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Ein Jahr MVZ Kalletal: Zwischen Gegenwind und wachsendem Vertrauen – warum kommunale Gesundheitsversorgung neue Maßstäbe braucht

Bürgermeister Mario Hecker äußert sich ausführlich zur Entwicklung, zu Herausforderungen und zur Bedeutung des MVZ Kalletal: „Es geht nicht um die Frage, ob wir uns Gesundheitsversorgung leisten wollen – sondern ob wir es uns leisten können, sie nicht aktiv zu sichern!“

Kalletal: Ein Jahr nach der Gründung zieht die Gemeinde Kalletal eine Zwischenbilanz ihres Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ Kalletal GmbH). Bürgermeister Mario Hecker betont die Bedeutung der Einrichtung für die Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung im ländlichen Raum – und weist zugleich auf die Herausforderungen und teils kritische aber auch fragwürdige Begleiterscheinungen hin.

Seit dem Start hat das MVZ die dringend benötigte Versorgungsstruktur bestätigt. Rund 2.200 Patientinnen und Patienten werden inzwischen betreut, die Nachfrage steigt weiter. „Das zeigt eindeutig, dass der Bedarf vorhanden ist und wir die richtige Entscheidung getroffen haben“, so Hecker. Besonders vor dem Hintergrund der angespannten Versorgungslage im Kalletal sei der Aufbau des MVZ ein wichtiger Schritt gewesen. Nach dem Wegfall einer hausärztlichen Praxis im Jahr 2023 standen zeitweise über 2.500 Menschen ohne wohnortnahe Betreuung da.

Deutlich und bewusst zugespitzt äußert sich Bürgermeister Mario Hecker zur Debatte um die Finanzierung des MVZ und stellt dabei die bisherigen Maßstäbe kommunalen Handelns grundsätzlich infrage. „Wir akzeptieren seit Jahren ohne größere Diskussionen erhebliche Defizite bei Einrichtungen wie Freibad, Bücherei oder Musikschule. Auch die Kinder- und Jugendarbeit unterstützen wir selbstverständlich – etwa über den KJK e.V. mit jährlich 47.000 Euro. Selbst ein Darlehen in Höhe von 800.000 Euro für einen Wasserbeschaffungsverband in Liquidation wird ohne grundsätzliche Infragestellung gewährt“, führt Hecker aus.

Vor diesem Hintergrund sei die grundsätzliche Kritik an der Finanzierung des MVZ für ihn nicht nachvollziehbar. „Ausgerechnet bei der medizinischen Versorgung – also einem der sensibelsten und existenziellsten Bereiche der öffentlichen Daseinsvorsorge – wird jede kommunale Unterstützung infrage gestellt. Das ist nicht nur widersprüchlich, sondern auch politisch und gesellschaftlich hoch problematisch“, betont Hecker.

Gerade angesichts der sich rasant verändernden Rahmenbedingungen im ländlichen Raum, insbesondere im Gesundheitswesen, sei ein Umdenken zwingend erforderlich. „Wer hier weiterhin mit alten Maßstäben argumentiert, verkennt die Realität. Es geht nicht um die Frage, ob wir uns Gesundheitsversorgung leisten wollen – sondern ob wir es uns leisten können, sie nicht aktiv zu sichern.“

Das MVZ erfüllt dabei nicht nur eine direkte Versorgungsfunktion, sondern ist auch Teil eines vernetzten Systems. Durch gezielte Weitervermittlung von Patientinnen und Patienten profitieren auch Facharztpraxen und Kliniken. Hecker spricht sich daher klar für dezentrale Strukturen aus: „Gesundheitsversorgung muss nah bei den Menschen stattfinden. Zentralisierte Lösungen schaffen Distanz und erschweren den Zugang.“

Mit ungewöhnlich deutlichen Worten spricht Bürgermeister Mario Hecker auch mögliche gezielte Einflussnahmen im Umfeld des MVZ an. Es falle auf, dass insbesondere zu Beginn neuer Quartale wiederholt Darstellungen auftauchten, die das MVZ in ein negatives Licht rückten. „Da stellt sich schon die Frage, ob hier bewusst Verunsicherung erzeugt werden soll – möglicherweise mit dem Ziel, Patientinnen und Patienten von einer Entscheidung für eine moderne, kommunale Gesundheitsversorgung abzuhalten“, so Hecker.

