Lemgoer Rat nimmt MVZ Kalletal als möglichen Kooperationspartner in den Blick

Lemgo/Kalletal: Das Medizinische Versorgungszentrum Kalletal rückt in den Fokus der politischen Diskussion in der Alten Hansestadt Lemgo. In der kommenden Ratssitzung am 12. Oktober 2026 soll sich der Rat mit der Frage beschäftigen, wie die hausärztliche Versorgung in Lemgo bereits vor der möglichen Betriebsaufnahme des geplanten interkommunalen MVZ gesichert und wie frühzeitig ärztliches Personal für den Standort gewonnen werden kann.
Bemerkenswert dabei: In den politischen Anträgen wird ausdrücklich auch eine Zusammenarbeit mit dem MVZ Kalletal GmbH als Möglichkeit genannt. Damit richtet sich der Blick aus Lemgo auf ein kommunales MVZ, das in Kalletal seit seiner Gründung schrittweise aufgebaut wurde und inzwischen selbst Gegenstand konkreter Überlegungen für eine mögliche regionale Zusammenarbeit ist.
FDP bringt MVZ Kalletal konkret ins Gespräch
Die FDP-Fraktion im Rat der Alten Hansestadt Lemgo hat Ende September einen Antrag zur „Frühzeitigen Sicherung der hausärztlichen Versorgung in Lemgo“ eingebracht. Darin wird die Verwaltung unter anderem beauftragt, gemeinsam mit der KVWL und den niedergelassenen Ärzten den aktuellen und absehbaren hausärztlichen Versorgungsbedarf zu ermitteln.
Gleichzeitig soll geprüft werden, welche Möglichkeiten bestehen, bereits vor der Betriebsbereitschaft des geplanten interkommunalen MVZ geeignete Ärztinnen und Ärzte für eine spätere Tätigkeit in Lemgo zu gewinnen und möglichst langfristig an den Standort zu binden. Dabei sollen ausdrücklich auch Kooperationen mit bestehenden MVZ, Arztpraxen, der KVWL sowie Förder- und Qualifizierungsprogramme betrachtet werden.
Einen konkreten Bezug zum MVZ Kalletal stellt die FDP bei einer derzeit dort laufenden Bewerbung her. Eine junge Ärztin, die im November ihre Facharztprüfung im Bereich Innere Medizin ablegen wird, hat sich für eine anschließende Tätigkeit im MVZ Kalletal beworben. Nach einer entsprechenden Qualifizierungsmaßnahme könnte sich daraus möglicherweise auch eine Perspektive für eine spätere hausärztliche Tätigkeit in Lemgo ergeben.
Der FDP-Antrag stellt zugleich klar, dass diese konkrete Möglichkeit lediglich als ein Beispiel betrachtet werden soll. Die Suche nach geeigneten Wegen zur frühzeitigen Gewinnung von Ärzten für Lemgo soll grundsätzlich breiter angelegt werden.
Grünen-Fraktion erweitert die Überlegungen
Inzwischen hat auch die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen einen Ergänzungsantrag vorgelegt. Darin wird vorgeschlagen, neben der hausärztlichen Versorgung auch die kinderärztliche Versorgung im Mittelbereich Lemgo zu betrachten. Unter anderem soll geklärt werden, ob und in welchem Umfang das geplante MVZ in Lemgo aus Sicht der KVWL künftig kinderärztliche Versorgung aufnehmen könnte.
Beim Thema der jungen Ärztin werden die Vorstellungen der Grünen konkreter. Die Verwaltung soll mit der KVWL klären, ob die Qualifizierungsmaßnahme – vorbehaltlich der Zustimmung der Ärztin und der Erfüllung sämtlicher Fördervoraussetzungen – zugleich mit dem Ziel einer späteren hausärztlichen Tätigkeit im Mittelbereich Lemgo durchgeführt werden kann.
Für die Übergangszeit wird dabei ausdrücklich die Möglichkeit einer von der KVWL zu genehmigenden Versorgerzweigpraxis des MVZ Kalletal in Lemgo angesprochen. Sollte das geplante Lemgoer MVZ nach Abschluss der Qualifizierungsmaßnahme noch nicht betriebsbereit sein, soll geprüft werden, ob die Ärztin bis zu dessen möglicher Betriebsaufnahme in einer solchen Zweigpraxis tätig werden könnte.
Auch eine finanzielle Beteiligung der Alten Hansestadt Lemgo an dem nach Abzug der KVWL-Förderung verbleibenden Eigenanteil der Qualifizierungsmaßnahme wird grundsätzlich als Möglichkeit genannt. Eine konkrete finanzielle Verpflichtung soll daraus zunächst allerdings nicht entstehen.
Noch weiter geht ein zusätzlicher Prüfauftrag der Grünen. Sollte das geplante interkommunale MVZ in gemeinsamer Trägerschaft mit dem DRK nicht zustande kommen, soll geprüft werden, ob eine Zusammenarbeit mit dem MVZ Kalletal möglich wäre. Dabei soll insbesondere untersucht werden, ob das Kalletaler MVZ unter den entsprechenden rechtlichen, organisatorischen und personellen Voraussetzungen möglicherweise auch in Lemgo tätig werden könnte.
