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Kultur

Musik zum Staunen, Lernen und Trauern

Freitag, 23. September 2022, 19.30 Uhr, Ev.-luth. Kirche St. Nicolai, Lemgo

Was oftmals schier unmöglich scheint – der Musik gelingt es: Sie schafft es, Brücken zu bauen, vermeintliche Widersprüche aufzulösen und die gesellschaftliche Vielfalt darzustellen. Überzeugen kann man sich davon am Freitag, 23. September, in der Kirche St. Nicolai in Lemgo. Ab 19.30 Uhr kann man sich unter anderem auf Heinrich Schalits „Freitagabendliturgie“ für Sologesang, gemischten Chor und Orgel
freuen. Das Konzert findet im Rahmen des Jubiläums „1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ statt und ist Teil der Veranstaltungsreihe „Staunen, Lernen, Trauern“ des Landesverbandes Lippe.

„Innerhalb der jüdischen Religion gibt es verschiedene Strömungen – von ultraorthodox bis reformiert“, sagt Prof. Matitjahu Kellig, Vorstandsvorsitzender der Jüdischen Gemeinde Herford-Detmold. Diese sich teilweise widersprechenden Haltungen spiegeln sich auch in der Musik wider. Dementsprechend haben sich die Programmmacher Johannes Vetter und Joachim von Haebler unterschiedliche Komponisten für den Konzertabend ausgesucht. Im Zentrum des Abends steht die „Freitagabendliturgie“, deren Uraufführung vor nahezu 90 Jahren, am Freitagabend des 16. September 1932, in der Berliner Synagoge Lützow-Straße stattfand. Ein denkwürdiges Ereignis. Der Komponist Heinrich Schalit gehörte zu der Generation jüdischer Menschen in Deutschland, die die eigene Identität auch musikalisch formulieren wollte. Sein Hauptwerk hat den Menschen auch heute noch viel zu sagen. Schalit emigrierte kurz nach der
Machtergreifung der Nationalsozialisten. Der Kirchenmusikdirektor Johannes Vetter hat das Werk im Frühjahr 2017 in Jerusalem aufgeführt und somit einen ganz besonderen Bezug zu dieser Musik. Tenor des Abends ist Lorin Wey. An der Orgel ist der Berliner Domkantor Adrian Büttemeier zu erleben. Musikalischen Hochgenuss versprechen auch Felix Mendelssohn Bartholdys „Verleih uns Frieden“, Louis Lewandowskis‘ „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen“ sowie Salomone Rossis‘ „Adon olam“. Die Musik bewegt sich dabei stets im Spannungsfeld zwischen gesellschaftlicher Integration und dem eigenen
Selbstverständnis.

„Den geistlichen Werken stellen wir selten gehörte, originale Blechbläsermusik jüdischer Komponisten zur Seite“, sagt Joachim von Haebler, Leiter des semiprofessionellen Bläserensembles Zion. Dazu gehört durchaus auch Unterhaltungsmusik wie beispielsweise der Chanty „Poems of the sea“ von Ernest Bloch. Ein Konzertabend, der den jüdischen Traditionsreichtum in seiner ganzen Bandbreite erlebbar macht.
Tickets für den abwechslungsreichen Abend gibt es online unter https://tickets.nicolai-lemgo.de/ycncq

PM LVL

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