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Lippe

Kalletal bringt Wasserstoffprojekt in die nächste Phase

Ausschreibungen für Wasserstofftankstelle und Brennstoffzellenbus veröffentlicht – Regionale Energiewende gewinnt weiter an Fahrt

Kalletal: Das Bundesförderprojekt „Sektorkopplung – Sektorale Dekarbonisierungsoption mit Wirkungspotenzial im Urbanland Ostwestfalen-Lippe“ erreicht einen weiteren wichtigen Meilenstein. Die europaweiten Ausschreibungen für den Bau einer regionalen Wasserstofftankstelle im Kreis Herford sowie für die Beschaffung eines wasserstoffbetriebenen Linienbusses sind veröffentlicht. Damit beginnt nach umfangreichen Planungs-, Konzeptions- und Abstimmungsarbeiten die nächste Phase des gemeinsamen Zukunftsprojektes der Gemeinde Kalletal, des Kreises Herford und der Fachhochschule des Mittelstands (FHM).

„Mit den Ausschreibungen verlassen wir endgültig die Konzeptphase und gehen sichtbar in die Umsetzung. Das ist ein bedeutender Schritt für unser gemeinsames Ziel, erneuerbare Energien regional zu nutzen und daraus eine nachhaltige Wasserstoffwirtschaft aufzubauen“, erklärt Bürgermeister Mario Hecker.

Die Gemeinde Kalletal nimmt dabei innerhalb Ostwestfalen-Lippes eine besondere Rolle ein. Bereits heute erzeugen zahlreiche Windenergie- und Photovoltaikanlagen deutlich mehr Strom aus erneuerbaren Energien, als die rund 13.400 Einwohnerinnen und Einwohner selbst verbrauchen können. Ziel des Projektes ist es, diesen Energieüberschuss künftig nicht mehr ungenutzt ins Stromnetz einzuspeisen, sondern mithilfe eines Elektrolyseurs in grünen Wasserstoff umzuwandeln. Dieser soll anschließend insbesondere im Kreis Herford für klimafreundliche Mobilität und perspektivisch auch für Industrie und Gewerbe genutzt werden.

Möglich wurde die Umsetzung durch eine Bundesförderung von rund 1,49 Millionen Euro, mit der seit Frühjahr 2025 die Umsetzungsphase des Projektes finanziert wird. Die Fördermittel unterstützen neben der Projektkoordination insbesondere die Errichtung der Wasserstofftankstelle sowie die Anschaffung eines Brennstoffzellenbusses für den öffentlichen Personennahverkehr.

Gründliche Vorbereitung schafft belastbare Grundlagen

Der jetzigen Ausschreibung gingen mehrere Jahre intensiver Projektarbeit voraus. Bereits in der Konzeptionsphase wurden umfangreiche Machbarkeitsstudien erstellt, Bedarfsanalysen durchgeführt und ein Zukunftskonzept für eine regionale Wasserstoffwirtschaft entwickelt. Gemeinsam mit Wissenschaft, Wirtschaft und kommunalen Partnern entstand ein belastbares Fundament für die nun beginnende Umsetzung. Parallel wurden regionale Netzwerke aufgebaut und zahlreiche Unternehmen sowie Institutionen in den Entwicklungsprozess eingebunden. Die Fachhochschule des Mittelstands begleitet das Projekt wissenschaftlich und unterstützt insbesondere bei Fragen der Wissensvermittlung und gesellschaftlichen Akzeptanz.

Elektrolyseur bildet das Herzstück der regionalen Wasserstoffversorgung

Parallel zur Ausschreibung der Infrastruktur arbeitet die Gemeinde Kalletal intensiv an den planungsrechtlichen Voraussetzungen für den geplanten Elektrolyseur im Gewerbegebiet Echternhagen II.

Die zugrunde liegenden Machbarkeitsstudien sehen zunächst eine Anlage mit einer Leistung von fünf Megawatt vor, die später auf zehn Megawatt erweitert werden kann. Nach den bisherigen Berechnungen könnten künftig jährlich rund 360 bis 380 Tonnen grüner Wasserstoff produziert werden.