Damit steht das MVZ Kalletal nun in einem politischen Zusammenhang, der deutlich über die ursprüngliche kommunale Aufgabenstellung in Kalletal hinausgeht. Erstmals wird in Lemgo konkret die Frage aufgeworfen, ob das bestehende Kalletaler Modell, seine Erfahrungen und seine Strukturen bei der Sicherung der medizinischen Versorgung in Lemgo eine Rolle spielen könnten.
Kalletaler MVZ befindet sich weiter in der Hochlaufphase
Während in Lemgo über mögliche Kooperationen beraten wird, befindet sich das MVZ Kalletal selbst weiterhin in seiner Hochlaufphase.
Nach Angaben von Bürgermeister Mario Hecker entsprechen die für das dritte Quartal 2026 vorgesehenen Behandlungszahlen den Planungen für diese Hochlaufphase und wurden erreicht. Zudem konnten im dritten Quartal mehr als 200 neue Patientinnen und Patienten gewonnen werden. Die Zahl der eingeschriebenen Patientinnen und Patienten bewegt sich inzwischen in Richtung 3.000.
Auch die organisatorischen Abläufe entwickeln sich weiter. Das MVZ arbeitet mit einem digitalen Wartezimmer, über das der Aufenthalt der Patientinnen und Patienten im Wartebereich erfasst wird. Intern wird dabei mit einer Ampellogik gearbeitet: Bis zu 15 Minuten Wartezeit gilt als grün, zwischen 15 und 20 Minuten als orange und bei mehr als 20 Minuten als rot.
Nach den Angaben des Bürgermeisters liegen die aktuellen Wartezeiten deutlich unter 15 Minuten. Dazu tragen auch die großzügigen Öffnungszeiten bei, unter anderem die durchgängige Öffnung über die Mittagszeit. In Einzelfällen kann es durch Akutfälle zu längeren Wartezeiten kommen.
Die Entwicklung ist insbesondere vor dem Hintergrund interessant, dass das Kalletaler MVZ nach dem Aufbau nun zunehmend in einen laufenden Regelbetrieb übergeht und gleichzeitig weitere Patienten erreicht. Genau diese praktischen Erfahrungen waren auch Gegenstand der Gespräche mit den Lemgoer Ratsfraktionen.
Bürgermeister Mario Hecker: „Wir können uns sinnvoll ergänzen“
Bürgermeister Mario Hecker hatte auf Einladung der Fraktionen von SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP bereits über den Aufbau und den Betrieb des kommunalen MVZ Kalletal berichtet. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, welche Erfahrungen aus Kalletal für die Sicherung der hausärztlichen Versorgung in Lemgo nutzbar sein könnten.
Dass aus diesem Erfahrungsaustausch nun konkrete Anträge im Lemgoer Rat entstanden sind, bewertet Hecker ausdrücklich positiv.
„Ich freue mich über das große Interesse der Fraktionen. Dass sich daraus konkrete Anträge im Rat der Alten Hansestadt Lemgo entwickelt haben, freut mich natürlich besonders“, erklärt Hecker.
Aus Sicht des Kalletaler Bürgermeisters gibt es dabei mehrere denkbare Kooperationsmöglichkeiten. Dazu gehört zunächst die Qualifizierung der jungen Ärztin mit einer anschließenden Tätigkeit in Lemgo. Ebenso könne geprüft werden, ob eine Versorgerzweigpraxis des MVZ Kalletal in Lemgo eingerichtet werden könnte.
Hecker sieht darüber hinaus auch die Möglichkeit einer weitergehenden kommunalen Zusammenarbeit. Sollte sich im weiteren Verlauf herausstellen, dass die geplante interkommunale Lösung in Lemgo mit dem DRK in der vorgesehenen Form rechtlich oder organisatorisch nicht umgesetzt werden kann, könne auch über eine gemeinsame Gesellschaft nachgedacht werden. In einem solchen Modell könnte das DRK Lippe beispielsweise die kaufmännische Leitung und Geschäftsführung übernehmen, ohne selbst zwingend Träger der Gesellschaft zu sein.
Für Hecker geht es dabei nicht darum, ein bestehendes Modell einfach auf eine andere Kommune zu übertragen. Entscheidend sei vielmehr die gemeinsame Frage, welche Strukturen geeignet sind, die medizinische Versorgung in der Region langfristig zu sichern.
„Ich bin davon überzeugt, dass wir uns sinnvoll ergänzen können und bin gerne für Gespräche bereit“, so Hecker.
Die Anträge von FDP und Bündnis 90/Die Grünen sollen nun in den politischen Gremien der Alten Hansestadt Lemgo beraten werden. Damit steht erstmals konkret die Frage im Raum, ob das bereits laufende kommunale MVZ Kalletal künftig auch bei der Sicherung der hausärztlichen Versorgung in Lemgo eine Rolle spielen könnte.
PM GEMEINDE KALLETAL
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