Wie heizen wir in Zukunft? Grünes Werkstattgespräch mit dem Experten Andreas Stemberg
Lemgo. Die Stadt Lemgo soll klimaneutral werden. Um dieses Ziel zu erreichen, ist der Abschied von fossilen Brennstoffen unabdingbar notwendig. Aber welche Alternativen gibt es zu Öl und Gas? Der Energieexperte Andreas Stemberg, langjähriger Leiter eines Solarbetriebs in Lage, hat jetzt in einem Werkstattgespräch von Bündnis 90/Die Grünen über klimafreundliche, effiziente und bezahlbare Heizsysteme informiert.
Dass Gas und Öl Auslaufmodelle sind, zeigt sich laut Stemberg schon an den begrenzten Vorkommen. Weltweit reicht demnach das Gas noch 65, das Erdöl noch 50 Jahre. Um einen Quadratmeter Fläche ein Jahr lang zu erwärmen, seien entweder 95 bis 120 Kubikmeter Gas oder 95 bis 120 Liter Öl nötig – die Kraft der Sonne ist dagegen immer verfügbar.
Wie kann sie genutzt werden? Zum Beispiel mit Sonnenkollektoren (Solarthermie): Vakuumröhren, in denen das Sonnenlicht in Wärme umgewandelt wird. Fotovoltaikanlagen verwandeln das Sonnenlicht in elektrische Energie. Luftkollektoren, besonders in Skandinavien verbreitet, erzeugen Warmluft mit hohem Wirkungsgrad.
Fernwärme: Hier war Lemgo schon früh führend. Derzeit sind 29 Prozent der Haushalte hauptsächlich in der Innenstadt an die Fernwärme angeschlossen. Die Stadtwerke planen einen Ausbau etwa ins Gewerbegebiet Lieme. Noch erzeugen Gas-Blockheizkraftwerke den größten Anteil der Fernwärme. Bis 2040 streben die Stadtwerke Klimaneutralität an und setzen schon heute auf entsprechende Energieträger wie Flusswärme, Solarthermie, Erdwärme oder Biogas. Wer Fernwärme bezieht, muss sich nicht selbst um die Klimaneutralität seiner Heizung kümmern. Das erledigen die Stadtwerke mit ihrem Plan.
Doch die meisten Gebäude in Lemgo haben auch in Zukunft keinen Fernwärmeanschluss. Deshalb ist für sie die Wärmepumpe eine naheliegende Lösung. Sie funktioniert im Prinzip wie ein Kühlschrank, nur umgekehrt: Die für Heizen und Warmwasserbereitung benötigte Energie gewinnt sie aus der Außenluft. Moderne Luft-Wasser-Wärmepumpen arbeiten mit klimaschonender Kühlflüssigkeit und schaffen selbst bei Außentemperaturen von minus 25 Grad genügend Heizungswärme. Die Anschaffungs- und Installationskosten liegen laut Stemberg zwischen 30.000 und 40.000 Euro. Es gibt diverse Fördermöglichkeiten.
Schließlich ist das Heizen mit Holz eine klimafreundliche Möglichkeit. Besonders effektiv geschieht dies in einem Pellet-Ofen – für Andreas Stemberg die Technik der Wahl.
Der Experte zeigte praxisnahe Beispiele, stellte sich zahlreichen auch sehr speziellen Fragen und blieb keine Antwort schuldig.
Die grüne Ko-Fraktionsvorsitzende im Stadtrat, Dr. Katharina Kleine Vennekate, gab aktuelle Informationen zum kommunalen Wärmeplan in Lemgo. Diese Strategie für klimaneutrales Heizen ist ein realistischer Fahrplan zur Klimaneutralität, den ein Expertenteam gemeinsam mit den Stadtwerken erarbeitet hat. Er zeigt, welche Maßnahmen Stadt und Stadtwerke ergreifen müssen und wie Privathaushalte heizen können. Kleine Vennekate: „Mit diesem Plan können die Stadtwerke die Weichen für die Zukunft stellen und die Menschen in Lemgo mit grünem Strom und Wärme versorgen. Er gibt Planungssicherheit und sorgt auch in Zukunft für bezahlbare Energie. Deshalb muss ihn der Stadtrat jetzt beschließen!“
Pressemitteilung Die Grünen Lemgo