Derzeit laufen die Bauleitplanung sowie die Abstimmungen mit Fachplanern und Genehmigungsbehörden. Gleichzeitig werden die Potenziale der entstehenden Abwärme im Rahmen der Kommunalen Wärmeplanung untersucht, um zusätzliche Synergien für eine nachhaltige Energieversorgung zu schaffen.

Wasserstoff verständlich machen

Neben den technischen Projekten setzt die Gemeinde bewusst auf Information und Bildung. Gemeinsam mit der Fachhochschule des Mittelstands entstehen digitale Lernangebote, sogenannte Lernnuggets, die Schülerinnen und Schülern sowie interessierten Bürgerinnen und Bürgern die Grundlagen der Wasserstofftechnologie anschaulich vermitteln.

Das erste digitale Lernmodul „Wasserstoff verstehen“ wurde bereits erfolgreich im Chemieunterricht an der Jacobischule in Hohenhausen eingesetzt und anhand der Rückmeldungen aus der Praxis weiterentwickelt. Ergänzend erhielten die Schulen der Gemeinde Experimentiersets, mit denen sich erneuerbare Energien, Elektrolyse und Brennstoffzellentechnik praxisnah im Unterricht vermitteln lassen.

Regionale Zusammenarbeit wächst kontinuierlich

Auch das Netzwerk rund um das Projekt entwickelt sich stetig weiter. Auf Fachveranstaltungen, Konferenzen und Netzwerktreffen wurden neue Kooperationen geschlossen. Ein besonderer Meilenstein war die Unterzeichnung einer gemeinsamen Absichtserklärung mit dem Wasserstoffprojekt in Lichtenau. Ziel ist es, Erfahrungen auszutauschen, Synergien zu nutzen und die Entwicklung einer leistungsfähigen Wasserstoffwirtschaft in Ostwestfalen-Lippe gemeinsam voranzutreiben. Die neu gestaltete Internetplattform informiert zudem transparent über den Projektfortschritt, wissenschaftliche Erkenntnisse und die Entwicklung der regionalen Wasserstoffwertschöpfungskette.

Projekt bleibt auf Kurs

Trotz der hohen organisatorischen und rechtlichen Anforderungen sehen die Projektpartner das Vorhaben weiterhin im Zeitplan. Nach Einschätzung des Projektteams bestehen derzeit keine Anhaltspunkte dafür, dass die ambitionierten Ziele bis zum Ende des Förderzeitraums im Frühjahr 2028 gefährdet sind.

„Gerade bei innovativen Infrastrukturprojekten sind intensive Abstimmungen mit Fördermittelgebern, Fachbehörden und Projektpartnern unverzichtbar. Diese Vorarbeiten zahlen sich jetzt aus. Mit den veröffentlichten Ausschreibungen und den laufenden Planungsverfahren schaffen wir die Voraussetzungen dafür, dass die Wasserstoffinfrastruktur Schritt für Schritt Realität wird“, betont Projektmanager Wolfram Kneist.

Mit der europaweiten Ausschreibung der Tankstelle und des Wasserstoffbusses sowie den laufenden Planungen für den Elektrolyseur ist das Projekt nun sichtbar in die nächste Entwicklungsstufe eingetreten. Ziel bleibt es, Kalletal und den Kreis Herford zu einer Modellregion für die sektorübergreifende Nutzung erneuerbarer Energien zu entwickeln und einen nachhaltigen Beitrag zur klimaneutralen Energieversorgung in Ostwestfalen-Lippe zu leisten.

PM Gemeinde Kalletal  |  Bürgermeister

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Michael Pitt

Michael Pitt betreibt das Portal Mein-Lemgo seit 2021. Er ist in Lemgo geboren, wohnt direkt am Marktplatz und ist Lemgoer mit Herz und Seele.
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