Aus dem beschaulichen Kalletal in die große weite Welt: Gemeinde Kalletal weiht neugestaltetes Areal zu Ehren von Stephan Ludwig Jacobi ein
Kalletal-Hohenhausen: Mit einer feierlichen Einweihung ist heute das LEADER-Projekt „Stephan-Ludwig-Jacobi – Begründer der künstlichen Besamung in der Fischzucht“ in Hohenhausen offiziell seiner Bestimmung übergeben worden. Das neugestaltete Areal rund um das Denkmal erinnert nicht nur an einen außergewöhnlichen Kalletaler, sondern verbindet Geschichte, Aufenthaltsqualität und moderne Infrastruktur miteinander.
Für Bürgermeister Mario Hecker ist die Fertigstellung ein besonderer Anlass – auch, weil hinter dem Projekt ein langer Weg liegt.
„Was heute auf den ersten Blick wie eine kleine, selbstverständlich wirkende Maßnahme aussieht, ist das Ergebnis von vielen Jahren Überlegungen, politischen Entscheidungen, neuen Anläufen und letztlich auch Beharrlichkeit. Genau das macht dieses Projekt für mich besonders“, so Bürgermeister Mario Hecker.
Bereits 2012 war die Aufwertung des Bereichs im Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzept (ISEK) der Gemeinde Kalletal unter dem Titel „Jacobi-Mühlenpark“ mit einem Finanzvolumen von 200.000 Euro vorgesehen. Im Jahr 2018 wurde das Vorhaben im Integrierten Kommunalen Entwicklungskonzept (IKEK) Nordlippe erneut aufgegriffen. Unter dem Titel „Jacobipark Hohenhausen“ war unter anderem die Versetzung des Denkmals vorgesehen.
Am 1. Juli 2021 wurde die Entwurfsplanung für den „Jacobipark Hohenhausen“ im Rat der Gemeinde Kalletal vorgestellt. Am 19. Mai 2022 fasste der Ausschuss für Planen und Bauen auf Antrag von CDU und Bündnis 90/Die Grünen den Beschluss, Fördermöglichkeiten für die Umsetzung der Entwurfsplanung zu prüfen. Bereits wenige Monate später, am 15. Dezember 2022, wurde dieser Beschluss wieder aufgehoben, um Einsparpotenziale im Gesamthaushalt zu erzielen.
„Manchmal brauchen gute Ideen einen langen Atem. Entscheidend ist, dass man sie nicht aus den Augen verliert, wenn sich Rahmenbedingungen verändern“, erklärt Hecker.
Am 8. Februar 2024 fasste der Rat schließlich den Grundsatzbeschluss, einen LEADER-Antrag zur Aufwertung des Areals am damaligen Standort zu erstellen und das hierfür erforderliche Flurstück unentgeltlich vom Lippischen Fischereiverein 1886 e.V. zu übernehmen.
Am 21. März 2024 folgte der Beschluss zur LEADER-Projektskizze „Stephan-Ludwig-Jacobi – Begründer der künstlichen Besamung in der Fischzucht“ sowie zur Übernahme des gemeindlichen Kofinanzierungsanteils in Höhe von 18.000 Euro. Am 22. Mai 2025 wurde dieser Anteil aufgrund der ergänzenden Errichtung eines Trinkwasserspenders um 8.500 Euro erhöht.
Der entscheidende Schritt folgte am 6. August 2025 mit dem Zuwendungsbescheid der Bezirksregierung Detmold. Für das Projekt wurden 42.000 Euro LEADER-Fördermittel bei einem Fördersatz von 70 Prozent bewilligt.
Auch die Grundstücksfrage konnte geklärt werden. Am 28. Oktober 2025 wurde durch die Kanzlei Brachvogel Notar und Rechtsanwälte aus Kalletal der Notarvertrag zur unentgeltlichen Übertragung des Grundstücks vom Lippischen Fischereiverein 1886 e.V. an die Gemeinde Kalletal beurkundet.
Am 4. Mai 2026 wurde schließlich der Auftrag für die Bauarbeiten an die Firma Gartenmacher Horst aus Lemgo erteilt. Bereits am 13. Mai 2026 begannen die Arbeiten.
Neues Areal verbindet Denkmal, Aufenthaltsqualität und Geschichte
Im Zuge der Maßnahme wurde das Umfeld des Jacobi-Denkmals umfassend aufgewertet. Zu den wesentlichen Arbeiten gehörten Rodungs- und Planierarbeiten, neue Pflasterflächen für die Zuwegung zum Denkmal und im Bereich der drei Fahrradanlehnbügel sowie die Aufstellung von zwei neuen Senioren-Parkbänken.
Zwei neue Pollerleuchten setzen das Denkmal auch in den Abendstunden in Szene. Ein kleiner Bachlauf in Form einer dreireihigen Rinne aus Basaltpflaster mit Pumptechnik bildet einen besonderen gestalterischen Mittelpunkt vor dem Denkmal.
