BfL stellt sich gegen CDU/SPD-Modell: Streit um kostenfreies Schülerticket in Lemgo

In der Ratssitzung am 23. April 2026 stand unter Tagesordnungspunkt 6.1 ein gemeinsamer Antrag der Fraktionen von CDU und SPD zur Einführung eines kosten- und antragsfreien Schülertickets für die Schuljahre 2026/27 bis 2028/29 zur Diskussion. Der Vorschlag sorgte für eine intensive Debatte im Rat.
Der Fraktionsvorsitzende der BfL, Wolfgang Sieweke, übte in seinem Statement deutliche Kritik an dem Vorhaben. Er verwies insbesondere auf die aus seiner Sicht deutlich höhere finanzielle Belastung für den städtischen Haushalt. Während der ursprüngliche Verwaltungsvorschlag mit Kosten von rund 984.000 Euro kalkuliert worden sei, gehe der Antrag von CDU und SPD von etwa 1,3 Millionen Euro aus. Über den geplanten Zeitraum von drei Schuljahren ergebe sich somit eine Mehrbelastung von rund einer Million Euro. Sieweke warnte in diesem Zusammenhang vor den Risiken für die Haushaltslage der Stadt.
Ein weiterer Kritikpunkt betraf die aus Sicht der BfL mangelnde Gerechtigkeit des Modells. Während Schülerinnen und Schüler aus dem Lemgoer Stadtgebiet künftig den Stadtbus kostenlos mit der LemgoCard nutzen könnten, hätten auswärtige Schülerinnen und Schüler mit dem Deutschlandticket deutlich größere Mobilitätsmöglichkeiten – etwa Fahrten in umliegende Städte wie Bielefeld oder Herford, aber auch darüber hinaus. Eine Wahlfreiheit zwischen den Ticketmodellen sei im CDU/SPD-Vorschlag nicht vorgesehen.
Die BfL sprach sich daher klar gegen den Antrag aus und verwies auf frühere Aussagen der CDU, in denen das bisherige Modell mit Eigenbeteiligung der Eltern als sinnvoller Kompromiss bezeichnet worden war. In diesem Zusammenhang griff Sieweke auch die ursprüngliche Zielsetzung des sogenannten Westfalentickets auf, das die SPD noch im vergangenen wie auch im laufenden Jahr selbst als bestes Modell vorgeschlagen hatte. Nach Auffassung der SPD habe dieses Modell einst für mehr Mobilität, Teilhabe und Gerechtigkeit sorgen sollen. Der nun vorgelegte Vorschlag mit den LemgoCards werde diesen Ansprüchen jedoch nicht gerecht, so die Kritik. Stattdessen unterstützte die BfL den Vorschlag der Verwaltung.
Bei der abschließenden Abstimmung erhielt der Antrag von CDU/SPD zwar die Mehrheit der Stimmen, aber neben der BfL stimmten auch Bündnis 90/Die Grünen, AfD, FDP, Aufbruch C, Die Linke sowie der Bürgermeister dem Antrag nicht zu.
PM Bürger für Lemgo (BfL) / Sieweke



