Mehr als nur verstaubte Akten: Lippische Archive laden zur Entdeckungsreise nach Detmold ein
Lemgo/Detmold. Für Julia Plötzgen ist es mehr als nur ein Job – es ist ihr Traumberuf. Die Historikerin und Archivarin, die seit Februar 2025 fest im Stadtarchiv Lemgo tätig ist, hat nach Stationen in Köln, dem Landesarchiv und Telgte ihren Platz in der Hansestadt gefunden. „Einzelkämpferin wollte ich nicht bleiben, ich wollte ein Team“, erklärt Plötzgen, die sich in Lemgo wohlfühlt, weil das Archiv dort einen hohen Stellenwert genießt. Doch am kommenden Sonntag, den 8. März 2026, wird man Frau Plötzgen nicht in ihrem gewohnten Büro am Rampendal finden. Stattdessen lädt sie gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen aus der ganzen Region zum bundesweiten „Tag der Archive“ ein – zentral ausgerichtet im Landesarchiv NRW in Detmold.
Einblicke in verborgene Schätze. Unter dem Motto „Lippische Archive zu Gast im Landesarchiv NRW“ präsentieren sich die Archive aus Detmold, Lemgo, Bad Salzuflen, Blomberg sowie das Kreisarchiv und das Archiv der Landeskirche gemeinsam an einem Ort. Ziel ist es, mit dem Klischee aufzuräumen, Archivare säßen nur einsam unter einer Glühbirne im Keller. „Wir möchten zeigen, dass wir bürgernah sind, dass wir Dienstleister sind“, betont Plötzgen.
Der Schwerpunkt des diesjährigen Programms liegt auf dem Thema „Nachlässe“. Diese privaten Sammlungen aus Familien, Vereinen oder Firmen sind oft unverzichtbare Quellen für die Alltagsgeschichte, die in reinen Verwaltungsakten nicht zu finden sind.
Ein vielfältiges Programm für Groß und Klein Der Flyer zum Aktionstag verspricht ein dichtes Programm in der Willi-Hofmann-Straße 2 in Detmold. Von 11.00 bis 17.00 Uhr öffnen sich die Türen für Besucher bei freiem Eintritt,.
Ein Highlight ist die Vortragsreihe „Nachlässe im Archiv“, die die Bandbreite der lippischen Geschichte abdeckt (das gesamte Programm hier im Flyer zum Download):
- Den Auftakt macht um 11.15 Uhr Dieter Zoremba (Stadtarchiv Blomberg) mit einem Blick auf Alltagsquellen.
- Besonders gespannt ist Frau Plötzgen selbst auf den Vortrag der Kollegin Sonja Beinlich aus Bad Salzuflen über die Familie Schmidt in Deutsch-Ostafrika, der koloniale Handlungsspielräume beleuchtet,.
- Um 13.30 Uhr wird Julia Plötzgen selbst das Wort ergreifen und über „Das Vermächtnis des Clemens Becker“ sprechen – eine Spurensuche, die exemplarisch zeigt, wie man für umfassende Informationen oft in mehreren Archiven recherchieren muss,.
- Emotional wird es beim Vortrag von Dr. Sarah Masiak (Kreisarchiv Lippe), die unter dem Titel „Eine eigene Wiedergutmachung“ Liebesbriefe aus dem Zweiten Weltkrieg vorstellt,.
- Den Abschluss der fachlichen Impulse bildet Prof. Dr. Arnd Bauerkämper (FU Berlin) um 16.00 Uhr mit praktischen Hinweisen zum Umgang mit persönlichen Dokumenten.
Beratung und Mitmach-Aktionen Neben den Vorträgen setzt der Tag auf Interaktion. Eine Restauratorin bietet von 11.00 bis 14.00 Uhr eine „Papiersprechstunde“ an. Besucher können Fragen zum Zustand privater Dokumente stellen und Tipps zur Lagerung von Briefen oder Fotoalben erhalten (Anmeldung erbeten). Julia Plötzgen ermutigt dazu, gefundene Dokumente nicht wegzuwerfen, sondern den Experten zu zeigen: „Es passiert einfach ganz oft, auf dem Dachboden liegen dann alte Dokumente… dann geht einfach ein Stück Geschichte verloren“.
Auch an den Nachwuchs ist gedacht: In einer Schreibwerkstatt können Kinder und Jugendliche alte Schreibutensilien ausprobieren, Urkunden erstellen und erste Erfahrungen mit alten Schriften machen,.
Wer schon immer einmal sehen wollte, was sonst der Öffentlichkeit verborgen bleibt, kann um 12.30 Uhr an einer Archivführung teilnehmen, die auch gesperrte Bereiche öffnet, oder um 14.15 Uhr einer Sonderführung durch die Sammlungen folgen.
Für das leibliche Wohl ist mit Kaffee und Kuchen gesorgt, zudem präsentieren sich zahlreiche historische Vereine an Infotischen. Wer sich also mit der eigenen Geschichte oder der der Region beschäftigen möchte, hat am 8. März in Detmold die ideale Gelegenheit dazu. Wie Julia Plötzgen es formuliert: „Geschichte ist ja eigentlich etwas Interessantes. Das ist etwas, was uns alle betrifft“.