Darüber hinaus wurden ein Trinkwasserbrunnen, ein Versorgungspoller für Strom und Wasser sowie eine Boule-Bahn errichtet. Die vorhandene Heckenpflanzung zur Straße wurde ergänzt, im hinteren Bereich des Denkmals wurden neue Gehölze gepflanzt und die Rasenflächen erneuert. Ein neuer Findling ergänzt das Areal im Bereich der Zuwegung. An zwei Seiten des dreiseitigen Grundstücks wurde zudem ein Stabgitterzaun errichtet.
Der Trinkwasserspender, der Versorgungspoller, Zaunmaterial und Fahrradanlehnbügel wurden dabei unmittelbar durch die Gemeinde Kalletal beschafft und bauseits zur Verfügung gestellt.
Ein besonderer Dank gilt dem Heimat- und Verkehrsverein Hohenhausen, der sich ebenfalls umfangreich in das Projekt eingebracht und unter anderem die Boule-Bahn gebaut, das Denkmal gereinigt, den Findling sowie die Pumptechnik beschafft und Pflanzarbeiten übernommen hat. „Dieses Projekt zeigt sehr schön, was entstehen kann, wenn Gemeinde, Ehrenamt, Vereine und Unternehmen an einem gemeinsamen Ziel arbeiten. Der Jacobi-Platz ist dadurch nicht einfach nur schöner geworden. Er ist zu einem Ort geworden, an dem man sich aufhalten, Geschichte entdecken und miteinander ins Gespräch kommen kann.“
Dank an alle Beteiligten
Bürgermeister Mario Hecker dankte bei der Einweihung ausdrücklich allen, die zum Gelingen des Projektes beigetragen haben.
Besonderer Dank gilt den beteiligten Planungs- und Bauunternehmen:
- Peters Winter + Partner Landschaftsarchitektur, Bielefeld
- Gartenmacher Horst, Lemgo
- Kuhfuß Rohrleitungsbau, Kalletal
- Greife Elektrotechnik, Kalletal
- Garten Design Team, Kalletal
Darüber hinaus würdigte Hecker die Arbeit von Stefan Pohl und Ernst-Joachim Gerke aus dem Fachbereich Planen und Bauen sowie der Mitarbeitenden des Baubetriebshofes der Gemeinde Kalletal.
Sein Dank galt außerdem dem Heimat- und Verkehrsverein Hohenhausen mit seinem Vorsitzenden Volker Preuß und Geschäftsführer Michael Pohlmann, dem Lippischen Fischereiverein 1886 e.V. mit Karl-Heinz Friedrichs und Helmuth Sage sowie dem Rat der Gemeinde Kalletal für die notwendigen politischen Beschlüsse und Entscheidungen.
Stephan Ludwig Jacobi – ein Visionär aus dem Dorf
„Stephan Ludwig Jacobi steht für mich für etwas, das heute vielleicht wichtiger ist denn je: Man muss bereit sein, über das Offensichtliche hinauszudenken.“
Jacobi wurde 1711 in Hohenhausen geboren und beschäftigte sich bereits im 18. Jahrhundert mit der künstlichen Befruchtung von Fischen. Mit seinen Versuchen legte er einen entscheidenden Grundstein für die künstliche Fischzucht und wurde damit weit über seine Heimat hinaus bekannt.
„Aus dem beschaulichen Kalletal hinaus in die große weite Welt – das ist die Geschichte von Stephan Ludwig Jacobi. Ein Tüftler, ein Denker, ein Visionär vom Dorf, der sich nicht damit zufriedengegeben hat, dass etwas schon immer so gemacht wurde. Er hat ausprobiert, geforscht und Neues gewagt.“
Für Bürgermeister Mario Hecker ist genau darin auch eine Botschaft für die Gegenwart zu sehen:
„Fortschritt entsteht nicht dadurch, dass man immer nur das tut, was alle schon kennen und gutheißen. Fortschritt entsteht, wenn Menschen den Mut haben, vorauszudenken, Dinge auszuprobieren und Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen – auch dann, wenn es zunächst unterschiedliche Meinungen gibt.“
Das neue Jacobi-Areal solle deshalb nicht nur ein Ort des Erinnerns sein, sondern auch ein Ort der Inspiration.
„Wir ehren heute einen Menschen, der gezeigt hat, dass große Ideen auch aus einem kleinen Dorf kommen können. Das sollte uns Mut machen, auch heute vorausschauend zu handeln, Chancen zu erkennen und unsere Gemeinde Schritt für Schritt weiterzuentwickeln. Stephan Ludwig Jacobi hat uns vor fast 300 Jahren vorgemacht, was es heißt, seiner Zeit ein Stück voraus zu sein. Daran dürfen wir uns gerne erinnern.“
Mit der heutigen Einweihung erhält das Denkmal damit einen würdigen Rahmen – und Kalletal einen neuen kleinen Ort, an dem Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zusammenfinden.
PM Gemeinde Kalletal / Bürgermeister
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