Einstimmiger Ratsbeschluss: Gemeinde Kalletal bringt ISEK für Varenholz und Stemmen auf den Weg
Kalletal-Varenholz/Stemmen: Der Rat der Gemeinde Kalletal hat in seiner Sitzung in der vergangenen Woche einstimmig beschlossen, die Verwaltung mit der Erarbeitung eines integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzeptes (ISEK) für die Ortsteile Varenholz und Stemmen zu beauftragen. Gleichzeitig wurde die Verwaltung beauftragt, die notwendigen weiteren Schritte einzuleiten und entsprechende Förderanträge vorzubereiten. Bürgermeister Mario Hecker und Fachbereichsleiterin Ewa Hermann begrüßen den Beschluss ausdrücklich: „Mit dem einstimmigen Votum des Rates setzen wir ein starkes Signal für die Zukunft unserer Weserdörfer. Das ISEK bietet uns die große Chance, die Entwicklung von Varenholz und Stemmen strategisch zu planen und dabei erhebliche Fördermittel für öffentliche und private Maßnahmen zu erschließen.“
Bereits im Mai 2025 hatte die Gemeinde im Rahmen des Bürgerbeteiligungsprojektes „Lebens(t)raum Weserdörfer“ die Weichen für diesen Prozess gestellt. Mehr als 100 Bürgerinnen und Bürger waren der Einladung der Verwaltung gefolgt und hatten sich intensiv mit der Zukunft ihrer Dörfer auseinandergesetzt. Die klare Botschaft aus der Veranstaltung: Die Entwicklung der Ortskerne soll Vorrang haben – insbesondere entlang der Varenholzer Straße und Weserstraße. Im Fokus der Diskussion standen vor allem das Erscheinungsbild der Ortsdurchfahrt sowie der Umgang mit sanierungsbedürftiger Bausubstanz. Viele Teilnehmende äußerten den Wunsch, bestehende Entwicklungshindernisse – insbesondere im Zusammenhang mit dem Denkmalschutz – zu überprüfen. Dies mündete unter anderem in einem gemeinsam mit der Denkmalbehörde durchgeführten Dorfspaziergang im Januar 2026, an dem rund 30 Personen teilnahmen. Auch politische Initiativen griffen die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung auf: So beantragte die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Februar die Einleitung zur Ausweisung eines Sanierungsgebietes. Ergänzend regten die Ratsmitglieder aus den Weserdörfern an, das Umfeld von Kindertagesstätte, Sportplatz und Tennisanlage in die weiteren Überlegungen einzubeziehen.

Foto: GK
Bedeutung des ISEK für die Dörfer
Ein integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept ist für Stemmen und Varenholz von großer Bedeutung, da es als strategische Grundlage für eine geordnete und nachhaltige Ortsentwicklung dient. Gerade entlang der Ortsdurchfahrten bestehen städtebauliche Missstände, etwa durch Leerstände, baulichen Verfall oder infrastrukturelle Defizite. Das ISEK ermöglicht eine systematische Analyse dieser Herausforderungen und entwickelt darauf aufbauend abgestimmte Ziele und Maßnahmen. Dabei werden verschiedene Handlungsfelder wie Wohnen, Verkehr, Wirtschaft und soziale Infrastruktur miteinander verknüpft, um ganzheitliche Lösungen zu schaffen. Gleichzeitig verbessert ein ISEK den Zugang zu Fördermitteln erheblich und stärkt durch eine breite Bürgerbeteiligung die Akzeptanz vor Ort. Insgesamt trägt es dazu bei, die Lebensqualität und Zukunftsfähigkeit beider Dörfer langfristig zu sichern.
Wie geht es jetzt weiter?
