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Sport

Ein Sieg der Mentalität

Dritter Sieg binnen einer Woche und der Sprung auf Platz acht: Vor 2364 Zuschauern in der Phoenix Contact-Arena hat der TBV Lemgo Lippe im Nachholspiel den TVB Stuttgart mit 33:30 (14:15) niedergerungen. „Was die Jungs hier heute noch einmal auf die Platte gebracht haben, haut mich um“, konstatierte TBV-Trainer Florian Kehrmann nach Spielende.

Die Liste der Lemgoer Ausfälle hatte sich vor dem Anwurf noch einmal verlängert: Neben Andrej Kogut, Isaias Guardiola und Andreas Cederholm musste auch Jonathan Carlsbogård (grippaler Infekt) passen. Für Lemgos Regisseur rückte Lukas Hutecek in die Anfangssieben. Keine drei Minuten waren gespielt, als der Österreicher unter höchster Bedrängnis noch auf Lukas Zerbe weiterleitete, der zur 2:0-Führung netzte. Weil sich jedoch zunehmend Missverständnisse in die Lemgoer Offensivbemühungen einschlichen, nahm auch das Spiel der Schwaben Fahrt auf. Erst brachte Ex-Lipper Patrick Zieker seine Farben erstmals in Führung, ehe TVB-Torhüter Ivan Pesic einen missglückten No-Look-Pass von Frederik Simak als Steilvorlage für einen Wurf ins verwaiste Lemgoer Tor nutzte (7.). Zuvor war Tim Suton mit einer Zwei-Minuten-Strafe belangt worden.

Kaum war Lemgos Nummer 23 wieder auf dem Feld, fanden die Hausherren zurück in die Spur: Sutons starker Block gegen Dominik Weiß begünstigte in der 11. Minute die erneute TBV-Führung: Ein abgefälschtes Hutecek-Zuspiel fand in Bjarki Már Elísson doch noch den richtigen Adressaten, dann schweißte Bobby Schagen den Ball aus neun Metern ins obere Eck. Nach einer Zecher-Parade krönte Suton mit seinem dritten Treffer die bis dato stärkste Phase der Lipper. Simak bestrafte ein Stuttgarter Missverständnis mit dem Gegenstoß-Treffer zum 9:6. Als TVB-Rechtsaußen Sascha Pfattheicher den Anschluss hergestellt hatte, zündete der TBV durch Schagen und Elísson erneut den Turbo (11:8). Im Positionsspiel hatten die Lipper zusehends Mühe, sich klare Chancen herauszuarbeiten. Nachdem Gedeón
Guardiola übers Tor geworfen hatte, schalteten die Schwaben blitzschnell um, sodass Alexander Schulze auf 11:10 stellte. Weil in der Lemgoer 5:1-Abwehr in dieser Phase der letzte Zugriff fehlte und vorne vieles Stückwerk blieb, nutzten die Gäste in Person von Pfattheicher die Gunst der Stunde und erhöhten auf 12:14. Weil auch die Gäste in ihren schnellen Angriffsvorträgen nicht fehlerfrei agierten, gelang Elísson vor der Pause noch der 14:15-Anschluss.

Den besseren Start in den zweiten Durchgang legten aber die Schwaben hin: Als ihr quirliger Spielmacher Egon Hanusz zum 16:20 traf, waren einmal mehr Lemgoer Comeback-Qualitäten gefordert. Obwohl Florian Kehrmann längst wieder 7:6 spielen ließ, fand sein Team zu selten die entscheidenden Lücken. Aber die Hausherren erarbeiteten sich das Glück des Tüchtigen: So stand Elísson bei der Pesic-Parade gegen Guardiola goldrichtig, um auf 18:20 zu stellen, dann brach Lukas Zerbe in einem fast schon verpufft schienenden Tempogegenstoß entschlossen noch durch zum 19:20. Auf der anderen Seite erahnte Elísson einen Stuttgarter Kempa-Trick – und vollendete im Gegenzug einen sensationellen Schagen-Seitenwechsel zum 20:20. Als Stuttgart wieder auf 21:24 weggezogen war und alles unter Kontrolle zu haben schien, öffnete sich der Vorhang für die Guardiola-Show: Erst markierte Lemgos spanischer Abwehrchef im vierten Anlauf sein erstes Tor, dann stibitzte er dem Stuttgarter Rückraum gleich zweimal in Folge sensationell den Ball, vollendete zunächst selbst und überließ in Minute 47 dann für Zerbe – Ausgleich zum 24:24.

Es blieb ein Spiel auf Messers Schneide. Erst als Hutecek per Sinkflug auf 30:28 stellte und Stuttgarts Fynn-Luca Nicolaus daraufhin eine Zeitstrafe gegen sich sah, zog der TBV das Momentum auf seine Seite. Max Häfners Antwort konterte G. Guardiola zum 31:29. Als der TBV durch Zerbe zwei Minuten vor Ende in doppelter Überzahl auf drei Tore weggezogen war, herrschte Partystimmung in der Phoenix Contact-Arena. Nachdem Peter Johannesson dann noch gegen Patrick Zieker hielt, hallten bereits „Hier regiert der TBV“-Sprechchöre durch die Halle.

TBV-Trainer Florian Kehrmann: „Wir mussten mit Jonathan Carlsbogård noch einmal einen zentralen Spieler ersetzen und haben es trotzdem geschafft, diese Mentalität auf die Platte zu bringen. Die hat dafür gesorgt, dass uns die Halle auch in schweren Phasen unterstützt hat. Zum Ende der ersten Halbzeit wollten wir im 7:6 zu viel Schachbrett Handball spielen. Anfang der 2. Halbzeit hatten wir auch im 6:6 kein richtiges Durchkommen, mussten auch den Kräfteverschleiß wegen der intensiven Abwehrarbeit im Auge behalten. Deswegen haben wir unser Glück auch weiterhin im 7:6 gesucht. Letztendlich gewinnen wir dieses Spiel durch unsere Mentalität in der 5:1-Abwehr. Wir waren auch da nicht fehlerfrei, aber letztendlich waren die Ballgewinne und die Chancenverwertung zum Schluss entscheidend. Respekt an die Mannschaft, dass sie auch dieses Ding gebogen hat.


TBV Lemgo Lippe: Johannesson, Zecher; Hutecek, Elísson (8/2), Simak (2), Schagen (3), Schwarzer, Suton (7), Zerbe (6), G. Guardiola (4), Hansen, Reitemann, Blaauw, Geis

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