sind wir weit unterlastig.“
Weder Plan A mit neuen, zukunftsgerichteten Studienangeboten, noch Plan B, die Überlegungen zu einem möglichen Campus Corvey, hätten die erhoffte Perspektive eröffnet. Das Projekt Corvey sei angesichts des finanziellen und zeitlichen Aufwands ohne politische Unterstützung nicht realisierbar. Die TH OWL hat in das Vorhaben Campus Corvey viel Energie und Zeit investiert, aber leider erbrachte die Machbarkeitsstudie keine zukunftsfähige Perspektive.
Die TH OWL verfolgt deshalb nun Plan C, den Standort Höxter mit einem Gemeinwohl-Institut weiterzuentwickeln. Entstehen soll ein Lehr-, Forschungs- und Transferraum für „Leben und Arbeiten im ländlichen Raum“, der gemeinwohlorientierte und nachhaltige Entwicklung miteinander verbindet. Vergleichbare Überlegungen zu einem Gemeinwohl-Campus als Reallabor für transdisziplinäre Lern- und Forschungsprojekte sind bereits in Hochschulgremien vorgestellt worden. Krahl bedauerte in seiner Ansprache, dass Gesprächsangebote an Stadt und Kreis Höxter abgelehnt wurden.
Deutliche Worte zu aktuellen Herausforderungen
Auch Klaus Böhme, stellvertretender Vorsitzender des Hochschulrats der TH OWL, nutzte den Jahresempfang für einen Rückblick – und für deutliche Worte zu aktuellen Herausforderungen der Hochschule. Der Hochschulrat begleite die TH OWL mit dem Blick von außen und zugleich mit großer Verbundenheit, sagte Böhme. Gute Hochschulentwicklung brauche klare Ziele, verlässliche Entscheidungen und eine Kultur, in der unterschiedliche Perspektiven ernst genommen würden. Als Erfolge hob er unter anderem die zügige Umsetzung der Strukturreform sowie das Spar- und Konsolidierungsprogramm hervor.
Breiten Raum nahm in seiner Rede erneut die Situation am Standort Höxter ein. „Der Konflikt schwelt weiter. Wir müssen Angebote am Standort vorhalten, die wirtschaftlich nicht sinnvoll sind.“ Böhme verwies auf die gerichtliche Auseinandersetzung um die Frage, ob das Land der Hochschule untersagen dürfe, Studiengänge von Höxter nach Detmold oder Lemgo zu verlagern. Die TH OWL berufe sich dabei auf Wissenschaftsfreiheit und Hochschulautonomie. Während im Eilverfahren zunächst gegen die Hochschule entschieden worden sei, stehe die Entscheidung im Hauptsacheverfahren noch aus.
Böhme stellte dem Konflikt in Höxter die Zusammenarbeit an den anderen Hochschulstandorten gegenüber. In Lemgo und Detmold hätten Hochschule, Kommunen und regionale Partner gemeinsam wichtige Projekte wie den InnovationSPIN, die Future Food Factory, das Mobilitätszentrum UrbanLand oder das KreativInstitut OWL ermöglicht. Auch in Minden und Herford würden entsprechende Unterstützungsstrukturen aufgebaut.
„Dies frei nach John F. Kennedy: ‚Frag nicht, was die Hochschule für deine Stadt tun kann, frag, was deine Stadt für die Hochschule tun kann.‘ Und ich erweitere diese Aussage: ‚Frag, was Stadt und Hochschule gemeinsam füreinander tun können.‘“
Für Höxter vermisse er eine vergleichbare Zusammenarbeit. Böhme kritisierte, dass Gesprächsangebote zur Zukunft des Campus aus seiner Sicht nicht angenommen worden seien. Auch die Gründung einer Hochschulgesellschaft ohne Beteiligung der Hochschule selbst bewertete er kritisch: „In Höxter ist mittlerweile ebenfalls eine Hochschulgesellschaft gegründet worden – allerdings ohne die Hochschule. Das ist wie ein Schiff ohne Hafen. Das verschlägt einem die Sprache. Dies umso mehr, als man dann auch noch in der Presse lesen konnte, die Hochschulleitung sei der Gründungsversammlung ferngeblieben, nachdem man sie zuvor erst gar nicht eingeladen hatte. Vielmehr war dem Koordinator des Projektes ‚Gemeinwohl-Campus‘ an der Hochschule sogar erklärt worden, er sei unerwünscht. Letztlich ein weiteres Beispiel für eine von einer bestimmten Klientel in und um Höxter erzeugte öffentliche Schlammschlacht mit wiederholter Beschimpfung und Diffamierung der Hochschulleitung, deren Gesprächsangebote zur Zukunft des Campus grundsätzlich abgelehnt wurden.“
Mit Blick auf die Zukunft machte Böhme zugleich deutlich, dass Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Nachhaltigkeit und der Wettbewerb um qualifizierte Köpfe die Hochschulen vor große Aufgaben stellen. Die TH OWL bringe dafür gute Voraussetzungen mit: anwendungsnahe Forschung, vielfältige Studienangebote, engagierte Beschäftigte und ein starkes Netzwerk in der Region. Ihre besondere Stärke liege in der Verbindung unterschiedlicher Disziplinen sowie in der Kombination aus regionaler Verwurzelung und internationaler Offenheit. Der Hochschulrat werde diesen Weg weiterhin konstruktiv begleiten – und, wo nötig, „den Finger in die Wunde legen“.