Mit dem Ratsbeschluss ist der Startschuss für ein mehrstufiges Verfahren gefallen. Im nächsten Schritt erfolgt eine umfassende Bestandsanalyse, in der städtebauliche, funktionale und soziale Gegebenheiten untersucht sowie Stärken und Schwächen herausgearbeitet werden. Darauf aufbauend werden unter Einbindung von Verwaltung, Politik, externen Fachplanern und insbesondere der Bürgerschaft Leitbilder und konkrete Entwicklungsziele formuliert. Die Beteiligung der Öffentlichkeit spielt dabei eine zentrale Rolle und soll unter anderem über Workshops, Bürgerforen und digitale Formate erfolgen. Erste wichtige Erkenntnisse liegen bereits aus dem Beteiligungsprozess „Lebens(t)raum Weserdörfer“ vor. Anschließend werden konkrete Maßnahmen in einem Maßnahmenkatalog gebündelt, priorisiert und zeitlich eingeordnet. Das fertige Konzept wird abschließend vom Rat beschlossen und bildet die Grundlage für Förderanträge bei der Bezirksregierung Detmold.
Themenschwerpunkte und Rolle der Ortsdurchfahrten
Inhaltlich kann das ISEK ein breites Spektrum abdecken – von Wohnen und Mobilität über wirtschaftliche Entwicklung bis hin zu sozialen Angeboten. Eine zentrale Rolle wird dabei das Erscheinungsbild der Ortsdurchfahrten spielen. Hier sollen insbesondere Problemlagen wie Leerstände, Sanierungsstau und gestalterische Defizite gezielt analysiert und angegangen werden. Konkrete Einzelmaßnahmen stehen zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fest. Diese werden erst im weiteren Planungsprozess gemeinsam erarbeitet.
Zeitplan und Umsetzung
Die Erstellung eines ISEK dauert erfahrungsgemäß etwa ein bis zwei Jahre. Eine Beauftragung eines Fachbüros ist bislang noch nicht erfolgt. Erst nach Abschluss des Konzeptes und dessen politischer Beschlussfassung können konkrete Maßnahmen priorisiert und umgesetzt werden.
Fördermöglichkeiten
Ein wesentlicher Vorteil des ISEK liegt in den damit verbundenen Fördermöglichkeiten. Im Rahmen der Städtebauförderung von Bund und Land Nordrhein-Westfalen können – abhängig von der finanziellen Leistungsfähigkeit der Kommune – in der Regel zwischen etwa 40 % und 80 % der zuwendungsfähigen Kosten gefördert werden. Dies eröffnet der Gemeinde erhebliche finanzielle Spielräume zur Umsetzung der geplanten Maßnahmen.
Einbindung von Sport- und Bildungsinfrastruktur
Die Einbeziehung von Kindertagesstätte, Sportplatz und Tennisanlage in den Untersuchungsbereich ist aus Sicht der Verwaltung sinnvoll. Diese Einrichtungen sind zentrale Bestandteile der sozialen Infrastruktur und leisten einen wichtigen Beitrag zur Lebensqualität und Attraktivität der Dörfer. Sie fungieren als Treffpunkte, stärken das Gemeinschaftsleben und fördern Integration sowie Gesundheit. Durch die Aufnahme in ein mögliches Sanierungsgebiet können notwendige Modernisierungen gezielt gefördert und sinnvoll mit anderen Maßnahmen verknüpft werden. Insbesondere für junge Familien stellen solche Angebote einen wichtigen Standortfaktor dar.
Bürgerbeteiligung bleibt zentraler Bestandteil
„Der breite Beteiligungsprozess und die vielen konstruktiven Beiträge aus Bürgerschaft und Politik haben gezeigt, wie groß das Interesse an einer positiven Entwicklung unserer Dörfer ist“, so Bürgermeister Hecker weiter. „Diesen Weg werden wir konsequent fortsetzen.“ Die Gemeinde wird den weiteren Prozess transparent gestalten und die Öffentlichkeit eng einbinden. Über konkrete Beteiligungsformate und Termine wird frühzeitig informiert. „Unser Ziel ist es, gemeinsam mit den Menschen vor Ort lebenswerte, zukunftsfähige und attraktive Ortskerne zu gestalten“, betont Hecker. „Der jetzt gefasste Beschluss ist dafür ein entscheidender Meilenstein.“
PM Gemeinde Kalletal



