LGPZ-KI-Themenabend mit Christian Beermann
Voller Saal im Pöstenhof: Beim LGPZ-Themenabend erklärte Christian Beermann Künstliche Intelligenz ohne Fachchinesisch – und diskutierte anschließend über Bildung, Deepfakes und europäische Regeln.
„Alexa, wie wird morgen das Wetter?“ – mit einer Frage, die viele im Saal selbst schon gestellt haben, begann am Mittwochabend der LGPZ-Themenabend im Pöstenhof. Christian Beermann, Bereichsleiter Softwareentwicklung beim kommunalen IT-Dienstleister OWL-IT in Lemgo, hatte sich vorgenommen, Künstliche Intelligenz so zu erklären, dass niemand Computerfachmann/-frau sein muss. Das ist ihm gelungen.
Beermann führte sein Publikum von den alten Bekannten – Siri, Alexa, Google Assistant – zu dem, was seit ChatGPT und Claude anders ist. Sein Bild vom Karteikasten leuchtete sofort ein: Der klassische kuratierte Sprachassistent erkennt ein Stichwort und liest eine vorbereitete Antwort vor. Ob man morgen einen Regenschirm braucht, muss man selbst schlussfolgern. Die neuen Sprachmodelle dagegen erfassen den Sinn der Frage und formulieren jede Antwort neu – Wort für Wort. Wie das funktioniert, machte Beermann mit einem Spiel deutlich, das jeder kennt: „Der Apfel fällt nicht weit vom Sta…“ – der Saal ergänzte im Chor. Genau dieses Ergänzungsspiel, so Beermann, habe die KI milliardenfach geübt.
„Kein Wahrheitsautomat“
Bei aller Begeisterung blieb der Referent nüchtern. Halluzinationen – überzeugend erzählte, aber frei erfundene Fakten – gehören zum System, nicht zu den Kinderkrankheiten. Sein Merksatz für den Heimweg: Die KI ist ein sprachgewandter Helfer, kein Wahrheitsautomat. Bei Gesundheit, Geld und Recht sowie vielen weiteren Themen gelte stets Prüfpflicht.
Die anschließende Diskussion zeigte, wie viel Gesprächsbedarf es gibt. Bildung war das erste große Thema: Wie sollen Schulen mit Werkzeugen umgehen, die Hausaufgaben in Sekunden erledigen? Beermann warb dafür, KI nicht zu verbieten, sondern zu unterrichten und betonte, digitale Bildung dürfe nicht auf die Jungen beschränkt bleiben. Ein Zwischenruf brachte es auf den Punkt: Wer nie ausprobiert hat, kann auch nicht mitreden. „Aber Mitreden können ist wichtig!“
Sehr konkret wurde es beim Stichwort Deepfakes. Täuschend echte Bilder, Videos und geklonte Stimmen sind längst kein Zukunftsthema mehr, sondern erreichen die Region über das Telefon. Also, der Enkeltrick mit vertrauter Stimme von Familienmitgliedern. Gesunde Skepsis, so der Tenor im Saal, wird zur Bürgerpflicht.
Chancen und Risiken wurden immer wieder abgewogen. Auf der Habenseite: Briefe und Anträge formulieren, Amtsdeutsch und Beipackzettel übersetzen, Unterstützung in der Medizin, Technik, die im Alter länger selbstständig leben lässt. In der Verwaltung, berichtete Beermann aus dem eigenen Haus, sei KI vor allem eine Antwort auf den Fachkräftemangel – Routinearbeit übernimmt die Maschine, prüfen und entscheiden bleibt beim Menschen.
Die politische Dimension
Zum Schluss ging der Blick in die globalisierte Welt. Die stärksten Systeme kommen aus den USA, China holt auf, die Hochleistungschips stammen fast ausschließlich aus Taiwan. Geopolitisch also hochsensibel. 68 Prozent der Deutschen halten uns laut Bitkom bei KI für zu abhängig. Europas Antwort, der AI Act, wurde im Saal kontrovers diskutiert: Bremst er den Anschluss aus oder sichert er das, was Europa ausmacht? Beermann plädierte für beides gleichzeitig: „Klare Regeln durchsetzen und zugleich in eigene, souveräne KI investieren.“ Sein Schlusssatz blieb hängen: „KI ist kein Naturereignis. Wie wir sie einsetzen, entscheiden wir – als Kunden, als Wähler, als Bürger.“
LGPZ eröffnet ein Diskussionsforum zur KI
Rolf Eickmeier dankte Christian Beermann im Namen der LGPZ für die ungeheuer vielfältigen Anregungen dieses Abends und zeigte sich sehr erfreut, dass in Zukunft weiter gemeinsam mit Christian Beermann KI-Entwicklungen neugierig und kritisch diskutiert werden könnte. Dafür werde in dem LGPZ-Internet-Portal ein „KI -Forum“ eingerichtet. Als erstes werden dort die Folien des Vortrags zu sehen sein. Vielfältige Fragen und Anmerkungen werden dann bestimmt folgen, vermutete er. „Wenn wir KI gemeinsam ohne Scheu ausprobieren und uns darüber austauschen, sind wir keineswegs ohnmächtig“, hatte Christian Beerman bereits während seines Vortrags herausgestellt.
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Die Lippische Gesellschaft für Politik und Zeitgeschichte ist eine lippische Nichtregierungsorganisation. Engagierte Demokratinnen und Demokraten informieren sich selber und andere über wichtige gesellschaftliche Themen und Entwicklungen. Die LGPZ führt dazu Veranstaltungen, Themenreisen und weitere Veranstaltungen im Rahmen der politischen Bildung durch. Weiteres unter www.lippische-gesellschaft.de.
PM Lippische Gesellschaft für Politik und Zeitgeschichte / Brand
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