Auszeichnungen für besonderes Engagement
Zu den traditionellen Höhepunkten des Jahresempfangs gehörten auch in diesem Jahr die Preisverleihungen. Ausgezeichnet wurden Menschen, die die TH OWL mit ihrem wissenschaftlichen, didaktischen und persönlichen Engagement auf besondere Weise prägen.
Jahrespreis der Hochschulgesellschaft für Annette Kammerer
Den Jahrespreis der Hochschulgesellschaft erhielt Annette Kammerer für ihr außergewöhnliches Engagement in der akademischen Selbstverwaltung und für die Interessen der Studierenden. Seit 2021 engagiert sie sich in der Fachschaftsvertretung des Fachbereichs Elektrotechnik und Technische Informatik, seit 2023 als zweite Vorsitzende. Darüber hinaus ist sie unter anderem Mitglied des Senats und der Senatskommission für Lehre und Lernen. Seit 2025 führt sie den Vorsitz der Zentralen Qualitätsverbesserungskommission. Gewürdigt wurden besonders ihr Verantwortungsbewusstsein, ihre Eigeninitiative und ihre Bereitschaft, zuzuhören, zu vermitteln und Veränderungen aktiv mitzugestalten. Den Preis übereichte Laudator Volker Steinbach, Präsident der Hochschulgesellschaft OWL e. V.
Lehrpreis für Professor Dr. Markus Lange-Hegermann
„MINT ist wie Sport. Man wird nicht besser, indem man anderen beim Training zusieht.“ Dieses Verständnis prägt die Lehre von Professor Dr. Markus Lange-Hegermann, der mit dem Lehrpreis 2026 ausgezeichnet wurde. Der Professor am Fachbereich Informatik und Automation setzt auf unterschiedliche Lernwege, kontinuierliches Feedback und die aktive Beteiligung seiner Studierenden. Interdisziplinäres Arbeiten gehört für ihn selbstverständlich dazu. So entwickelten Studierende aus drei Fachbereichen im Transferjahr 2025 gemeinsam ein begehbares neuronales Netzwerk. Die Jury würdigte insbesondere die Verbindung aus interdisziplinärem Lernen, individuellen Lernwegen und echter studentischer Mitgestaltung. Laudatorin war Vizepräsidentin Professorin Dr. Yvonne-Christin Knepper-Bartel.
Forschungspreis für nachhaltige Werkstoffforschung
Der Forschungspreis, dieser wird seit 2003 verliehen, ging in diesem Jahr an Professorin Katja Frühwald-König. Die Laudatio hielt TH-OWL-Vizepräsident Professor Dr. Stefan Witte. Seit mehr als zwei Jahrzehnten beschäftigt sie sich mit der Frage, wie natürliche Ressourcen besser genutzt und aus bislang wenig verwendeten Rohstoffen neue nachhaltige Werkstoffe entwickelt werden können. Ein herausragendes Beispiel ist ihre Forschung zu Ölpalmenholz: Sie führte von der Materialanalyse bis zur ersten industriellen Greenfield-Anlage in Süd-Malaysia. Darüber hinaus verbindet die Preisträgerin Wissenschaft, Wirtschaft und Politik, fördert junge Forschende und setzt wichtige Impulse für die Wald-, Holz- und Bioökonomieforschung weit über die TH OWL hinaus. Den Preis überreichte in Vertretung Professor Krahl.
DAAD-Preis für Shayan Naveed
Den DAAD-Preis erhielt Shayan Naveed für sein außergewöhnliches Engagement für internationale Studierende. Die Preisvergabe nahm TH-OWL-Vizepräsidentin Professorin Dr. Uta Pottgiesser vor. Für viele Neuankömmlinge in den Studiengängen Master Information Technology, Master Applied Entrepreneurship und Bachelor General Engineering ist Shayan Naveed einer der ersten Ansprechpartner. Er hilft bei der Wohnungssuche, organisiert Campustouren, erklärt das Deutschlandticket und unterstützt beim Einstieg in die IT-Strukturen der Hochschule. Dabei gibt er eigene Erfahrungen mit dem Ankommen in Deutschland weiter. Sein Engagement steht beispielhaft für gelebte Internationalität und dafür, wie aus persönlicher Erfahrung gesellschaftliche Verantwortung entstehen kann.
Preis der Studierendenschaft für Mathias Rodemeier
Mit dem Preis der Studierendenschaft für besonderes Engagement wurde Mathias Rodemeier vom Fachbereich Bauen und Umwelt ausgezeichnet. Wie Laudator Maximilian Götte, Vorsitzender Allgemeiner Studierendenausschuss (AStA), hervorhob, setzt sich der Geehrte am Standort Höxter seit Jahren für die Qualität der Lehre und die Belange der Studierenden ein. Als kurzfristig wichtige Module im Bereich Informatik übernommen werden mussten, stellte er deren Durchführung sicher. Darüber hinaus bietet er zusätzliche Lehrveranstaltungen zur Prüfungsvorbereitung und individuelle Unterstützung an. Auch während der Strukturreform nahm er die Sorgen der Studierenden auf und stand ihnen über Fachbereichsgrenzen hinweg zur Seite.
Nach dem offiziellen Programm und dem Schlusswort durch Kanzlerin Nicole Soltwedel und Präsident Professor Krahl nutzten die Gäste beim anschließenden Get-together die Gelegenheit zu Gesprächen und zum persönlichen Austausch.
PM TH OWL
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