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Nach der Pause in einen Rausch gespielt

Ein halbzeitübergreifender 6:0-Lauf ebnete pünktlich zum ersten Advent den dritten Heimsieg der Saison: Nach zuletzt zwei Niederlagen in Serie schafft der TBV Lemgo Lippe in der Phoenix Contact-Arena gegen den HC Erlangen den Turnaround und feiert einen verdienten 34:27 (17:16)-Erfolg, der nach Seitenwechsel nicht mehr ernsthaft in Gefahr geriet.
Für den siebten Heimauftritt der Saison konnte Florian Kehrmann wieder auf Frederik Simak zurückgreifen, der die letzten drei Ligapartien verletzungsbedingt verpasst hatte und gegen Erlangen wieder zusammen mit den Gedeón Guardiola den Lemgoer Innenblock stellte. Den besseren Start allerdings erwischte der Tabellen-6., der durch seinen Linksaußen Christopher Bissel und Kreisläufer Tim Zechel mit zwei Toren vorlegte. Der TBV hatte zunächst Mühe, gegen die sehr kompakte und körperliche 6:0-Deckung der Erlanger im Zentrum Lücken zu schaffen.

Es kam also nicht von ungefähr, dass Lemgos Linksaußen Samuel Zehnder in der 4. Minute zum Dosenöffner wurde und zum Anschluss traf. Nach einem Fehlwurf von Erlangens Simon Jeppsson tankte sich Jan Brosch nach Hutecek-Zuspiel zum 2:2-Ausgleich. Dann suchte das Abschlusspech die Hausherren heim: Erst traf Zehnder nur den Pfosten, dann scheiterte Hutecek am stark reagierenden HCE-Keeper Klemen Ferlin. Die vom Spanier Raúl Alonso gecoachten Gäste erwischten ihre beste Phase und wussten die Lipper immer wieder zu überlisten. Als Niels Versteijnen, dessen Wurf zuvor durch die Erlanger Abwehr geblockt worden war, nach Foul an Bissel eine Zeitstrafe gegen sich sah, erhöhte Christoph Steinert vom Punkt auf 4:6.

Weil Ferlin einen Suton-Wurf per Fußabwehr doch noch von der Torlinie kratzte, erhöhte Erlangens Kreisläufer im Gegenzug auf 4:7 nach 13 Minuten. Der TBV war gefordert: Diesmal hatte Suton mehr Glück und verkürzte, kurz darauf traf G. Guardiola zum 6:8. Und als die Lemgoer Deckung einen Erlanger Pass abfing und Simak im davongeeilten Zehnder einen Abnehmer fand, war der TBV nach einer Viertelstunde wieder nah dran (7:8). Es wurde noch besser: Weil Hutecek von Sebastian Firnhaber nur per Foulspiel zu stoppen war, glich Zehnder kurz darauf zum 8:8 aus. Die erste TBV-Führung an diesem Nachmittag ließ aber noch etwas auf sich warten, denn der HCE blieb offensiv gefällig. Nachdem sich beide Teams munter mit dem Torewerfen abgewechselt hatten, war es nach 24 Minuten so weit: Ein Lemgoer Tempogegenstoß brachte Zehnder zum 14:13 ins Ziel. Dass der TBV mit einer knappen Führung in die Halbzeit ging, war auch den drei Paraden des eingewechselten Bronko Ristovski zu verdanken.
Nach dem Pausentee nutzte Lemgo die Überzahl (Zeitstrafe gegen Bissel), um den Vorsprung durch Jan Brosch erstmals zu erhöhen. Zu diesem Zeitpunkt ahnte niemand, wie sich dieses Spiel im zweiten Durchgang entwickeln würde. Der HCE präsentierte sich im eigenen Angriff zunehmend fehlerhafter und handelte sich immer wieder Zeitstrafen ein. Aus seiner Überzahl schlug der TBV Kapital. Groß war der Jubel, als Ristovski nach der Erlanger Auszeit auch noch rechtzeitig die Beinsperre gegen Christoph Steinert gelang. Das 23:17 durch den äußerst kaltschnäuzigen Lukas Zerbe (hundertprozentige Ausbeute) glich in Minute 40 einer Vorentscheidung. Die 3580 Zuschauer in der Phoenix Contact-Arena waren längst außer Rand und Band – und peitschten ihre Mannschaft immer wieder lautstark nach vorn. Doch einige Lemgoer Unkonzentriertheiten ließen wieder etwas Spannung aufkommen. Kehrmanns Umstellung aufs gefürchtete 7:6 brachte sein Team rechtzeitig in Tritt – und schob jegliche Restzweifel beiseite.

Auch in der Folge kam Lemgo aus einer starken Abwehr heraus zu einfachen Toren, bei Anbruch der 49. Minute vollendete Simak einer dieser Angriffe im Gegenstoß zum 26:20. Der HC musste ins Risiko gehen, schaltete ins 7:6, doch in dieser zweiten Hälfte warf den TBV nichts mehr aus der Bahn. Die Hausherren hatten sichtlich Spaß am Spiel, waren bis fünf Minuten vor Ende bereits auf acht Tore uneinholbar davon und brachten den dritten Heimsieg in dieser Saison konzentriert über die Ziellinie.

TBV-Trainer Florian Kehrmann: „Ich bin sehr zufrieden, auch wie uns die Halle heute durch dieses Spiel getragen hat. In der ersten Halbzeit hatten wir eine schwierige Phase, sind nicht ins Abwehrspiel gekommen und haben eigentlich mit jedem Angriff ein Tor kassiert. Wir wussten vorher, dass wir uns die Tore gegen diese körperliche Abwehr hart erarbeiten müssen. Wichtig war heute, da hinzugehen, wo es wehtut und das haben gerade die jungen Spieler in unglaublicher Manier gemacht. Sie sind immer wieder in die Nahtstellen gegangen, haben sich nicht geschont. Und wir haben sehr gut Überzahl gespielt, das war auch Thema in der Vorbereitung. Es war ein sehr verdienter Sieg und eine tolle Mannschaftsleistung.“

TBV Lemgo Lippe: Zecher (1 Parade), Ristovski (6 Paraden); Hutecek (4), Zehnder (7/2), Brosch (2), S

TBV Lemgo Lippe

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