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Verschiedenes

Bernd hat für alles Zeit. Außer für Klopp.

Die Bundestrainer Glosse von Micha Haudrauf

Bernd ist 80 Millionen Menschen. Er wohnt in Kiel, in Passau, in Lemgo am Marktplatz, und er hat seit zwölf Jahren eine Meinung zur Nationalmannschaft. Jeden Tag eine andere.

Seit 2014 hat Bernd Folgendes gesehen: Vorrunde, Vorrunde, Paraguay. Dazwischen ein paar Siege, die meisten glücklich, einige so glücklich, dass der Gegner hinterher nicht wusste, wie er verloren hatte. Bernd hat das zwölf Jahre lang ertragen wie einen tropfenden Wasserhahn. Er hat geseufzt, er hat „So geht das nicht weiter“ gesagt, und dann ging es genau so weiter. Zwölf Jahre. Bernd war ein Heiliger.

Dann kommt Klopp. Neue Gesichter, eine Spielidee, ein Mann, der nicht aussieht, als lese er die Aufstellung vom Teleprompter ab. Bernd ist begeistert. Er kauft ein neues Trikot und erzählt seiner Frau, diesmal sei es anders. Das erzählt er ihr seit 2016, aber diesmal meint er es.

Bernds Handy vibriert inzwischen öfter als sein Rasenmäher. Eilmeldung: Klopp lacht. Eilmeldung: Klopp lacht nicht mehr. Eilmeldung: Was Klopps Lachen über unsere WM-Chancen verrät. Bernd klickt alles. In einer Redaktion sitzt ein Mann vor einer Kurve, die exakt aussieht wie Bernds Blutdruck, und freut sich über beides. Was auf dem Platz passiert, ist dabei eher Beiwerk. Hauptsache, Bernd klickt. Und Bernd klickt zuverlässiger als jeder Lichtschalter.

Klopp beruft 44 Spieler. Bernd findet das mutig. Zwanzig Minuten später liest er „Hat Klopp den Überblick verloren?“ und findet es chaotisch. Bernd hat seine Meinung nicht geändert. Er hat sie nur aktualisiert, wie eine App.

Bernd braucht übrigens nicht viel. Ein 7:1 gegen Fidschi reicht, und Deutschland ist nicht nur Weltmeister, sondern Hoffnungsträger der Menschheit. Bernd googelt Flugpreise zum Finale, schreibt in die Familiengruppe „Die anderen können eigentlich gleich zu Hause bleiben“ und hängt drei Flaggen dran. Tante Gisela antwortet mit einem Daumen. Sie hält Fidschi für eine Apfelsorte, aber sie will die Stimmung nicht kaputtmachen.

Abends sitzt im Fernsehstudio ein ehemaliger Nationalspieler, elf Länderspiele, beim letzten Turnier nur noch auf der Tribüne, und erklärt, so baue man keine Mannschaft auf. Wie man eine aufbaut, sagt er nicht, das hat er in den zwölf Jahren davor auch keinem anderen Trainer verraten, sich aber jede Erklärung, wie es nicht geht, ordentlich bezahlen lassen. Bernd nickt. Am nächsten Morgen sagt er beim Bäcker denselben Satz, wortgleich, inklusive der bedeutungsvollen Pause vor dem Wort „Mentalität“.

Dann das 1:1 in Amsterdam. Bernd schreibt unter einen Artikel: „Trainer raus, der kann es auch nicht.“ Nach vier Spielen. Holland in Not, und das ausgerechnet nach einem Spiel in Holland.

Seit 2014 plant Bernd übrigens, sein Gartenhaus neu zu streichen. Die Farbe steht im Keller, der Pinsel liegt daneben, inzwischen steinhart. Wer ihn darauf anspricht, bekommt zu hören: „So was braucht seine Zeit, das macht man nicht mal eben.“ Das Gartenhaus hat zwölf Jahre bekommen. Klopp hat sechs Wochen. Und das Gartenhaus hat bisher noch kein einziges Tor geschossen.

Nächstes Länderspiel. Bernd sitzt vor dem Fernseher, Fernbedienung rechts, Handy links. Im Entwurfsordner liegen zwei fertige Kommentare: einer für den Sieg („Endlich wieder eine Mannschaft!“), einer für die Niederlage („Wie lange will man sich das noch angucken?“). Für ein Unentschieden hat Bernd nichts vorbereitet. Damit kann er nicht umgehen. Also schickt er beide.

Der Autor hat diese Glosse in drei Fassungen geschrieben: eine für den Sieg, eine für die Niederlage und eine für den Fall, dass man Klopp einfach mal zwei Jahre machen lässt. Die dritte wird vermutlich nie erscheinen.

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Michael Haudrauf

Micha Haudrauf ist Experte für ungefragte Meinungen und diplomatisches Porzellan-Zerschlagen. Er analysiert Lemgo mit der Präzision eines Vorschlaghammers. Er kam, sah und gab seinen Senf dazu. Alles mit Augenzwinkern! More »
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