Er macht unmissverständlich klar, wie er solche Entwicklungen bewertet: „Wer versucht, Menschen zu verunsichern oder sie vom Wechsel in eine funktionierende Versorgungsstruktur abzuhalten, greift damit nicht ein Projekt an, sondern die Gesundheitsversorgung insgesamt.“ Solche Vorgehensweisen werde er nicht unwidersprochen lassen.

Gleichzeitig setzt Hecker einen klaren Kontrapunkt: Maßstab allen Handelns sei ausschließlich die verlässliche, kompetente und nachhaltige Versorgung der Menschen vor Ort. „Alles andere“, so der Bürgermeister mit einem deutlichen Seitenhieb, „gehört eher in die Kategorie „Störmanöver“ – hat aber mit der Realität und den Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten nichts zu tun.“

Besonders deutlich weist Bürgermeister Mario Hecker Vorwürfe und Einflussversuche im Umfeld des MVZ zurück. So berichtet er von einem Strategieberater, der wiederholt schriftlich mit sehr klaren, teils konfrontativen Positionen auftrete und parallel die Gründung eines eigenen Ärztehauses in Lemgo vorbereite. „Dabei wird die Entwicklung der medizinischen Versorgung offenbar als Machtfrage interpretiert“, so Hecker. Dieser Sichtweise erteilt er eine klare Absage: „Diese Logik ist grundfalsch. Gesundheitsversorgung ist kein Spielfeld für Besitzstände oder Konkurrenzdenken, sondern ein zentraler Bestandteil der öffentlichen Daseinsvorsorge.“ Versuche, Einflusszonen zu definieren oder Konkurrenz aufzubauen, gingen an der Realität vorbei und gefährdeten im Zweifel sogar die Versorgungssicherheit. Stattdessen fordert Hecker ein Umdenken hin zu mehr Kooperation: „Was wir brauchen, ist Zusammenarbeit statt Abschottung – im Interesse der Patientinnen und Patienten und nicht einzelner Akteure.“

Ein besonderes Augenmerk richtet der Bürgermeister auf die Leistung des Teams. Die Mitarbeitenden hätten unter erheblichem Druck gearbeitet und gleichzeitig den Aufbau der neuen Struktur vorangetrieben. „Dieses Engagement verdient große Anerkennung“, so Hecker.

Auch personelle Veränderungen haben das erste Jahr begleitet. Bürgermeister Mario Hecker ordnet diese jedoch mit Blick auf die Gesamtentwicklung ein: Der Weggang der Kinderärztin sei zwar bedauerlich, zugleich sei es ein wichtiger Erfolg, den entsprechenden halben Kinderarztsitz überhaupt im MVZ gesichert zu haben. Dieser soll zeitnah wiederbesetzt werden. Entscheidend sei nicht die kurzfristige Betrachtung einzelner Personalwechsel, sondern die nachhaltige Sicherung und Stabilität der medizinischen Versorgung im Kalletal.

Mit Blick auf die Zukunft kündigt Hecker zudem die Gründung eines unterstützenden Vereins an, der aus der Bürgerschaft heraus initiiert wurde. Ziel ist es, die Gesundheitsversorgung im Kalletal nachhaltig zu stärken. Bereits jetzt stoße das Vorhaben auf großes Interesse, auch über die Region hinaus.

Abschließend stellt Hecker klar, dass aktuell kursierende Informationen zur wirtschaftlichen Lage des MVZ auf nicht öffentlichen Beratungen basieren und keinen abschließenden Stand widerspiegeln. „Es handelt sich um Entwürfe innerhalb eines laufenden Abstimmungs- und Prüfverfahrens. Einzelne Darstellungen sind daher nicht geeignet, ein vollständiges Bild zu vermitteln.“

Die Gemeinde Kalletal sieht sich mit dem MVZ weiterhin in der Verantwortung, eine verlässliche und zukunftsfähige medizinische Versorgung für ihre Bürgerinnen und Bürger sicherzustellen.

PM Gemeinde Kalletal / Hecker

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Michael Pitt

Michael Pitt betreibt das Portal Mein-Lemgo seit 2021. Er ist in Lemgo geboren, wohnt direkt am Marktplatz und ist Lemgoer mit Herz und Seele.
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